Donnersbergkreis Totgesagte leben länger

Der Deutsche Tischtennis-Bund, inklusive des pfälzischen Tochterverbands PTTV, will nahe an den „kleinen“ Klubs der Region sein. Einmal im Monat erscheint daher die Verbandszeitung „tischtennis“. Mit Tipps für Amateure, netten Profi-Porträts, knackigen Turnierreportagen – und eben einer regionalen Kategorie, die sich den Landesverbänden widmet. Jüngst, in einer der letzten Ausgaben, skizzierte die PTTV-Presseabteilung dort die „steile Entwicklung der pfälzischen Tischtennisvereine“ im Damenbereich. Die üblichen „Platzhirsche“ tauchten im Artikel auf, jeweils mit wohlwollender Leistungsnotiz. Natürlich Regionalligist TSG Kaiserslautern als pfälzische Nummer Eins, ebenso die Oberligisten aus Nünschweiler, Edenkoben und Winnweiler. Selbst die Pfalzliga-Größen TTC Pirmasens und TTC Riedelberg fanden lobend Erwähnung. Alles schön, alles gut. Erfolge müssen honoriert werden, richtig so! Eines ließ die Spielerinnen der TSG Zellertal aber stutzig dreinschauen: Ihr Verein, seit gut 40 Jahren nur mit einer kurzen Unterbrechung stets über der 1. Pfalzliga, sei „von der Bildfläche“ verschwunden, hieß es da. Nicht mehr. Und das verärgerte das routinierte Team so ziemlich. „Eigentlich habe ich für so was keine Worte“, wundert sich Christel Diefenbach (64), mehrfache Deutsche Seniorenmeisterin und Sportlerin des Kreises 2017. „Vielleicht hat der Schreiber nur unten und nicht oben auf die Tabelle geschaut.“ Wahrlich, denn unter Von-der-Bildfläche-Verschwinden versteht man gewöhnlich etwas anderes: Die TSG ist mit fast uneinholbarem Abstand Spitzenreiter der Oberliga Südwest – sie wäre bereits Meister, hätte sie an den letzten beiden Spieltagen nicht ziemlich unglücklich 6:8 verloren. Ein Sieg aus drei Partien fehlt jetzt zum Titel. Wahrscheinlich klappt’s am Wochenende. Entweder morgen (18 Uhr) zuhause gegen den TTV Edenkoben oder am Sonntag (10 Uhr) beim TTC Germersheim. Formsache. Es wäre die erste Oberliga-Meisterschaft seit 2007. „Wenn man über 40 Jahre höherklassig gespielt hat und noch spielt, müsste sich der Pressewart eigentlich mal bei dem entsprechenden Verein informieren. Dann erst kann und darf man urteilen“, rügt Diefenbach sachlich. Mit dem Artikel, der in der Pfalz in Hunderten Vereinen ausliegt, hat der PTTV einen dicken Bock geschossen. Denn: Mit der Tabellenführung ist Zellertal im Verband gar die zweite Kraft hinter Regionalligist TSG Kaiserslautern. Und während die ihre „Stars“ beinah wöchentlich über 20 Stunden aus der Slowakei einreisen lässt, wohnt man in der nordpfälzischen Weinregion fast neben der Turnhalle. Christel Diefenbach, Sabine Ghoul, Silke Ermel und Sylke Bayer schlagen in dieser Besetzung genau 20 Jahre lang auf, zur Vorsaison stieß die Marnheimerin Sabrina Scherrer dazu. Alles, ohne je einen Cent – oder eher Pfennig – kassiert zu haben. „Wir waren immer unsere eigenen Manager. Vielleicht ist das eine Generationengeschichte“, mutmaßt Diefenbach. „Wenn wir Meister werden, ist das eine Bestätigung, dass wir über Jahre konstant Leistung zeigen. Es war eine anstrengende Runde, aber glückliche Punkte haben wir nicht geholt“, so die 64-jährige Zellerin. Weil die Klasse so extrem ausgeglichen ist und die TSG das Quäntchen mehr Erfahrung hat, war der Titel in den letzten fünf, sechs Monaten nie gefährdet. Seitdem ist sie Primus. Erst, wenn diese Mannschaft alters- oder gesundheitsbedingt auseinanderfällt, dann ist sie tatsächlich von der Bildfläche verschwunden. Im Moment aber noch nicht …