Donnersbergkreis Sommerredaktion: Große Baustellen bei den Kleinen

Plädierten im Gespräch mit RHEINPFALZ-Redakteurin Kathrin Thomas (Zweite von rechts) für mehr Personal und mehr Zeit für die Kin
Plädierten im Gespräch mit RHEINPFALZ-Redakteurin Kathrin Thomas (Zweite von rechts) für mehr Personal und mehr Zeit für die Kinder (v.l.): Andrea Züffle, Christa Seither, Claudia Manz-Knoll und Pascal Weber.

Rheinpfalz-Sommerredaktion: Fachkräftemangel, immer jüngere Kinder, gesteigerte Anforderungen: Fragt man Erzieherinnen und Erzieher aus dem Kreis nach Herausforderungen in ihrem Beruf, müssen sie nicht lange überlegen. Sie alle finden: Zur optimalen Kinderbetreuung müsste mehr Personal her. Und sagen zugleich: „Es ist ein wunderschöner Beruf.“

«Rockenhausen.» Pascal Weber kommt schnell zur Sache: „Das zahlenmäßige Verhältnis zwischen Erziehern und Kindern hat sich zwar leicht verbessert, aber es stimmt noch lange nicht.“ Klare Worte des Leiters der Kindertagesstätte Imsbach, denen seine Kolleginnen ohne Umschweife zustimmen. Neben Weber sind an diesem Nachmittag auch Andrea Züffle, Leiterin der Kita Morschheim, die stellvertretende Leiterin der Kirchheimbolander Kindertagesstätte Ritten Christa Seither und Claudia Manz-Knoll, Gesamtleitung der VG-Kita-Rok und zurzeit noch Leiterin des Kindergartens Gundersweiler, zur Sommerredaktion auf der Terrasse des Rockenhausener Hotels am Schloss gekommen. Herausforderungen im Kindergartenalltag lautet das Thema – und die vier Kita-Profis sind sofort im Thema. Es gibt viele Baustellen. „Die Personalschlüssel stehen in keinem Verhältnis zur Realität“, pflichtet Manz-Knoll Weber bei. Seit Kurzem hat die Rockenhausenerin die neue Gesamtleitung der fünf Kita-Standorte der VG Rockenhausen mit insgesamt 200 Kindern übernommen. Ein Grund: „Die kleinen Einrichtungen fallen immer mehr hintenrunter“, weiß Manz-Knoll. Denn egal, wie klein oder groß eine Kita sei – „die administrativen Aufgaben sind die gleichen“, sagt sie. An dieser Stelle solle die neue Gesamtleitung die einzelnen Kitas entlasten. Kräfte sollten gebündelt werden, Erzieherinnen mit besonderen Qualifikationen auch mal in anderen Einrichtungen aushelfen, um diese zu unterstützen. Nicht nur Manz-Knoll erhofft sich „einen Riesenschub an Qualität, den wir damit gewinnen“. In einem Punkt sind sich alle einig: Ein besserer Personalschlüssel würde die Qualität der Betreuung und Bildung in der Kita verbessern. Nicht, dass diese nicht gut wäre, doch: „Es gibt einen super hohen Qualitätsanspruch – aber wie sollen wir dem gerecht werden?“, beschreibt Züffle das Dilemma. Insbesondere Leitungskräfte stünden unter Druck: Oft reichten bei ihnen die vorgesehenen Bürostunden nicht aus. Legen sie aber mehr Bürostunden ein als vorgesehen, fehlen sie in den Gruppen – eine ewige Zwickmühle. Um trotzdem allen Erwartungen gerecht zu werden, leisteten viele Erzieher mehr Stunden als festgelegt. „Was uns von den Lehrern unterscheidet, ist, dass diese ein Stundenkontingent allein für die Arbeit mit den Kindern und eines für die Vorbereitung dafür haben“, sagt Züffle. Doch wären mehr Stellen die sofortige Lösung? Ganz so einfach ist das nicht: Denn sind Stellen frei oder würden Vertretungen benötigt, sei es oft schwierig, das passende Personal zu finden, berichten die Redaktionsgäste. Erzieherinnen und vor allen Dingen Erzieher sind rar. Für Kräfte mit Berufserfahrung bedeute ein Wechsel in der Regel, dass sie in der Gehaltsstufe zurückgesetzt werden. „Ein Unding“, findet Züffle. Und auch bei den frisch Ausgebildeten herrscht Mangel, wie Seither anmerkt: „Heute dauert die Erzieherausbildung inklusive Anerkennungsjahr fünf Jahre. Aber viele nutzen die Möglichkeit, dass sie nach der Ausbildung studieren gehen können. Das ist ein Problem.“ Außerdem, betont Weber, dürfe der finanzielle Aspekt nicht ignoriert werden: „Die ersten vier Jahre gibt es kein Geld. Das lockt doch keinen mehr.“ Zumal gerade in einer ländlichen Region wie dem Donnersbergkreis ein Auto gewissermaßen Pflicht ist. Auch ausgebildeten Kräften im Ruhestand, die möglicherweise aushelfen würden, so Manz-Knoll, mache es der Gesetzgeber nicht leicht – weil der Verdienst von der Rente abgezogen wird, sei eine weitere Arbeit in der Kita unattraktiv. Und die Bewerber, die von der Schule kommen? Einige, sagt Weber, seien „nicht belastbar genug“ – und manche, ergänzt Züffle, hätten eine falsche Vorstellung von dem Beruf: „Man muss als Person eine gewisse Reife mitbringen und, ganz wichtig, Leidenschaft.“ Denn die Anforderungen an Kindertagesstätten haben sich in den vergangenen Jahren stark verändert: Das fängt beim Alter der Kinder an, wenn sie das erste Mal in die Kita kommen. In Morschheim und der VG-Kita-Rok ist etwa jedes dritte Kind noch keine drei Jahre alt. In Imsbach und der Kita Ritten rund jedes vierte. „Wir haben Kinder, die am Wochenende ein Jahr alt werden und am Montag zum ersten Mal in die Kita gehen. Die können sich noch gar nicht verständlich machen“, erzählt Christa Seither. Es sei „ein Wahnsinnsspagat“, so Weber, allen Kindern gerecht zu werden. Um die Bedürfnisse so junger Kinder zu erspüren, ist eine Menge Feingefühl und Empathie gefordert. „Wir haben eine große Verantwortung. Für viele Kinder sind wir Familienersatz. Da ist ganz viel gefordert“, sagt Züffle. „Wir leisten auch viel mehr grundlegende Erziehungsarbeit. Nicht alle, aber immer mehr Eltern, geben das an die Kita ab.“ Trotzdem lobt Manz-Knoll: „In der ländlichen Struktur erlebe ich die Eltern sehr engagiert und unterstützend.“ Es gibt noch vieles, was Weber, Züffle, Seither und Manz-Knoll ansprechen. Und es wird deutlich: zu verändern gäbe es einiges. Die Qualifizierung von Führungspersonal etwa, die niedrige Männerquote beim Personal, das gesellschaftliche Ansehen der Arbeit in Kitas oder die räumliche Situation einiger Einrichtungen – vor allem der stark wachsenden Kita Morschheim macht diese sehr zu schaffen. Dennoch sind sie sich einig: Sie haben Glück mit ihren kommunalen Trägern. Und sie haben einen Beruf gewählt, der trotz aller Widrigkeiten „so viel gibt“. In der täglichen Arbeit mit den Kindern, etwa beim Beobachten der Kleinen für die Dokumentation von deren Entwicklung, sorgten diese immer wieder für Aha-Momente. Und manches hat sich ja auch verbessert: „Früher gab es den defizitären Grundgedanken. Beim Elterngespräch hieß es: Das kann ihr Kind noch nicht oder nicht so gut. Heute sagt man: Jedes Kind ist etwas Besonderes und hat seine Stärken“, erklärt Manz-Knoll. Oder wie Züffle sagt: Jedes Kind habe seinen Juwel. „Man muss ihn nur finden.“ Und etwas mehr Zeit dazu fänden wohl alle Erzieher gut.

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