Rückschau und Ausblick RHEINPFALZ Plus Artikel Stadtbürgermeister Funck: „Eisenberg hat sich sehr verdichtet“

Peter Funck vor dem Kindergarten am Mehrgenerationenplatz.
Peter Funck vor dem Kindergarten am Mehrgenerationenplatz.

War das Jahr 2021 nun besser oder schlechter als das vorangegangene? Es ist eine Frage, über die man stundenlang philosophieren könnte. „2021 war zumindest nicht so ruhig wie 2020“, überlegt Eisenbergs Stadtbürgermeister Peter Funck (FWG). Die Hoffnung, dass 2022 das aber noch toppen kann, ist da.

Ja, sagt Stadtbürgermeister Funck, es war ja doch wieder mehr möglich, zumindest zwischenzeitlich. Und auch die Kommunikation fand hier und da sogar über weite Strecken wieder in Präsenz statt. „Man lernt ja – auch dank der Impfung – mit der Situation zu leben, sie anzunehmen“, sagt Funck, der, wie er sagt, ein unverbesserlicher Optimist sei. Auch wenn diese Haltung dann und wann in der Pandemie auf die Probe gestellt wurde. Denn natürlich hat auch Funck diese Gespräche geführt, die wir alle mit irgendwem in diesen zurückliegenden Monaten geführt haben. Mit Menschen, die sich partout nicht impfen lassen wollen. „Irgendwann hat man das Diskutieren dann aber auch sein lassen, weil dann die Argumente ausgetauscht waren und man gesehen hat: Es bringt nichts“, so Funck. Er plädiere daher auf jeden Fall für eine Impfpflicht.

Natürlich spürt auch Funck, dass da Druck auf dem Kessel ist; dass die Ungeduld bei vielen Menschen stetig zunimmt. Er ist daher froh, dass im zurückliegenden Jahr zumindest ein bisschen was ging. Das Winterglühen, der ans Haus Isenburg verlegte Weihnachtsmarkt („Wir können uns vorstellen, ihn in Zukunft fest an dieser Location steigen zu lassen“), das Open-Air-Kulturprogramm im Waldstadion – es war auch ein bisschen Balsam auf die Volksseele in Zeiten, in denen mehr Veranstaltungen abgesagt wurden als stattfinden.

Das Spar-Prinzip

Wenn die Pandemie es zulässt, wird die Zahl der Kulturveranstaltungen ab 2022 deutlich steigen. Die Stadt hat die Bühne im Evangelischen Gemeindehaus sozusagen outgesourced, sie stellt in Zukunft nicht mehr selbst das Theaterprogramm auf die Beine, sondern überlässt dies dem Veranstalter Christopher Krill, der das Haus künftig in Eigenregie bespielen wird. Die Stadt verspricht sich dadurch nicht nur einen dichteren Kulturkalender, sondern auch große Einsparungen. „Ich rechne etwa mit 60.000 Euro, die wir sparen“, so Funck.

Stichwort Einsparungen. Sparmöglichkeiten. Ein Thema, dass Funck am Herzen liegt. „Jede Ausgabe, die größer als 100 Euro ist, geht über meinen Schreibtisch“, sagt Funck. Diese finanzielle Disziplin sei man als Verwaltung der Allgemeinheit schuldig. Es freue ihn, wenn er Mittel und Wege finde, Geld zu sparen, und wenn er dafür selbst Hand anlegen muss. Gleichwohl: „Man muss die Motivation auch dann hochhalten, wenn am Ende vielleicht die Kreisumlage steigt und das Geld, das man gespart hat, dann einfach am Ende wieder so abfließt“, so Funck. Die finanzielle Ausstattung der Kommunen, es ist das alte, leidige Thema.

Das hat Funck 2022 vor

Doch obwohl nun finanziell nicht Nektar und Ambrosia fließen, so ein bisschen was vorgenommen hat man sich für 2022 doch: das Ermöglichen von musikalischer Früherziehung in Eisenberg – darauf freut sich Funck. Das Kartoffelfest, das man zur Finanzierung erfunden hat, soll weitergeführt und verbessert werden. Die Stadt konnte ein 8000 Quadratmeter großes Gelände in der Römerstraße erwerben, im südöstlichen Teil soll beispielsweise ein Jugendtreff entstehen, ein Bolz- und Handballplatz; der Rest wird Gewerbegebiet. Zunächst muss aber das Bergrecht aufgehoben werden.

Kita-Neubau bleibt Thema

Auch der Kita-Neubau wird natürlich ein Thema bleiben. Dass aus der Idee eines Neubaus „In den Herrengärten“ am Ende nach einer emotionalen Diskussion im Rat nichts wurde und man dem potenziellen Investor absagen musste, verbucht Funck, der den Standort befürwortete, nicht als Niederlage. „So sehe ich das nicht. Mir geht es nicht darum, solche Dinge um jeden Preis durchzuboxen. Das wäre sogar wahrscheinlich mit einer knappen Mehrheit gelungen. Mir ist aber wichtiger, dass eine solche Entscheidung von einer großen Mehrheit mitgetragen wird. Am Ende hätte sonst nur Unfrieden geherrscht. Der Standort war den Menschen aus mehreren Gründen nicht vermittelbar, also weichen wir in die Martin-Luther-Straße aus. Da blicke ich nach vorn“, so Funck.

Auch beim Hochwasserschutz will die Stadt weiterkommen. Das Hochwasser 2021 in Eisenberg hat Funck nicht nur als Bürgermeister, sondern auch als Bürger betroffen. „Auch in unseren Erlenhof ist das Wasser gelaufen, eine Gartenmauer wurde zerstört“, sagt Funck. Die Hochwasser-Problematik wird Eisenberg auf Sicht beschäftigen. Das liegt zum einen an den Starkregenereignissen, die wohl zunehmen werden, aber eben auch an hausgemachten Problemen, wie Funck sagt: „Die Stadt hat sich über die Jahre schon sehr verdichtet und man muss schauen, wie man damit umgeht. Da hilft theoretisch auch das beste Kanalsystem nicht viel, wenn es kaum Flächen für Versickerung gibt.“ Auch der Bürger könne da etwas tun, etwa seinen Garten nicht zupflastern und zubetonieren.

Ebenfalls nicht über Nacht zu lösen sein wird das Problem des Attraktivitätsverlusts der Innenstadt. Nicht zuletzt die Schließung des Modehauses Rodrian wiegt schwer. Funck würde sich ein neues Textilgeschäft wirklich wünschen; in der Pandemie tut man sich aber mit dem Eröffnen von Geschäften bekanntlich eher schwer. „Wir wollen uns Beratung bei der ADD holen, schauen, was wir als Stadt machen können“, kündigt Funck an. Da bleibt Funck, wie gesagt, Optimist.

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