Donnersbergkreis
Steinbach: Der Zustand des Waldes ist „hochdramatisch“
Der Wald ist in einem schlechten Zustand. Das weiß inzwischen auch die Politik. Vergangene Woche waren sieben Mitglieder der SPD-Landtagsfraktion im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Fraktion vor Ort“ deshalb am Donnersberg. Dabei zeichnete der Forstamtsleiter ein düsteres Bild.
Treff war an der Pfälzerwaldvereinshütte bei Steinbach. Vom Forst nahmen neben Forstamtsleiter Lothar Runge auch Hans Werner Schröck von der Forschungsanstalt für Forstwirtschaft und Waldökologie in Trippstadt, Marco Sergi von der Forstverwaltung in Neustadt sowie Revierförster Martin Teuber teil.
Runge wies darauf hin, dass man die derzeitige Entwicklung der naturnahen Wälder ohne zu übertreiben schon als hochdramatisch einstufen müsse. Die Krise, in der der Wald zur Zeit stecke, stelle eine große Herausforderung für die gesamte Gesellschaft dar.
Klimawandel ist schuld an den Waldschäden
Vom Standort neben der Hütte konnte man mit bloßem Auge bereits die geschädigten braunen Areale an der Südostseite des Donnersbergs erkennen – dies sind naturnahe Waldbereiche, in denen seit 100 Jahren keine Waldwirtschaft mehr betrieben wird. Die Ursachen sind zum einen extreme Hitzeperioden, wie sie in den vergangenen beiden Jahren aufgetreten sind, und zu wenig Niederschläge – mit anderen Worten: der Klimawandel. Außerdem Schädlinge und Krankheiten, die zum Teil auch eingeschleppt wurden.
Alexander Fuhr, einer der drei stellvertretenden Fraktionssprecher der SPD, bedankte sich für die Möglichkeit, vor Ort Einblick in die Situation zu bekommen. Er und seine Delegation seien auch bereit, einiges in ihre politische Arbeit mitzunehmen.
Nach einem Shuttle-Service Richtung Donnersberg stand eine bergauf führende Exkursion in der Gemarkung „Stellweg“ auf dem Programm, wobei Runge und Teuber an verschiedenen Punkten auf die vorhandenen Probleme hinwiesen. Selbst die bisher vorherrschende Meinung, dass man mit Mischwald – im Forstjargon „Risikostreuung“ – auf der sicheren Seite sei, was die Erhaltung des Waldes angeht, habe zur Zeit keine Gültigkeit mehr. Dies wurde deutlich an einer Fläche, auf der abgestorbene junge Eichen stehen. Sie sind etwa 100 Jahre alt, was für eine Eiche kein Alter ist. Nebenan stehen Schwarzkiefern, die eigentlich hitzeresistenter sein müssten, da sie aus Korsika stammen. Sie zeigen aber ebenfalls deutliche Anzeichen von Schädigung, da es für sie im Winter zu kalt ist.
Damit der Fußweg nicht zu lang wurde, wurden auch Luftbilder gezeigt, auf denen das Schadensausmaß deutlich demonstriert war. Erschreckend war ein Bild vom Nordhang des Wildensteiner Tals – Naturwaldreservat seit 1972 –, wo auf einer großen Fläche die Buchen abgestorben und viele helle Flecken zu sehen sind. Als Folgen sind verstärkte Bodenerosion und Verbuschung zu erwarten.
Auch Fressfeinde sind ein Problem
Diskutiert wurde, wie man Wasser in den Wald bringen und dafür sorgen könnte, dass es vom Boden aufgesaugt wird. Die Fachleute meinten, falls es überhaupt möglich sei, wäre es mit Sicherheit sehr aufwendig. Eventuell könnte man es mit mehreren kleinen Rückhaltebecken versuchen. Löschflugzeuge gibt es in Deutschland nicht.
Aber nicht nur die Trockenheit ist für die Schäden verantwortlich, sondern es gibt auch ein Fraßproblem. Der Schwammspinner, ein Schmettterling, ist hier das Hauptproblem. Seine Raupen fressen nicht nur die Blätter von Eichen, sondern zusätzlich noch die sogenannten Johannis-triebe. Das sind Blattknospen, die für das nächste Frühjahr angelegt sind und die eigentlich zur Kompensation von Fraßschäden um den Johannistag (24. Juni) herum austreiben. Deshalb ist im nächsten Jahr keine Belaubung mehr zu erwarten.
Als weitere Problematik wurde die Personalsituation angesprochen. Das Berufsbild Förster erfreut sich zur Zeit keiner großen Beliebtheit; das heißt es fehlt in vielen Revieren an Nachwuchs. Natürlich stecken die Forstleute nicht den Kopf in den Sand, sondern suchen nach Lösungen. Teuber hat beispielsweise für sein Dannenfelser Revier im Frühjahr 2020 eine Baumpflanzaktion im Visier, an der sich die Bürger beteiligen sollen. Außerdem werden robuste Baumarten gesucht. Die „Zerreiche“, die vornehmlich in Ungarn vorkommt, könnte eine solche sein. Ganz klar wurde aber formuliert, dass es für die momentane Situation kein gesichertes Wissen für die Zukunft gibt. Runge: „Wir wissen nicht, wo es hingeht, wir stochern eigentlich im Nebel.“
Es gab aber auch einen Hoffnungsschimmer: Auf einer kleinen Fläche stehen sehr junge Bäumchen, die farblich gekennzeichnet sind und unter dem Aspekt „Waldverjüngung“ zu sehen waren.