Donnersbergkreis Spiegelbilder der Gesellschaft ihrer Zeit

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WINNWEILER. Groß war das Interesse schon am ersten Tag nach der Eröffnung der neuen Sonderausstellung des Heimatmuseums, wo sich nicht nur Frauen die dort präsentierten „Kinderträume“ – Puppenstuben, ein Kaufladen und Ähnliches – ansahen. „So viele Besucher hatten wir noch nie bei einer Sonderausstellung am ersten Tag“, resümierte Museumsleiter Werner Rasche.

„Schön, das ist mal wieder eine gute Idee“, lobte eine ältere Dame schon nach wenigen Blicken. Die Ausstellungsstücke zogen nicht nur Seniorinnen an, die von ihrer Kindheit schwärmten und sich an viele Spielszenen erinnerten, sondern auch die Generationen danach. „Schau mal“, sagte eine Dame in Richtung Enkelin und zeigte auf den Kochherd. Auf dessen echtem Vorbild sei früher gekocht worden, ohne Strom und Gas, nur mit Holz befeuert. Bei den Puppenküchen als Spiegelbilder der Gesellschaft ihrer Zeit wurde deutlich, dass es damals schon Klassenunterschiede gab. „Die hatten mehr Geld“, erklärte eine Dame und deutete auf den Herd der benachbarten Puppenküche. „Das sehen Sie daran, dass dieser Herd mit einer Art Handlauf zumindest um einen Teil des Herdes versehen ist. Der war gut zum Aufhängen der Handtücher zum Trocknen“, erinnerte sich eine weitere Besucherin. Die Puppenstuben machten so die Zwei-Klassen-Gesellschaft deutlich. Während es in der einen Küche eher primitiv zuging, sah es daneben schon wertvoller aus. Die Möbel waren schon erkennbar von gutem Holz und bestens verarbeitet, und auch die Ausstattung hatte hier ein anderes Niveau. Porzellangeschirr stand auf dem Tisch, Eisentöpfe auf dem Herd, und an der Wand hing eine Kaffeemühle. Einfallsreich und liebevoll gestaltet wurde der Ausstellungsraum von den Vorstandsmitgliedern im Museumsverein, Ulla Schott und Lotte Wadehn. Die Eigentümer der Leihgaben haben ihre Exponate selbst bestückt und gestaltet. Darunter auch Ilsemarie Bischoff aus Winnweiler. Die 73-Jährige hat das Stück geerbt und die Ausstattung im Laufe der Jahre authentisch ergänzt. Stolz ist sie auf ihre Sammlung von Bierkrügen, die sie bei Flohmärkten zusammengetragen hat. Ein klassisches Beispiel sind der Stoffbezug der Lampen zu den Vorhängen. Das Gehäuse stammt aus dem Jahr 1880, und die Ausstattung wurde um 1905 hergestellt. Welchen Stellenwert die Puppenstuben zumindest hatten, zeigt eine Fotografie aus dem Hause Börtzel, aufgenommen an Weihnachten im Jahr 1934. Da sind neben Rudi und seiner Schwester zwei gut bestückte Puppenstuben zu erkennen. So manche Betrachterin erinnerte sich daran, dass das Christkind das schöne Spielzeug nach Weihnachten abholte, um es im nächsten Jahr wieder unter den Weihnachtsbaum zu stellen. „Manchmal war was Neues darin“, erinnerte sich eine Betrachterin. „Zimmer wie früher“, jubelte eine Seniorin beim Anblick des Nachbaus eines Schlafzimmers. „Sieh mal, zwei Menschenköpfe recken sich unter der Bettdecke hervor“, wurde die Aussage noch ergänzt. Aufmerksamkeit erfuhr zudem der historische Kinderwagen aus den 1930er Jahren. „Das ist massives Holz, kein beschichtetes Material“, wurden die Besucher von der Eigentümerin informiert. Wieder blieben Leute stehen, um auch diese Puppenstube zu bestaunen und um in Erinnerungen zu schwelgen. „So schlicht und einfach sah unser Bad früher auch aus, eine Badewanne aus Email und darum ein Vorhang“, erzählte die nächste Besucherin. An der Wanne steht der Wasserboiler, dessen Inhalt über eine Holzfeuerung erwärmt wurde. Groß wurden so manche Augen beim Blick auf den Kaufladen. „Damit haben meine Schwester und ich fast ganz Weihnachten über gespielt“, verkündete eine Stimme aus der Besuchergruppe – und wollte gar nicht mehr aufhören mit der Preisgabe vieler Erinnerungen. „Schau mal, erinnert du dich noch an Dixan oder das Abrador für schmutzige Hände?“, wurde in die Runde gefragt. „Aber sicher, das war eine schöne und genüssliche Zeit“, kam die Antwort. Die Regale präsentierten sich angefüllt mit Produkten der damaligen Zeit. In Packungen oder Dosen, alle im Mini-Format, aber originalgetreu. Die Einkaufstüten lagen parat, und daneben standen eine Zeiger- und eine Pendelwaage. Draußen auf der Außentreppe wurde im Freundeskreis nochmals über diese imposante Ausstellung gesprochen. Das Heimatmuseum in Winnweiler ist im Hinblick auf die Sonderausstellung „Puppenstuben“ während der Adventszeit entgegen den üblichen Öffnungszeiten jeden Sonntag von 14.30 Uhr bis 17.30 Uhr für Besucher geöffnet. |llw

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