Donnersbergkreis „Sogar an den Regen gewöhnt man sich“

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Wie sich aus einem vermeintlichen Nachteil etwas sehr Positives entwickeln konnte, zeigt sich in Morschheim. Dort herrschte erst große Sorge, weil der Platz im Kindergarten nicht mehr für alle Kinder ausreichte. Doch dann hatte jemand eine großartige Idee. Das Resultat: Seit März dieses Jahres gibt es eine Naturkindergartengruppe. Und demnächst verfügt diese auch über eine kleine Hütte, in der man Kleidung und Ausrüstungsgegenstände aufbewahren und sich bei richtig schlechtem Wetter auch mal aufhalten kann.

Die Idee der Naturgruppe entstand aus einer Notsituation heraus: Der Kindergarten, 1998 in der ehemaligen Schule mit damals knapp 20 Kindern bezogen, konnte baulich nicht mehr erweitert werden, platzte aber aus allen Nähten, vor allem seit auch Kinder unter zwei Jahren dort aufgenommen werden müssen. Zwischen Ortschef, Kindergartenleitung, Gemeinderat und Verbandsgemeinde wurden Lösungsmöglichkeiten diskutiert – bis hin zum kompletten Neubau, eventuell gemeinsam mit einer Nachbargemeinde. „Letzten Endes scheiterte jeder dieser Vorschläge entweder an den Finanzen oder am Standort“, erklärt Ortsbürgermeister Joachim Fister. Weil die Kinder aber irgendwo hin mussten und die Zeit drängte, wurde schließlich die Idee geboren, eine Gruppe einfach auszuquartieren – und zwar nicht in eine andere Gemeinde, sondern in die Natur. „Wie im Waldkindergarten, nur dass wir hier halt keinen Wald haben, deswegen nennen wir sie die Naturgruppe“, erklärt Fister. Einen Wald gibt es in Morschheim wie gesagt nicht, dafür aber eine prächtige Anlage beim Wasserhaus in einer Senke an der renaturierten Selz. Hier gibt es ein weitläufiges Spiel- und Freitzeitgelände mit Piratenschiff, Spielplatz, Grillplatz, Matschplatz und Irrgarten. Dazu Wiesen, Hecken und Gehölze in nächster Nähe – und sogar einer Kompost-Naturtoilette. Und das alles gar nicht mal so weit vom Dorf entfernt. Ideal also für einen Freiluft-Ableger des Kindergartens. „Nur eines fehlte noch, ein Gebäude, in das sich die Kinder bei schlechtem Wetter auch mal zurückziehen können“, so Fister. Im Gemeinderat wurde hin und her überlegt. Der alte Bauwagen der Gemeinde, der einmal für die Jugendlichen angeschafft worden war, erwies sich als ungeeignet. Eine von einer Firma gebaute Blockhütte wäre viel zu teuer geworden. „Dann kam der Vorschlag, doch einfach selbst eine Holzhütte zu bauen“, so Fister. „Alles in Eigenleistung, sodass die Gemeinde nur das Material bezahlen müsste.“ Auf diese Weise ist eine einfache, knapp 28 Quadratmeter große Holzhütte entstanden, auf einem ordentlichen Fundament, mit Pultdach, soliden Wänden und Veranda. „Vor allem Väter und Großväter der Kindergartenkinder und Mitglieder des Gemeinderates haben hier angepackt“, so Fister. Die Kleinen, die derzeit noch einen Bretterschuppen neben dem Wasserhaus als Abstellkammer und Notbehelf nutzen, freuen sich schon auf ihre Hütte. 16 Kinder zwischen drei und sechs Jahren sind in der Naturgruppe, betreut werden sie von einer Erzieherin in Vollzeit und zwei Teilzeitkräften. Im Augenblick g´hilft noch eine Praktikantin mit. Die Kinder halten sich ständig im Freien auf. Nur zum Mittagessen marschiert der kleine Trupp jeden Tag noch ins „Mutterhaus“ in der Ortsmitte. Nur ab und zu wird in einem großen Outdoor-Topf gekocht. Doch auf längere Sicht, sagt Fister, denke man auch über eine Essenslösung vor Ort nach. Geleitet wird die Gruppe von Birgit Stürmer. Von ihrer neuen Aufgabe ist sie restlos begeistert: „Etwas Schöneres kann ich mir gar nicht mehr vorstellen“, sagt sie im Gespräch mit der RHEINPFALZ. „Ich habe immer schon von einer Naturgruppe gesponnen. Es ist ein herrliches Arbeiten hier. Und die Kinder erleben die Natur in all ihren Facetten. Sogar an den Regen gewöhnt man sich.“

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