Donnersbergkreis Stählernes Dampfross auf feuriger Fahrt

Außergewöhnliche Spuren hat der Sonderzug des Vereins der Historischen Eisenbahn Frankfurt mit seiner Dampflok hinterlassen, nachdem er am Sonntag bei strahlendem Sonnenschein in Eisenberg zu einer Pfalzrundfahrt aufgebrochen war. Aufgrund eines undichten Aschekastens kam es auf der Strecke, die unter anderem über die Alsenz- und die Zellertalbahn führte, zu einigen Bränden. In Enkenbach-Alsenborn wurde der Zugverkehr kurzfristig unterbrochen, um die Löscharbeiten der Feuerwehr nicht zu gefährden. Im Bereich der Neumühle entstand ein Böschungsbrand, der sich zu einem Waldbrand entwickelte.
Der Zweite Vereinsvorsitzende Björn Bohländer berichtete der RHEINPFALZ, dass die Feuerwehr in Enkenbach-Alsenborn brennendes Gras und Hecken löschen musste. Der Zug sei derweil weitergefahren bis nach Langmeil. „In Höhe des Hofgutes Neumühle bei Münchweiler ist die vollständig ausgetrocknete Böschung auf einer Länge von rund 20 Metern in Brand geraten“, so Bohländer. Starker Wind habe das Feuer in teilweise bis zu sechs Meter hohen Flammen den Hang hinaufgedrückt, so dass schließlich Mischwald auf einer Gesamtfläche von rund 2,5 Hektar brannte. Dass der schadhafte Aschekasten die Ursache war, sei nicht auszuschließen, so Björn Bohländer. Die Feuerwehren aus Winnweiler, Falkenstein, Gonbach und Münchweiler sowie die Feuerwehr der US-Army vom Heuberg waren im Einsatz. Als der Sonderzug in Langmeil auf die Strecke der Zellertalbahn abgebogen war, musste ein Zwangsstopp eingelegt werden. Die Betriebs- und Aufsichtsbehörde habe per Funk mitgeteilt, dass man sich das Problem unverzüglich anschauen wolle, erklärte Bohländer. Die Lokführer konnten sich ein Bild von dem technischen Defekt machen. Mit geringstem Dampfantrieb – dem sogenannten Schmierdampf, bei dem lediglich die wichtigsten Elemente der Lokomotive geschmiert werden – ging die Fahrt dann weiter. Als die Bahn in Marnheim halten musste, verabschiedeten sich einige Fahrgäste und ließen sich abholen. Inzwischen wartete man in Eisenberg auf die Rückkehr des Sonderzuges. „Als klar war, dass wir so nicht weiterfahren konnten, haben wir ein Notfallprogramm gestartet“, berichtete Björn Bohländer, der selbst mit im Zug saß. Aus Gießen wurde eine Diesellok geordert, die den Sonderzug abschleppen sollte. Die Menschen, die in Eisenberg am Bahnhof standen, wurden informiert. Mit Schmierdampf rollte die Bahn – vorsichtshalber begleitet von der Feuerwehr Kirchheimbolanden – bis nach Monsheim. Dort wurde sie an die Diesellok angekoppelt. Diese zog den Sonderzug zunächst nach Grünstadt und kurz nach 20 Uhr konnte die Heimreise nach Frankfurt angetreten werden. Das Problem mit dem Aschekasten ist bei der Dampflokomotive 01 118 nichts Neues. „ Gerade deswegen war sie im Dampflokwerk Meiningen zur Reparatur und kam erst am Donnerstag wieder zurück“, erzählte Bohländer, der sich bei allen bedankte, die an der relativ schnellen Lösung der Panne mitgearbeitet haben. Dass es eine Tour mit Hindernissen werden würde, hatte wohl niemand erahnen können, auch wenn sicherlich mancher Fahrgast gedacht haben mag: „Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen.“ Doch dass dieser stählerne Koloss Brandspuren hinterlässt, hat sich keiner vorstellen können. Ältere Feuerwehrleute kennen so etwas allerdings. „Wenn früher die Dampflok im Sommer durch den Stumpfwald fuhr, konnten wir gleich danach ausrücken“, wurde berichtet. Vor dem Start der insofern nur aus heutiger Sicht außergewöhnlichen Ausflugsfahrt am Sonntag waren die rund 120 Fahrgäste mit Pauken und Trompeten von der Eisenberger Blaskapelle empfangen worden. Mit zischenden Geräuschen sowie schwarzen und weißen Rauchfahnen konnten sie vor dieser Ausfahrt – eine der jährlich 15 der Dampflok 01 118 – Eisenbahnromantik pur erleben. Zahlreiche Fans, die zusätzlich an den Bahnhof gekommen waren, nutzten die Gelegenheit, das stählerne Dampfross im Bild festzuhalten. Die Maschine wurde 1934 bei Krupp in Essen gebaut und bis 1981 betrieben. Sie blieb von Umbau- und Modernisierungsprogrammen weitgehend verschont und konnte so ihr ursprüngliches Erscheinungsbild bewahren. Bis der Verein Historische Eisenbahn Frankfurt die Lok übernahm, hatte sie 3.559.271 Kilometer zurückgelegt.