VG Winnweiler Treten die Ortsbürgermeister in der VG Winnweiler wieder an?
Börrstadt
Torsten Windecker hat sich die nötige Zeit genommen, um über eine erneute Kandidatur nachzudenken. „Ich spüre aber den Rückhalt im Ort, habe mir zudem in den vergangenen fünf Jahren auch ein gewisses Wissen erarbeitet“, erklärt er. Gründe, warum es nun also doch für ihn weitergehen darf – sofern er nochmals gewählt wird. Der 47-Jährige möchte zudem eine eigene, parteilose Liste aufstellen. „Es gibt einige engagierte Mitbürger, auch jüngere, die sich gerne einbringen würden“, freut sich Windecker. Auch in Börrstadt dominieren die finanziellen Einschränkungen die Arbeit des Ortsbürgermeisters. „Es ist schon hart, wenn man Steuern erhöhen muss, aber durch eine Umlage von 95 Prozent am Ende fast nix für die Gemeinde bleibt“, erklärt Windecker.
Breunigweiler
Marcel Form wird bei der Kommunalwahl im kommenden Juni erneut antreten. Als eine Hauptbelastung empfindet er den Mangel an ehrenamtlicher Tätigkeit in den Gemeinden. Rund zwölf Stunden pro Woche ist er für sein Amt im Einsatz. Der 51-Jährige ist seit der vergangenen Kommunalwahl 2019 im Amt.
Falkenstein
Aus privaten Gründen möchte Volker Demmerle nicht mehr antreten. Er begrüße es, wenn es frischen Wind im Dorf gebe. Das Missverhältnis zwischen Bürgerwünschen und Machbarkeit und der Rückgang der ehrenamtlichen Helfer und der Vereine sieht er kritisch. Der 61-Jährige war seit 2009 Ortsbürgermeister von Falkenstein.
Gonbach
Jürgen Berberich wird ein weiteres Mal als Ortsbürgermeister kandidieren. Für jemanden, der außerdem berufstätig ist, sei das ein nicht unerheblicher zeitlicher Aufwand. Die eingeschränkten Gestaltungsmöglichkeiten durch die unzureichende Finanzausstattung der Kommunen kritisiert auch er. Ferner seien viele bürokratischen Abläufe nicht mehr zeitgemäß.
Höringen
Brigitte Enders will Schluss machen: Sie tritt bei der nächsten Kommunalwahl nicht mehr an. Sie geht ab Februar in Rente und möchte die zeitliche Belastung dann nicht mehr. Die bürokratischen Hürden seien im Tagesgeschäft sehr frustrierend. Die angespannte Finanzlage erfordere zudem viel mehr ehrenamtlichen Einsatz, der aber in der Gemeinde nicht mehr vorhanden sei. Die 65-Jährige ist rund 20 Stunden pro Woche für ihr Amt im Einsatz.
Imsbach
Nicht mehr dabei als Ortsbürgermeister ist Oliver Krupp. Man sei nur noch der Überbringer schlechter Nachrichten, sagt er und nennt als Beispiel die Grundsteuererhöhung bis zur „Erdrosselungswirkung“. Bei der Beantragung von Zuschüssen für ortsspezifische Projekte sei die Flut an Bürokratie sehr zermürbend und zeitaufwendig. Die Hauptbelastung sei somit die Beschaffung von Finanzmitteln, um wenigstens einige Dinge im Ort zu verändern. Der 56-Jährige ist seit 2019 als Ortsbürgermeister tätig.
Lohnsfeld
Walter Bertram wird nach 15 Jahren im Amt den Staffelstab für die Gemeinde Lohnsfeld weitergeben. „Das war jetzt schon eine lange Zeit und nun kann gerne die Jugend übernehmen“, sagt er. Schließlich sei das Ehrenamt auch ein zeitlicher Aufwand, der für ihn als Selbstständigen immer ein großes Thema war. Der 62-Jährige habe Höhen und Tiefen erlebt, mal größeren, mal weniger großen Aufwand mit der Aufgabe als Ortsbürgermeister gehabt. Die Resonanz der Bürger sei dabei im Wesentlichen eine Gute gewesen. „Klar gibt es auch mal Diskussionen, dabei fielen vielleicht auch mal unschönere Wörter. Aber ich habe das stets eher mit Humor genommen“, erklärt Bertram.
Münchweiler
Nicht mehr antreten will Christoph Stumpf. Das falle ihm nicht ganz leicht, aber er sei der Meinung, dass nach 25 Jahren neue Ideen und frische Impulse der Gemeinde gut tun werden. „Obwohl ich weiß, dass es schwierig wird in einer Zeit, in der den Kommunen jeglicher Gestaltungsraum genommen wird.“ Einen Großteil seiner Zeit verbringe er mit den Anliegen der Bürger und natürlich mit der nie endenden Bürokratie. Der 62-Jährige wurde auch schonmal verbal oder in Briefen angegriffen.
Potzbach
Für den Ortsbürgermeister von Potzbach ist nach vier Legislaturperioden noch nicht Schluss. Ulrich Schmitt steht auch diesmal wieder zur Wahl. Der 55-Jährige würde den Weg gerne weitergehen, sieht aktuell besonders Friedhofsangelegenheiten, Festlichkeiten oder gelegentlich auch das Klären von Nachbarschaftsangelegenheit als seine Hauptaufgaben in der kleinen Gemeinde. „Natürlich geht es auch darum, die Gemeinschaft zusammenzuhalten“, sagt er. Bis zu acht Stunden stecke er in der Woche in sein Amt. „Aber natürlich schwankt das auch“, wie er sagt.
Schweisweiler
In Schweisweiler steht ein Wechsel an der Ortsspitze an. Lothar Wichlidal wird nicht nochmals kandidieren. Neben gesundheitlichen Gründen sieht auch Wichlidal die politische Entwicklung als großes Problem. „Letztlich kapituliere ich nun eben“, sagt er. „Ich habe vor fünf Jahren übernommen, um etwas zu bewegen. Nun war vieles nicht mehr möglich“, erklärt er im Hinblick auf knappe Haushalte und Umlagen von 95 Prozent. „Es ist eigentlich lächerlich, was es da inzwischen an Vorschriften gibt“, so Wichlidal. Der 67-Jährige hätte sich noch mal aufgestellt, hätte es keine Nachrücker gegeben. „Aber zum Glück gibt es im Ort engagierte Leute, die da nachrücken werden“, erklärt er.
Sippersfeld
Zurzeit ist Martina Lummel-Deutschle noch unentschlossen, ob sie wieder antreten will, da sich in ihrem Privatleben einige Weichen neu gestellt haben. Sie ist der Meinung, dass ein OB, der die Weiterentwicklung seines Dorfes wolle, aktiv Themen anstoßen müsse. Als Beispiel nennt sie hier den Prozess zur Ernennung von Sippersfeld als Nachhaltigkeitskommune. Dazu brauche es engagierte Mitstreiter, die es glücklicherweise in ihrer Gemeinde gebe. Dabei hat sie allerdings auch schon schlechte Erfahrungen gesammelt. Nicht nur sie selbst, auch ihr Mann wurde schon heftig angegangen. Zum Glück aber hätten immer die positiven Erlebnisse mit den Menschen im Dorf überwogen. Die 48-Jährige ist seit 2004 für die FWG im Rat, als Ortsbürgermeisterin ist sie seit 2019 im Amt.
Steinbach
Susanne Röß möchte bei der Kommunalwahl im Juni nicht mehr antreten. Für sie ist das Amt zu zeitaufwendig und schlecht vereinbar mit Familie und Hauptberuf. Zumal der finanzielle Spielraum der Gemeinden gering sei und Helfer und „Mitmacher“ an allen Ecken wegbrechen würden. Im Schnitt ist sie an sieben Tagen die Woche rund drei bis vier Stunden täglich als „Mädchen für alles“ im Einsatz. Seit 2019 ist sie im Amt als Ortschefin, vorher war sie schon an anderen Stellen in der Kommunalpolitik tätig.
Wartenberg-Rohrbach
Dagmar Schneider-Heintz wird kein weiteres Mal als Bürgermeisterin von Wartenberg-Rohrbach antreten. Die 72-Jährige hatte schon in der laufenden Legislatur mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, fiel daher auch ein Jahr lang im Amt aus. „Da muss man jetzt eben auch Prioritäten setzen, auch wenn es mir aktuell schon wieder deutlich besser geht“, sagt sie. Als belastend hatte sie in den zehn Jahren im Amt besonders die vielen Vorschriften und Verwaltungsthemen empfunden. „Auch wenn die Zusammenarbeit mit der VG immer gut war“, wie sie betont. Der Diskurs mit manchem Bürger sei auch mal unter die Kategorie „unverschämt“ gefallen, was Schneider-Heintz ebenfalls als belastend empfand. „Aber man weiß ja auch, auf was man sich einlässt, und ich habe ein dickes Fell“, sagt sie.
Winnweiler
Rudolf Jacob hat sich noch nicht entschieden, ob er als Ortsbürgermeister von Winnweiler erneut antreten will. Was ihm missfällt ist, dass man als solcher Kritik ausgesetzt ist, für Umstände, die man eigentlich gar nicht zu verantworten habe. Daran sei die schlecht Finanzausstattung der Kommunen schuld. Der 53-Jährge ist im Schnitt 20 Stunden pro Woche als Ortsbürgermeister im Einsatz, und das seit 2009.
Stand: Februar 2024
