Donnersbergkreis Sommerredaktion im Schlussgarten

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RHEINPFALZ-Sommerredaktion: Normalerweise hängen Redakteure am Telefon oder schwärmen zu ihren Gesprächsterminen aus. Gestern aber war erstmals „Sommerredaktion“, und der Schlossgarten wurde zum Schauplatz der Recherchearbeit – unter anderem zur Frage, wie es um die Zukunft des Chorgesangs im Landkreis steht.

KIRCHHEIMBOLANDEN

. Dem Chorgesang wurden schon so manche Grablieder gesungen. Zu Unrecht, wie die Runde mit Chorvertretern ergab, die gestern zur RHEINPFALZ-Sommerredaktion am Kelterhaus im Schlossgarten zusammenkam. Voraussetzung aber ist, dass die Vereine sich bewegen, aktiv sind, kommunizieren, dass sie im Dorf von sich reden machen. „Ohne die Bereitschaft, etwas zu versuchen, geht es nicht“, fordert Manfred Schröder, Vorsitzender des Nordpfälzer Sängerbundes, die Offenheit für neue Wege ein. Das stoße mitunter auf Ablehnung, aber man müsse der Tendenz, Neues von vornherein totzureden, widerstehen. Anke Janetzka, Chorleiterin in Gerbach, gibt dafür ein gutes Beispiel. Als sie „I will follow him“ einstudieren wollte, gab es Kritik, dass ein englisches Lied gesungen werden sollte. „Am Ende gab es stehenden Beifall, und dann war das Lied völlig in Ordnung.“ Ein Verein, der einen bemerkenswerten Neustart geschafft hat, ist der Gesangverein Höringen. Im Juni letzten Jahres verabschiedete sich die Chorgemeinschaft Höringen/ Gundersweiler von der Bühne, kein gutes Zeichen. Doch hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon ein Hoffnungsträger etabliert, die „Hörmo-nists“, ein junger gemischter Chor, der auch durch Chorprojekte wie etwa eine musikalisch-kulinarische Matinee Interessierte angezogen – und von sich reden gemacht hat. Davon erzählten gestern Sabine Schmidt-Mehler, Theresa Schweden, Alexandra Busch und Bodo Wagenblatt-Spies vom Gesangverein Höringen. „Die Bevölkerung hat gesehen, da ist was los, da tut sich was“, betont Wagenblatt-Spies den Effekt dieser Entwicklung. In deren Sog kam es dann, nur ein halbes Jahr nach dem letzten Konzert der Chorgemeinschaft, zur Neugründung eines Männerensembles. Ein Beispiel für einen Männerchor, der sich deutlich verjüngen und positiv entwickeln konnte, ist der des MGV Gerbach. Anke Janetzka leitet das Ensemble seit mittlerweile 15 Jahren. Zunächst sei der Chor kontinuierlich kleiner geworden, anfangs deshalb, weil manche sich nicht von einer Frau dirigieren lassen oder „neumodische Ferz“ wie das Einsingen mitmachen wollten, später auch aus Altersgründen. Dann sei ein junger Mann dazugestoßen, habe Spaß gefunden, gleich noch fünf weitere junge Leute „angeschleppt“, und das Interesse an jüngerem Repertoire kam natürlich mit. „Wichtig ist: Die Mischung muss stimmen, man muss für jedes Alter etwas anbieten können“, sagt Janetzka. Sie sieht aber in dem, was sie erzählt von der Entwicklung ihres Chors – mit 28 Aktiven und einem Durchschnittsalter von 45 Jahren steht er sehr gut da – , auch ein typisches Problem aufscheinen: Es gibt in der Altersstruktur eine Lücke, eine Generation fehle, in der musikalische Bildung eine geringere Rolle gespielt habe. Die heutigen jüngeren Leute brächten aus der Schule wieder eine deutliche bessere musikalisch Bildung mit, spielten Instrumente, seien an Musik lebhaft interessiert. Die Lücke spürt die Chorgemeinschaft Wachenheim-Niefernheim. Die pfälzisch-rheinhessische Gemeinschaft bestehe seit 49 Jahren, einige Sänger aus dieser Gründungszeit seien noch dabei, auch er selbst, berichtet Dieter Keth vom GV Wachenheim. Der Chor umfasse noch 22 Aktive, womit man auch aus Altersgründen an Grenzen stoße, der älteste Sänger sei 90. „Wir bieten viel in der Geselligkeit“, betont Keth die Aktivitäten neben dem Gesang. Das Zusammenwirken in einem Projektchor mit dem Gesangverein Mörstadt habe sich als sehr motivierend erwiesen, da bringe man 40 Sänger auf die Bühne: „Das macht wieder Spaß.“ Hier sei nun der Jüngste um die 50. Da beginne aber eben die Lücke, die es so schwer mache, junge Leute mit so großem Altersabstand zu gewinnen. „Und um etwas zu Neues zu generieren: Was habe ich schon Klinken geputzt!“ Er sehe die Arbeit mit Sängern in höherem Alter aber als wichtige soziale Aufgabe, viele seien sehr allein, und für sie habe der Chorgesang einen hohen Stellenwert. Ein Patentrezept für den Weg in die Zukunft gebe es nicht, bilanziert Schröder das Gesagte. „Es kommt darauf an, wie sich die Vereine aufstellen.“ Das sei natürlich auch eine finanzielle Frage, da Chorleiter und Notenmaterial Geld kosteten. Aktivsein aber sei das A und O, da sei gute Kommunikation wichtig, passende Angebote, auch die Bereitschaft, mal Geld in neues Notenmaterial zu investieren. Projektchöre, das wurde deutlich, sind offenkundig ein wichtige Motor. Auch offene Proben können ein Ansatz sein, so Wagenblatt-Spies. Vom Klinkenputzen dagegen sei eher wenig zu erwarten, so Schröder. Sein Motto sei: „Altes erhalten, Neues hinzugewinnen.“ Auch an die RHEINPFALZ gab es Wünsche: Zu oft seien Konzertberichte nur bloße Inhaltsangaben, die kritische Würdigung aber fehle – daran wollen wir arbeiten! |bke

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