Kirchheimbolanden
Stadt bietet weitere Urnengräber als Gemeinschaftsanlagen an
Die Grabreihen im alten Teil des Kirchheimbolander Friedhofs haben sich deutlich gelichtet. Denn für zahlreiche alte Gräber war in jüngerer Zeit die Nutzungsdauer abgelaufen, und neue kommen seltener hinzu als früher: Der Trend zum Friedwald macht sich bemerkbar. Zwar wächst die Nachfrage nach Urnengräbern auch auf dem städtischen Friedhof, doch sie benötigen weniger Fläche. Und als eine besondere Art ihrer Erbepflege bietet die Stadt mittlerweile auch Urnengräber als Gemeinschaftsanlagen in historischen Familiengrabstätten an. Nach der herrschaftlichen Grablege der Stifter-Familie Wolff an der östlichen Friedhofsmauer ist jetzt ganz in der Nähe, am Giuliani-Grab, der Boden dafür bereitet worden.
Während in der Wolffschen Anlage die einzelnen Grabstellen einheitlich mit dunklem Granit abgedeckt sind, wurden bei Giuliani helle Kylltaler Sandsteinplatten verwendet. Beide Grabstätten sind von kunstvollen schmiedeeisernen Zäunen umgrenzt. 14 Einzel- und zwölf Doppelbelegungen sollen demnächst in der Giuliani-Grabanlage möglich sein, erläutert Franziska Fuge, die im Rathaus für den Friedhof zuständig ist.
Mit Essen à la Mamma versorgt
An der rückwärtigen Mauer hält, um eine kleine Skulptur des gekreuzigten Christus herum, eine Marmortafel weiterhin die Erinnerung an die italienisch-deutsche Familie wach. Dominikus Giuliani (1846-1924) war mit seinen Landsleuten, die für den Anschluss Kirchheimbolandens an die Eisenbahn (1874) rackerten, ins Städtchen gekommen und hatte sie mit Essen à la Mamma versorgt.
Nach 1880 konnte er vis-a-vis vom Bahnhofsgebäude sein Hotel bauen, das der „Kerchemer“ Volksmund wegen seiner besonderen Anziehungskraft für katholische Gäste „de Vatikan“ nannte. Später wurde daraus das „Hotel Nagel“, ehe die jetzigen Besitzer dort kleine Appartements einrichteten und sie geschichtsbewusst als „Giuliani-Suites“ vermarkten.
Über Gebühren noch nicht entschieden
Ob die Grabstätte der Giulianis eine Renaissance durch neuerliche Nutzung erfährt, bleibt abzuwarten; noch hat der Stadtrat nicht über die Gebühren entschieden. Beim denkmalgerecht sanierten und mit der berührenden Skulptur einer Trauernden geschmückten Grab der Familie Wolff hatte man jedenfalls mangels Nachfrage schon vor Jahren die Preise senken müssen. Die 26 Grabstellen dort können mit bis zu vier Urnen belegt werden und kosten aktuell 2200 Euro bei zwei und 4400 Euro bei vier Urnen. Darin eingeschlossen sind über den Nutzungszeitraum von zwei Jahrzehnten aber auch drei Bepflanzungen pro Jahr und sämtliche Grabpflegearbeiten. Dieser Vorteil gerade für Angehörige, die weit weg wohnen und sich nicht um das Grab kümmern können, sei nicht ausreichend bekannt, mutmaßt mancher. Fakt ist: Bisher wurde erst eine Grabstelle mit vier Plätzen verkauft.
Dagegen gab es an anderer Stelle, im neuen Friedhofsteil, für die erst vor wenigen Jahren errichteten fünf Urnen-Stelen von Anfang an großes Interesse. Mit je 16 Kammern sind sie weitgehend belegt. Daher wurden für weitere fünf Stelen bereits die Fundamente gegossen. Die Möglichkeit zur Erweiterung war vorhanden, zumal, wie Fuge erläutert, in diesem Friedhofsteil wegen Wasserproblemen im Untergrund keine Sargbestattungen mehr stattfinden. Für sie ist im alten Friedhofsteil, dessen parkartiger Charakter sich verstärkt hat, nun aber erst recht viel Platz.
Trauerhalle: Neubau oder Sanierung
Dort richtet sich der Blick des für Friedhofsangelegenheiten zuständigen Stadtbeigeordneten Michael Ruther auch auf die Zukunft der Trauerhalle. Raum-Aufteilung und energetischer Zustand seien nicht mehr zeitgemäß, argumentiert er. Im Rathaus würden deshalb bereits Ideen für Alternativen entwickelt. Am Ende wird die Frage Sanierung oder Neubau lauten. Laut Ruther zwar kein Thema für heute oder morgen, „aber wir müssen das irgendwann anpacken“.