Donnersbergkreis Tubenhersteller Höll beantragt Insolvenzverfahren

91-57146080.jpg

Bei allem Auf und Ab, das der Tubenhersteller Höll in den letzten Jahren bereits erlebt hat, war die jüngste Nachricht für die 350 Mitarbeiter im Hauptwerk Langenfeld und im Werk Kirchheimbolanden doch ein Schock: Die Geschäftsleitung des von Oliver Höll in fünfter Generation geführten Familienunternehmens hat beim Amtsgericht Düsseldorf die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragt. Höll äußerte sich gegenüber der RHEINPFALZ gestern dennoch hoffnungsvoll zu einer Zukunft für beide Werke, wo die Produktion „vollumfänglich“ weiterlaufe.

Den Niedrigpreiswettbewerb in Ostdeutschland und Osteuropa sowie „die extrem gestiegenen Energiekosten durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz“ nennt der Geschäftsführer als Gründe, die zur aktuellen Situation führten, in der das 1884 gegründete Unternehmens ums Überleben kämpfen muss. Allein die EEG-Umlage belaste die Firma mit jährlich 950.000 Euro. Während im Hauptwerk im rheinischen Langenfeld Laminattu-ben produziert werden, ist das seit 1964 bestehende Werk Kirchheimbolanden auf die Herstellung von Aluminiumtuben vor allem für die pharmazeutische Industrie spezialisiert. In diesem Werk, das aktuell noch 125 Mitarbeiter hat, hatte die Karl Höll GmbH & Co. KG in den letzten Jahren noch Millioneninvestitionen getätigt, vor allem in eine 47 Meter lange vollautomatische Fertigungslinie. Doch auch zeitweilige Kurzarbeit und betriebsbedingte Kündigungen waren in vergangenen Jahren aufgrund der schwierigen Marktsituation schon unvermeidbar geworden. Oliver Höll zeigt sich jedoch auch in der jetzigen Situation optimistisch, gemeinsam mit Partnern das Ruder herumreißen und das Unternehmen wirtschaftlicher gestalten zu können. Der Tubenhersteller, einer der Großen in der Branche, ist in eine „Planinsolvenz“ gegangen. Das ist ein Verfahren, bei dem Schuldner wie Gläubiger in weitgehender Autonomie Vereinbarungen treffen, insbesondere in einem Insolvenzplan Regelungen zum Erhalt des Unternehmens festlegen können. Die Geschäftsführung wird bei diesem Verfahren nicht an einen externen Insolvenzverwalter übertragen, sondern bleibt beim Management. Der Insolvenzplan muss von den Gläubigern angenommen und vom Insolvenzgericht bestätigt werden. An der Entwicklung eines Sanierungskonzeptes, das Grundlage dieses Planes sei, werde gerade „mit unseren Beratern und unter Einbindung der Gläubiger gearbeitet“, sagte Oliver Höll gestern. Er rechnet damit, dass das Ende September beantragte Insolvenzverfahren Anfang Dezember eröffnet wird. „Unser Ziel ist es, in sechs bis neun Monaten von jetzt an gerechnet wieder aus dem Verfahren ’raus zu sein“, sagte der Geschäftsführer. Insolvenzgeld gewährleistet nach seinen Worten „die Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs und stellt die pünktliche Zahlung der Gehälter sicher“. „Wir arbeiten intensiv daran, dass beide Werke eine Zukunft haben“, hielt Oliver Höll auf die RHEINPFALZ-Frage nach seinen Hoffnungen für die langfristige Sicherung des Unternehmens fest. Gleichwohl ist diese Zukunft im Moment auch für die Beschäftigten ungewiss.

x