Göllheim RHEINPFALZ Plus Artikel Sven Hieronymus: Generationenkonflikte im Rockerzuhause

Plaudert aus dem Nähkästchen: der „Rocker vom Hocker“ Sven Hieronymus.
Plaudert aus dem Nähkästchen: der »Rocker vom Hocker« Sven Hieronymus.

Er weiß, was Eltern (fast) flügger Jugendlicher plagt: Der Comedian Sven Hieronymus hat seinem Publikum in Göllheim am Samstagabend mit seinem Programm „Als ob“ aus der Seele gesprochen – und am Ende lachten alle auch über sich selbst.

Als „Rocker vom Hocker“ ist Hieronymus bekannt, vor allem durch seine Tätigkeit für den Sender RPR1, gerade eben aber wegen der Alltagsgeschichten von Sohn und Tochter, die je nach aktuellem Programm wechselnd im Fokus des Comedians stehen. Hieronymus macht sein Ding, seit er auf der Bühne steht: Er erzählt, was bei ihm zu Hause abgeht, Geschichten aus dem Leben des in die Jahre gekommenen Rockers, der längst Eigenheimbesitzer ist und sich mit dem Familienleben herumplagen muss.

Da ist der 19-jährige Sohn, dessen Name im gesamten Programm nie fällt und dessen Leben mit Shisha und Playstation im düsteren 24-Quadratmeter-Zimmer verläuft. Und der sich mit Freunden umgibt, die für den geplagten Familienvater alle gleich aussehen. Damit ist Hieronymus beim Thema und beim Publikum, das sich zu weiten Teilen aus eben genau jener Generation zusammensetzt, die Verständnis für den vom Nachwuchs ach so genervten Mann auf der Bühne aufbringt. Irgendwie erinnert der Sohn ja schon an den eigenen Junior unterm Dach oder im Kellergeschoss.

Vom ersten Moment an unterhaltsam

Genau damit punktet der Comedian bei seinen Fans, die sogar aus der südlichen Pfalz angereist sind, um live zu erleben, was der Rocker so alles zu erzählen hat. Hieronymus erhebt nie den Anspruch, Tiefgründiges zu verbreiten, dennoch trifft er mit seinen Lebensanalysen genau den Nerv – das macht ihn aus. „Als ob“ heißt das aktuelle Programm, das vom ersten Moment an unterhaltsam ist. Der Dampfplauderer treibt seine Zuschauer mit einem guten Gag nach dem anderen vor sich her. Sicher: Das eine oder andere ist vorhersehbar, hat man vielleicht schon mal gehört, doch das stört nicht. Platt wirkt der Rheinhesse zu keiner Zeit, die Gags sind stets gezielt gesetzt. Er schafft es, schnell Begeisterung hervorzurufen, was am Ende dazu führt, dass einige Fans ihm den Applaus sogar im Stehen spenden.

Sven Hieronymus folgt in all seinen Programmen stets einem roten Faden, kommt immer wieder auf die Dinge zurück, die er bereits angesprochen hat. Das trifft auch zu, wenn er statt über seinen Junior mal über seine Tochter spricht, die gerade in die erste eigene Wohnung zieht. Die nervt dann mit einigen Anrufen auf dem Mobiltelefon des Rockers. Diese vermeintlichen Unterbrechungen seiner Arbeit auf der Bühne sind eines der festen Stilelemente, die Hieronymus in jedem Programm verwendet. Der Zuschauer wartet quasi darauf, dass die nächste Nachricht eingeht, über die der Rocker sich bestens aufregen kann.

Gemeinsame Erinnerungen und Erlebnisse

Geschickt nutzt er die Erkenntnis, dass viele in der Elterngeneration mit der Lebenseinstellung des eigenen Nachwuchses wenig anfangen können, da ja früher alles besser – weil anders – war. Auch die Rückblicke auf die eigene Jugend und auf die eigenen Freunde (ähnliche Loser übrigens wie die Freunde des eigenen Sohns) machen die Auftritte des Rockers aus. Sven Hieronymus gelingt es so, für sein Publikum immer aktuell zu bleiben, denn die Erinnerungen und Erlebnisse teilt er mit ihm. So wird der Abend dann für beide Seiten die gewünscht erfolgreiche Therapiesitzung: Denn über den Rocker und seine Probleme zu lachen, das heißt in jedem Fall, auch über sich selbst zu lachen.

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