Jakobsweiler
Tierliebe trifft auf Bürokratie: Kein Hund für ältere Menschen?
Nachdem im Jahr 2023 ihr Hund im Alter von 18 Jahren gestorben ist, hatte sich Hilde Van Kirk (79) aus Jakobsweiler im Frühsommer 2024 überlegt, dass sie gerne wieder einen Hund hätte. „Natürlich war mir klar, dass ich mir damals mit 76 Jahren keinen Welpen zulegen kann, aber ich wollte gerne einen etwas älteren Hund aus einem Tierheim in Deutschland“, erzählt sie im Gespräch. Hintergrund: Immer wieder lese sie, dass die Tierheime in Deutschland voll sind und viele Menschen sich dann aber Hunde im Ausland holen. Doch so einfach, wie sich Hilde Van Kirk das mit dem neuen Hund aus Deutschland vorgestellt hat, war das nicht.
Etliche Tierheime sagten bereits am Telefon ab, als sie das Alter von Hilde Van Kirk hörten. Schließlich durfte sie sich im Sommer 2024 einen Hund im Tierheim in Pirmasens anschauen: Der Vierbeiner mit dem Namen Susi hätte ihrer Meinung nach sehr gut gepasst. Es gab sogar einen zweiten Besuch beim Tierheim, diesmal kamen Enkelsohn und Sohn mit. Denn: Hilde Van Kirk hatte sich auch Gedanken darüber gemacht, was passiert, wenn sie sich nicht mehr um einen Hund kümmern kann. In dem Fall sollte der Vierbeiner dann zu ihrem Sohn, der Schwiegertochter und dem Enkelsohn ziehen – die Familie wohnt im selben Haus. Wieder gingen sie mit Susi spazieren.
Ein paar Tage später dann die Ernüchterung
Doch dann, ein paar Tage später, kam die Ernüchterung in Form einer E-Mail: „Ich habe eine Mail bekommen, in der stand, dass ich den Hund nicht haben kann. Als Grund nannten sie, dass sie nicht gut finden, wenn mein Enkelsohn mit ihm spazieren geht. Ich vermute aber, es lag an meinem Alter“, so Hilde Van Kirk. Und weiter: „Wie viele Gründe vorgebracht werden, einem alten Menschen ein Tier zu verweigern, können Sie sich kaum vorstellen, vor allem aber das Alter“, erzählt sie. Zudem kenne die 79-Jährige etliche andere Beispiele von Freunden und Bekannten, die im Alter ähnliche Erfahrungen machen mussten.
Auf eine Anfrage der RHEINPFALZ reagiert das Tierheim in Pirmasens: „Nein, es ist nicht korrekt, dass wir Tiere ungern an ältere Menschen vermitteln. Wir machen die Vermittlung unserer Tiere nicht am Alter fest, sondern daran, ob Mensch und Tier zusammenpassen. Dabei spielen viele Faktoren eine Rolle. Wir entscheiden als Tierschutzverein aber immer in allererster Linie im Sinne des Tieres“, schreibt Birgit Oster, Vorsitzende des Tierschutzvereins Pirmasens Stadt und Land.
Mittlerweile wohnen Kira und Luna bei ihr
Nun gibt es aber doch ein glückliches Ende: Hilde Van Kirk hat mittlerweile einen Hund gefunden: „Ich habe nun Kira bei mir – eine achtjährige Chihuahuahündin aus Lanzarote, und bin glücklich mit ihr. Sie kam sehr klein und verwahrlost zu mir, jetzt geht es ihr prächtig, auch mein Enkelsohn kommt gut mit ihr zurecht“, erzählt Van Kirk. Gerne hätte sie einem Tier aus einem deutschen Tierheim diese Chance gegeben, aber es wurde ihr verwehrt. Allerdings sei sie nun sehr glücklich mit ihren tierischen Mitbewohnern, denn: Nicht nur Kira wohnt nun bei ihr, sondern auch die vierjährige Katze Luna aus Mazedonien. „Wenn ich mal nicht mehr kann, übernimmt mein Sohn den Hund und meine Tochter die Katze“, erzählt sie. Die Tiere geben ihr bis heute viel Lebensmut. „Ich gehe jeden Tag mit dem Hund spazieren, das gibt mir eine feste Tagesstruktur“, sagt Hilde Van Kirk.
Und was macht der Hund Susi aus Pirmasens? Auch ihr geht es gut. „Es gab mehrere Bewerber für Susi, sie war einer unserer eher unkomplizierten Hunde, klein, recht jung und außer der anfänglichen Unsicherheit ohne echte Herausforderung. Das haben wir selten im Tierheim. Letztendlich haben wir uns für eine ältere Dame entschieden, die bereits zuvor einen Hund von uns adoptiert hat. Ausschlaggebend war, dass wir gesehen haben, wie sehr Susi von diesem vorhandenen Hund profitiert hat“, erzählt Birgit Oster. Ende gut, alles gut.