Rockenhausen
Stadtwald: Berliner Finanzspritze beschert Plus in Planung für 2021
Ursprünglich war im Forstwirtschaftsplan für dieses Jahr ein Defizit von 16.500 Euro veranschlagt, wie Stadtförster Lothar Burkhart in der Sitzung des Stadtrates erläuterte. Einnahmen von 21.400 Euro – davon 15.300 Euro aus Holzverkauf – stehen Ausgaben von 37.900 Euro gegenüber. Damit liegt man auch im Trend der Vorjahre.
Plötzlich habe sich aber die Kalkulation für 2021 „erheblich geändert“, so Burkhart. Ausschlaggebend dafür sei „eine Summe von 53.800 Euro, die wir für den Stadtwald erhalten werden“. Bei dem Betrag handelt es sich um eine zuvor beantragte Förderung des Landwirtschaftsministeriums aus dem Programm „Flächenprämie Wald“. Die Folge: In dem vom Rat einstimmig beschlossenen Plan wird aus dem vorgesehenen Fehlbetrag ein zu erwartender Überschuss von zirka 37.000 Euro.
Geld aus diesem Bundes-Topf bekommen aber nur Waldbesitzer – ob staatlich, kommunal oder privat –, die bestimmte Umweltstandards erfüllen. „Der Stadtwald ist nach FSC zertifiziert – deshalb haben wir mit 120 Euro pro Hektar die maximal mögliche Prämie erhalten“, informierte Burkhart. FSC steht für „Forest Stewardship Council“; Ziel der Non-Profit-Organisation ist eine umweltgerechte, sozial förderliche und wirtschaftlich tragbare Waldbewirtschaftung weltweit zu fördern.
Zuschuss vorerst einmalige Sache
Stadtbürgermeister Michael Vettermann (FDP) sagte, „wir freuen uns natürlich sehr über diese Nachricht. Sie ist das Ergebnis von langfristigen Planungen und Gedankengängen, die wir beim Thema Wald vertreten.“ Joseph Blaum (SPD) wollte wissen, ob dieses Programm eine einmalige Sache sei. Burkhart erwiderte, momentan sei dies eine Ausnahme. Aber „angesichts der CO2-Diskussion erwarte ich, dass es in den Folgejahren ähnliche Programme geben wird“. Rainer Bohlander (CDU) fragte, ob der Betrag zweckgebunden ausgezahlt werde oder frei einsetzbar sei. Das Geld fließe in den städtischen Gesamthaushalt ein, antwortete der Förster. „So wie aus diesem Haushalt dann auch Defizite des Forstwirtschaftshaushalts beglichen werden.“ Er selbst habe diese unerwartete Summe nicht für spezielle Aktionen eingespart: „Wir werden weiter sinnvoll mit dem Etat umgehen und keine Projekte auflegen, nur um einen Überschuss auszugeben.“
Apropos Projekte: Einige sind 2020 der Pandemie zum Opfer gefallen. Allen voran der stets gut frequentierte Waldbegang – „sobald die Kontaktbeschränkungen es zulassen“ soll er laut Burkhart ebenso nachgeholt werden wie eine in Kooperation mit dem Edeka-Einkaufsmarkt geplante Pflanzaktion.
Stadtwald mehr für Freizeit genutzt
Und ein weiteres Vorhaben ist in Planung: Beim Forstamt habe es wiederholt Anfragen von Privatpersonen gegeben, ob es möglich sei, „aktiv Bäume zu pflanzen, um seinen persönlichen CO2-Fußabdruck zu verbessern“. Burkhart möchte deshalb der Bevölkerung auf Rockenhausener Gemarkung eine bislang brach liegende Fläche zur Verfügung stellen, die durch Baumpflanzungen aufgeforstet werden kann. Daran könnten sich einzelne Bürger, aber auch Einrichtungen wie beispielsweise Schulen beteiligen.
In seinem Revier hätten sich die Auswirkungen der Corona-Regeln unterschiedlich bemerkbar gemacht, so Burkhart weiter: Positiv sei, dass die Menschen „den Stadtwald mehr zur Freizeitgestaltung genutzt haben“. Negativ zu Buche schlagen mehrere Polizeieinsätze im vor Jahrzehnten stillgelegten und unter Naturschutz stehenden ehemaligen Steinbruch, weil sich dort verbotenerweise Besucher getroffen und zudem mehrfach gegen die Corona-Verordnung verstoßen hatten.
Schäden an allen Baumarten erkennbar
Der vielfach thematisierte kritische Zustand des Waldes macht natürlich vor Rockenhausen nicht Halt. Zwar sei in seinem Zuständigkeitsbereich die Anzahl der komplett abgestorbenen Bäume „nicht drastisch angestiegen“, sagte Burkhart. Jedoch seien an allen Baumarten Trockenschäden erkennbar – bei Buchenkronen direkt im eingeschlagenen Holz. „Was eine Weiterverarbeitung durch die Sägeindustrie zumindest momentan ausschließt“, informierte der Stadtförster. Die Frage sei, „ob sich das ändert, wenn sie nur noch solches Holz bekommen“.
Insgesamt gebe es allerdings für die nächsten Jahre beim Thema Trockenheit keine Entwarnung. Daran änderten auch die üppigen Niederschläge der vergangenen Monate nichts, beantwortete Burkhart eine entsprechende Nachfrage des Beigeordneten Björn Müller (FWG): „Im Dezember waren alle Wasserquellen und Bäche, die von Rockenhausen in die Alsenz fließen, leer – das sagt alles aus.“