Börrstadt / Sippersfeld / Breunigweiler RHEINPFALZ Plus Artikel „Straßen-Deal“: Kreisstraße 44 wird erneuert und K43 von der Landkarte getilgt

Ein bisschen windschief, zugegeben: die K44 wirkt am rechten Bildrand wie ein Teilstück der Carrera-Rennbahn, neu ausgepackt und
Ein bisschen windschief, zugegeben: die K44 wirkt am rechten Bildrand wie ein Teilstück der Carrera-Rennbahn, neu ausgepackt und aufgestellt zu Weihnachten. Im Hintergrund liegt Breunigweiler, die Route führt nach Börrstadt. Standpunkt des Fotografen: die Betonstraße, die eine wichtige Rolle im Konzept spielt.

Zur Not können Feuerwehr und Rettungsdienst noch drüber rauschen. Doch wird der Asphalt zwischen Börrstadt und Sippersfeld künftig Spaziergängern, Radlern und Traktorfahrern gehören. Wieder verschwindet im Landkreis eine Straße. Der Protest ist verstummt, der Kompromiss scheint tragfähig. Immerhin drohte ungleich Schlimmeres.

Nicht mehr allzu lange, dann wird die Kreisstraße 43 von der Landkarte getilgt. Zwischen Sippersfeld und Börrstadt wird stattdessen ein Rad- und Gehweg gebaut, der auch als Wirtschaftsweg dienen soll. Erneuert – und stückweise verlegt – wird die K44, die Breunigweiler mit Börrstadt verbindet. Das ist nun zwar noch nicht verbrieft und besiegelt.

Doch die Kompromisslösung im Straßen-Streit, der die Bürger im Dörfer-Dreieck bewegt hat, scheint tragfähig. Denn das Vorhaben hat bereits die ersten Hürden genommen.„Die Eins-A-Lösung ist das sicherlich nicht ...“: Auch Rudolf Jacob wäre lieber gewesen, die Sippersfelder hätten irgendwann in den nächsten Jahren auf direktem Wege über eine neu asphaltierte Fahrbahn Börrstadt ansteuern können. „Es ist eben keine Ideallösung, sondern ein Kompromiss“, kommentiert der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Winnweiler auf Anfrage der RHEINPFALZ den „Straßen-Deal“.

Mögliche Bürde für Ortsgemeinden entfällt

Ausgeklügelt wurde er im Kreishaus, und die Verbandsgemeinde Winnweiler sowie die drei Ortsgemeinden müssen sich nun damit anfreunden. Ach ja, das Land ist auch noch mit im Spiel; die Landesregierung hat signalisiert, nun zumindest den Ausbau einer der beiden Straßen finanziell zu fördern, die Sippersfeld respektive Breunigweiler mit Börrstadt verbinden.

Auf den Direktverbindungen im Dörfer-Dreieck liegt so einiges im Argen. Es gibt zwar sehr wohl Straßen in weit schlimmerem Zustand. Aber eine Runderneuerung beider Kreisstraßen wäre bald fällig gewesen. Nun hat allerdings das Land kundgetan, Erneuerungsmaßnahmen an Kreisstraßen nicht mehr zu fördern, wenn die anliegenden Orte durch andere klassifizierte Straßen angebunden sind. Mit anderen Worten: Es fließt kein Geld mehr aus Mainz; der Donnersbergkreis hätte die notwendigen Aufwendungen alleine stemmen müssen. Unmöglich angesichts der Haushaltslage des Kreises, der bekanntlich finanziell nicht eben auf Rosen gebettet ist.

Landkreisen bleibt kein Spielraum

Der in Mainz gefasste Beschluss allerdings hätte im Fall Börrstadt und Nachbarorte verheerende Folgen haben können. Denn in seiner Konsequenz hätte er bedeutet: Weder in die eine noch in die andere Straße wird künftig nurmehr ein müder Euro investiert. Stattdessen werden beide vom Netz genommen.

Das wäre gemäß Landesvorgaben möglich gewesen, weil Sippersfeld wie Breunigweiler an der L394 liegen und Börrstadt an der L401. Mithin sind alle drei Orte über klassifizierte Straßen angebunden. Das müsse grundsätzlich genügen, besagt die Haltung der Landesregierung. Den Landkreisen bleibt angesichts dieser Maßgabe praktisch kein Spielraum.

Allzu weite Umwege bleiben erspart

Nun ist immerhin vom Tisch, dass in absehbarer Zeit den Umweg über Standenbühl oder Langmeil nehmen muss, wer von Breunigweiler oder Sippersfeld nach Börrstadt gelangen möchte. Das hätte in letzter Konsequenz gedroht. Wobei diese Konstellation noch eine weitere üble „Nebenwirkung“ gehabt hätte.

„Das schlimmste Szenario wäre gewesen, die Kreisstraßen wären zu Feld-und Wirtschaftswegen herabgestuft worden“, gibt Martina Lummel-Deutschle zu bedenken. In diesem Fall wäre nämlich den Ortsgemeinden auch noch die Last der künftigen Unterhaltung jener Wege aufgebürdet worden. Insofern ist Sippersfelds Ortsbürgermeisterin jetzt überzeugt, dass die Gemeinde noch mit einem blauen Auge davonkommt. „Weil wir in dieser Sache zusammengehalten haben, haben wir das beste für unsere Region erreicht“, ist die Ortschefin überzeugt, dass trotz der zu schluckenden Kröte am Ende noch ein bisschen was Gutes dabei herauskommt.

Lage an der Ortseinfahrt im Blick

Das meint auch Thomas Windecker. Der Börrstadter Ortsbürgermeister war keineswegs erbaut von dem Kompromissvorschlag, hatte sich, wie auch Breunigweilers Ortsbürgermeister Marcel Form nach Kräften um den Erhalt beider Kreisstraßen bemüht. „Wir haben noch den Vorteil, dass sich die Situation an der Ortseinfahrt von Breunigweiler her entschärft“, gibt Windecker zu bedenken.

Für die Bürger in Breunigweiler ändert sich praktisch nichts. Für sie wird die Zufahrt nach Börrstadt sogar noch bequemer. Die Börrstadter selbst profitieren noch am meisten von einem Aspekt, den der „Straßen-Deal“ beinhaltet: Die K44 wird nicht nur erneuert, sie wird teilweise verlegt. Auf der Anhöhe vor Börrstadt mündet sie künftig in die frühere Nato-Straße, auch „Beton-Straße“ genannt, die momentan ein Wirtschaftsweg ist. Auf deren Trasse soll die K44 zur K43 führen. Damit kann, so die Argumentation der Befürworter, die prekäre Situation der teilweise engen Ortseinfahrt Börrstadts nahe des Theresienhofs entschärft werden.

Baulast liegt bei der Verbandsgemeinde

Der Kreis sichert zu, die K44 auszubauen, auch den Rad-, Geh- und Wirtschaftsweg auf der bisherigen K43 noch zu bauen. Erst dann fällt der Weg in die Verantwortung der Ortsgemeinden. Für Verbandsbürgermeister Jacob ist dies nun kein Schreckgespenst: Auf absehbare Zeit seien dank der Zusicherungen keine Belastungen zu erwarten.

Die Verbandsgemeinde ist übrigens deshalb mit im Boot, weil die VG Winnweiler als einzige im gesamten Land als Baulastträger für die Ortsstraßen ihrer Ortsgemeinden fungiert. Diese Aufgabe sei ihr schon früh von den Ortsgemeinden übertragen worden, die damit auch gut fahren, wie Jacob überzeugt ist.

Jetzt Kreis und VG noch gefragt

Als letztlich Verantwortlicher für die Straßenbaulast findet Jacob das Konzept denn auch, wenngleich nicht Eins-A, so aber doch annehmbar. „Wir werden die Zustimmung empfehlen“, sagt Jacob mit Blick auf die noch ausstehende Entscheidung des VG-Rats, die im Oktober fällig ist. Die drei Ortsparlamente haben bereits zugestimmt. Zuletzt muss dann auch noch der Kreistag über die Angelegenheit befinden.

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