Fussball
TuS Steinbach: 17 Tore und das Aus im Pokal
Es läuft die 87. Spielminute am Mittwochabend auf dem gut angefeuchteten Rasenplatz in der Marienthaler Straße. Spielstand 1:1. Enes Ülkü, vergangene Saison mit 22 Toren in 20 Partien Steinbachs Top-Torjäger, übernimmt nach Foul an dem eingewechselten Routinier Ivica Dzijan und folgerichtigem Elfmeterpfiff die Verantwortung. Doch Gäste-Keeper Luca Layes pariert und sollte später endgültig zum Pokalhelden der Lauterer avancieren.
Der Reihe nach. Im ersten Durchgang zeigte Hohenecken vor rund 200 Zuschauern die bessere Spielanlage, die Hausherren agierten mehr mit langen Bällen. Stürmer Danny Schulz vergab zweimal aus guter Position. Teamkollege Nicolas Orthen, zentraler Mann, musste wegen muskulärer Probleme früh raus. In der 35. Minute gingen die Gäste in Führung: Sergen Tok war abermals über den Flügel durchgebrochen und vollstreckte ins lange Eck. Als „längst überfällig“ bezeichnete sein Trainer Benjamin Hassenfratz den Treffer. „Wir sind so oft aufs Tor zugelaufen, haben die letzte Entschlossenheit vermissen lassen.“
Müller fällt lange aus
Zu Beginn der zweiten Halbzeit ein Schockmoment: Hoheneckens Ladarius Bell musste nach einem harten Zweikampf mit dem Krankenwagen abgeholt werden. Der Verdacht auf Knöchelbruch bestätigte sich später. Szenen, die die Steinbacher gut kennen. So besteht nun Gewissheit, dass Abwehrspieler Justin Müller aufgrund einer schweren Knieverletzung aus der Partie gegen Kirn monatelang ausfallen wird.
Nach zehnminütiger Spielunterbrechung glich Steinbach durch Dawid Szaszorowski aus. Über Hendrik Schwab und Daniel Ghoul veredelte der starke Rechtsfuß aus rund 20 Meter (75.). Dann verpasste Ülkü den „Lucky-Punch“. Verlängerung. Marcel Walzer, einer von Hoheneckens quirligen Offensivakteuren, schob nach gut vorgetragenem Konter über die rechte Seite zur erneuten Gäste-Führung ein (93.). Doch der Landesliga-Aufsteiger kam nach erneutem Seitenwechsel ein zweites Mal zurück. Ein Freistoß aus dem Halbfeld fiel über Umwege Nils Frey vor die Füße, der per Abstauber durch viele Beine hindurch zur Stelle war (107.). Im Elfmeterschießen zimmerte der bald 22-Jährige ehemalige FCK-Jugendspieler den Ball dann über das Tor. Auch Hohenecken schoss in Person von Max Eichenlaub einmal drüber. Beim Stand von 8:9 musste Dzijan treffen – doch Layes war da und versank Sekunden später in der obligatorischen Jubeltraube.
„Kämpferisch haben wir gut dagegengehalten. Mehr als der Frust über das unglückliche Aus überwiegt immer noch die Verletzung von Justin. Wir hoffen natürlich auch, dass der Hoheneckener Spieler schnell wieder fit wird“, sagte Steinbachs Daniel Ghoul, der mit seiner persönlichen Leistung nicht zufrieden war. Gäste-Coach Hassenfratz sprach von einem verdienten Weiterkommen: „Über 120 Minuten waren wir das bessere Team. Eine gute Leistung meiner Jungs, auch wenn wir zu viele Chancen haben liegen lassen. Steinbach hat fast nur lange Bälle geschlagen.“
Am Sonntag zur „Erbse“
Die Hanauer-Elf kann sich nur kurz schütteln. Am Sonntag geht es zum VfR Kaiserslautern, der im Gegensatz zu den vier Pflichtspielen des TuS erst eines absolviert hat – die Lauterer flogen im Pokal gegen Bezirksligist FC Otterbach mit 2:3 raus. Die Mannschaft um Spielertrainer und Ex-Profi Christopher Lambrecht steckte vergangene Runde bis zum Abbruch durch Corona tief im Tabellenkeller und steigt nun in die neue Landesliga-Saison ein. Nach zwei Nackenschlägen in Folge, dem 1:1-Ausgleich in letzter Minute zum Auftakt gegen Kirn und dem Pokal-Aus, „wollen wir jetzt unbedingt gewinnen“, hofft Daniel Ghoul auf ein Erfolgserlebnis.
So spielten sie
TuS Steinbach: Hunter - Kladnicanin (55. Ülkü), Barz, Schunk, Kirik (100. Weber) - Frey, Szaszorowski, Krautschneider, Orthen (30. Schwab) - Ghoul (80. Dzijan), Schulz
TuS Hohenecken: Layes - Baur (53. Bell, 58. Wolf), Dendl, Donauer (53. Hill), Eichenlaub - Kamau (116. Bauer), Krieg, Krüger, Müller - Tok, Walzer
Tore: 0:1 Tok (35.), 1:1 Szaszorowski (79.), 1:2 Walzer (93.), 2:2 Frey (107.), Elfmeterschießen: 2:3 Walzer, 3:3 Schwab, 3:4 Hill, 4:4 Szaszorowski, 4:5 Müller, 5:5 Weber, 5:6 Dendl, Frey schießt über das Tor, Eichenlaub schießt über das Tor, 6:6 Ülkü, 6:7 Tok, 7:7 Schulz, 7:8 Wolf, 8:8 Schunk, 8:9 Krieg, Layes hält gegen Dzijan - Zuschauer: 180 - Schiedsrichter: Götte (Framersheim).