Donnersbergkreis Steinbach: In der Ortsgemeinde soll Wohn- und Betreuungsprojekt umgesetzt werden
„Die Pflege ist eines der Top-Themen der Zukunft“, sagt Reiner Bauer, Abteilungsleiter Soziales in der Kirchheimbolander Kreisverwaltung. Für Landrat Rainer Guth gibt es hier viele gute Ansätze, diese müsse man noch mehr verknüpfen. Ein Ansatz soll in Steinbach umgesetzt werden. Dabei handelt es sich um ein Wohn- und Betreuungsprojekt. „Pflege trifft Dorferneuerung“, nennt es Bauer, der in Steinbach zudem Ortsbürgermeister ist.
„Der Kreis ist geprägt von großen Häusern. Es gibt wenig alternative Wohnformen“, sagt Reiner Bauer mit Blick auf das Thema Pflege. Und er weiß, dass gerade der Wunsch nach wohnortnahen Angeboten vorhanden ist. „Ohne den Seniorenheimen eine Konkurrenz machen zu wollen.“ Dass der Bedarf dafür da ist, zeigt ein Blick auf die Zahlen. „Schon jetzt ist jeder Fünfte im Kreis über 65 Jahre“, so Bauer. Eine Bevölkerungsvorausrechnung des Statistischen Landesamtes geht für das Jahr 2035 von 67.855 Einwohnern im Donnersbergkreis aus (aktuell sind es um die 75.000) – davon werden 22.298 über 65 Jahre sein (derzeit sind es rund 15.500). Wobei Landrat Rainer Guth mit Blick auf die Bevölkerungszahlen derzeit sogar von einem „geringen Zuwachs“ im Kreis spricht. „Die Talsohle ist hier wohl durchschritten, was den Bevölkerungsrückgang betrifft“, so der Landrat. In Steinbach habe man sich Gedanken über ein Konzept für ältere Menschen gemacht, berichtet Reiner Bauer. Herausgekommen ist das „Haus Donnersberg“, ein Wohn- und Betreuungsprojekt. „Von einem dankbaren Anfang“ spricht der Ortsbürgermeister vor allem, weil die Gemeinde ein 1100 Quadratmeter großes Grundstück in der Ortsmitte hat. Das soll für ein altersgerechtes Wohnen zur Verfügung gestellt werden. „Bereits früh haben wir Kontakt zu F.K. Horn aus Kaiserslautern aufgenommen. Die Firma unterstützt uns bei Planung und Machbarkeitsstudie. Außerdem baut sie die Hülle des Gebäudes“, berichtet Bauer. Durch das Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit gab es eine Anerkennung als „innovatives Wohn- und Quartiersprojekt“ – verbunden mit einer Zuwendung für die Gründungsberatung. Vorgesehen sind laut Bauer zehn rollstuhlfreundliche Wohneinheiten mit kleiner Küche und eigenem Bad. „Wichtig ist, dass man hier ein selbstständiges Leben mit Unterstützung führen kann“, berichtet Bauer. Im Erdgeschoss sind Gemeinschaftsräume für Betreuungs- und Begegnungsangebote vorgesehen. Was das Thema Pflege betrifft, so soll es eine Grundversorgung geben, die einen „täglichen Wohlaufservice“ umfasst. „Dies ist Bestandteil jeder Wohnung“, sagt Bauer. Ansonsten könne sich jeder ein Paket nach seinen Wünschen zusammenstellen. Auf rund 1,5 Millionen Euro werden die Baukosten geschätzt. Was die Finanzierung betrifft, so gebe es den „Grundgedanken einer Genossenschaft. Es gibt bereits Menschen, die bekundet haben, dass sie das mittragen“, erzählt Bauer. Für ihn ist die Genossenschaft eine „wunderbare Rechtsform, die wieder in Mode kommt, aber vom Verwaltungsaufwand nicht zu unterschätzen ist“. Ziel sei es, dass diejenigen, die eine Wohnung möchten, auch Genossenschaftsmitglied werden. Von F. K. Horn sei auch eine Teilinvestor-Idee ins Spiel gebracht worden. Neben dem Gebäude selbst sollen in dessen Umfeld auch Grünflächen entstehen. So soll ein Gelände mit dem Bereich an der Kirche verbunden werden. Auch ein Spielplatz befindet sich dort. Reiner Bauer wünscht sich hier einen Begegnungsort für jüngere und ältere Menschen. Eine Begegnung der Generationen gibt es in Steinbach bereits einmal im Monat im Bürgerhaus beim „Mittagstisch der Generationen“ (wir berichteten). Dieser soll auch fortgeführt werden, wenn das „Haus Donnersberg“ mal errichtet sein sollte. Dessen zentrale Lage im Ort sieht Bauer als weiteren Vorteil. Kirche, Café, Einkaufsladen, Friseur sind in unmittelbarer Umgebung. Dazu gibt es das Sportheim oder die Hütte des Pfälzerwaldvereins mit kulinarischen Angeboten. Für den Ortsbürgermeister eine „Win-win-Situation“. Denn die Bewohner sollen in die Dorfgemeinschaft integriert werden. Umgekehrt könnten Geschäfte und Gastronomen so Kunden hinzugewinnen. Bauer betont auch: Das „Haus Donnersberg“ solle nicht nur für Steinbacher errichtet werden. Im Ort seien viele Menschen von dem Konzept angetan. Und auch in den umliegenden Gemeinden werde das Projekt „sehr interessiert beobachtet“. Landrat Guth möchte das Modell gerne auch in anderen Orten anstoßen. „Natürlich individualisiert. Jedes Dorf hat seine Eigenheit. Aber diese Idee sollte man auch in andere Dörfer im Kreis tragen.“ Für Guth ist es wichtig, lebendige, attraktive Gemeinden zu haben. „Unersetzlich“ sind für ihn dabei auch Gastwirtschaften. „Die Leute wollen miteinander reden, sich treffen“, sagt der Landrat. Und wenn ein Dorf attraktiv ist, lebe man dort auch gerne. „Gerade auch im Westkreis haben wir superschöne Dörfer.“ Diese bräuchten aber auch eine gute Internet- und Mobilfunkverbindung. „Was das Internet betrifft, sind wir dabei. Beim Thema Mobilfunk ist noch ein dickes Brett zu bohren“, sagt der Landrat. Mit 49 Kindertagesstätten sei der Kreis gut aufgestellt. „Es dürfen aber nicht weniger werden.“ Den Öffentliche Personennahverkehr bezeichnet der Landrat zudem als „gut“. Das alles ist für Guth auch wichtig, um junge Menschen wieder in die Dörfer zurückzuholen, wenn sie etwa wegen des Studiums wegziehen. „Sie brauchen positive Erinnerungen an ihre Heimat.“ Den Kreis attraktiv machen, sich im Bereich der Pflege gut für die Zukunft aufstellen: zwei große Themen. „Ich bin froh und stolz, dass wir so viele gute und innovative Pflegeträger im Kreis haben“, betont Guth. Und gerade zwischen diesen gelte es Synergien zu nutzen, dazu neue Konzepte zu entwickeln. Wie das Projekt in Steinbach. Einen Zeitplan für dieses gibt es laut Reiner Bauer, den künftigen Standortentwickler und Wirtschaftsförderer des Kreises, noch nicht. Man wolle den Interessenten ein schlüsselfertiges Angebot erstellen. „Da ist noch ein bisschen was zu machen.“ Der nächste Schritt sei eine Veranstaltung im Mai, bei der über das Projekt informiert werde.