Donnersbergkreis Traubeneiche soll’s weiter gut gehen

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Knapp 700 Hektar Wald gehören der Stadt Kirchheimbolanden. Er ist nicht nur wichtiger Erholungs-, sondern ebenso beträchtlicher Wirtschaftsfaktor. Einen kleinen Ausschnitt davon erwandern sich Stadtrat und interessierte Bürger alljährlich. Wie weit sich der Stadtwald erstreckt, wurde diesmal besonders deutlich: Bis an die „Grenze“ zu Ruppertsecken musste gefahren werden, ehe die Wanderstiefel für den Start an der „Schneewiese“ geschnürt wurden.

Den früheren Fichtenbestand hier hat Orkan „Wiebke“ 1990 hinweggefegt. Die knapp zwei Hektar große Fläche wurde danach, wie Stadtförster Roland Lang erläuterte, vor allem mit Eschen aufgeforstet. Nun ist Zeit, den besten von ihnen optimales Wachstum für die nächsten 100 Jahre zu sichern. Rot markiert hat Lang die Bäume bereits, drumherum müssen nun sukzessive die anderen Eschen weg. Warum hier vor zweieinhalb Jahrzehnten so eng gepflanzt wurde und Stämme wie lange Stangen stehen, hat der Stadtförster schnell erklärt: Der Konkurrenzkampf beim Streben nach oben, zum Licht, ist gewollt, sonst würde viel zu früh die Kronenbildung einsetzen. Mit dem künftigen Abstand von 13 bis 15 Metern zwischen den Eschen wird angestrebt, hochwertiges Holz mit sechs bis acht Meter astfreier Stammlänge zu gewinnen. Diesem Ziel ist man auf einem unweit gelegenen, bereits durchforsteten Areal mit Buchen und Eichen schon näher: Die Bäume, berichtet Lang, seien etwa 120 Jahre alt, die dominierenden Buchen werden mit 120 bis 130 Jahren gefällt, Eichen können es gut und gern auf 200 bis 250 Jahre bringen. Besonders weist Roland Lang auf einen markierten „B“-Baum hin: einen Biotopbaum, forstwirtschaftlich nicht von Belang, umso mehr aber für die biologische Vielfalt des Waldes. Biotopwert haben zum Beispiel Bäume, in denen sich Höhlen befinden oder die bereits Schäden aufweisen. Sie dürfen ganz natürlich absterben, erfüllen vorher aber noch nützliche Zwecke, etwas für Kleinlebewesen. Nicht minder tut das das Totholz, das – so eine Frage aus der Gruppe – nicht mehr entfernt wird. Da um Biotopbäume herum nicht gewirtschaftet werden darf, konzentriere man sie in der Regel in Kleinbereichen, ergänzte Eckhard Laubscher, Chef des Forstamtes Donnersberg. Laubscher brachte zum Waldbegang auch Resultate der jüngsten Bundeswaldinventur mit, die deutschlandweit belegen, „dass wir noch nie einen so variantenreichen Wald wie heute, noch nie soviel Nachhaltigkeit hatten“, so der Forstamtschef. Früher sei Wald eine reine Produktionssache gewesen. Aus Aufzeichnungen zum Stumpfwald aus dem 15. Jahrhundert etwa wisse man, dass kein Baum älter als 60 Jahre wurde. Heute sei, neben dem Trend zum Laubholz, auch derjenige zum größeren Altern da. Waldbäume in der Bundesrepublik seien im Durchschnitt 80 Jahre alt. Nutz- und Schutzfunktion, so Laubscher. seien nie so im Einklang gewesen wie heute: „Wir wollen diese Güter an künftige Generationen weitergeben“. Auch im Kirchheimbolander Wald wächst mehr nach, als eingeschlagen wird: Dieser Einschlag liegt laut Roland Lang bei durchschnittlich 2300 Festmetern im Jahr. Ein regelrechtes künftiges Waldrefugium stellte er in der Abteilung Bollerberg vor: 3,5 Hektar sollen hier gänzlich aus der Bewirtschaftung genommen werden, ebenso wie eine weitere Fläche in Richtung Untergerbacherhof. Damit will Kirchheimbolanden die mit der FSC-Zertifizierung des Stadtwaldes verpflichtende Ausweisung von reinem Naturwald umsetzen. Dem Baum des Jahres 2014, der Traubeneiche, erwiesen die Waldgänger besondere Reverenz. Er ist im Stadtwald reich vertreten, erzählte Lang der RHEINPFALZ, macht etwa ein Drittel des Laubbaumbestands aus, wird auch in wirtschaftlicher Hinsicht überaus geschätzt und kann sehr alt werden. Ein prächtiges Exemplar findet sich an der Schulerhütte, wo früher der Kohlenmeiler war. Auf mindestens 300 Jahre schätzt der Stadtförster dies Exemplar. „Unser Ziel ist es, die Traubeneiche auf ihren Standorten zu erhalten und zu fördern“, sagt Lang, denn sie wird von der Buche bedrängt. Vor allem müsse diese Eiche früh reichlich Licht bekommen. Am Ende zeigte Lang noch eine kleine Weihnachtsbaumkultur an der Ochsenwiese. Von diesen 0,6 Hektar deckt die Stadt bald wieder ihren Eigenbedarf an Tannenbäumchen und Schmuckreisig. (bti)

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