Donnersbergkreis Sind Esel bockig?

Mit Freude bei vierbeinigen Freunden: Die Imsbacher „Vorschulkids“ haben viel gelernt bei Ute Thomas und ihren Tieren.
Mit Freude bei vierbeinigen Freunden: Die Imsbacher »Vorschulkids« haben viel gelernt bei Ute Thomas und ihren Tieren.

Tierpädagogin Ute Thomas hat eine klare Antwort auf die Frage gefunden, ob Esel bockig sind. Wie sie lautet, erfahren die Vorschulkinder der Kindertagesstätte „Sternenhimmel“ aus Imsbach gerade auf ihrem Eselshof in Falkenstein. Dort gibt es sogar besondere Zwillinge.

Mit ihren Erzieherinnen Heidi Fahr und Julia Stiebing kommen die Kinder seit Anfang Mai zwei bis drei Mal pro Woche morgens nach Falkenstein. Seit sieben Jahren bietet Thomas als ehemalige Kollegin der Kita den „coolen Vorschulkids“ ein vierwöchiges Eselsprojekt an. Es beginnt mit einem Begrüßungslied für die sechs Großesel und drei Maultiere auf dem Hof. Die Kinder kennen nach drei Viertel der Projektzeit ihre Namen. Ob sie Muskelkater hätten, fragt Thomas. Schließlich waren sie am Vortag mit den Tieren in einem dreistündigen Wanderritt unterwegs. Besondere Zwillinge Sie sind in diesem Jahr Zeugen eines ganz besonderen Ereignisses. „In den letzten 30 Jahren konnten Großeselstuten nur fünf Zwillingspaare groß ziehen. Die Stuten sind nicht dafür gemacht, es ist wie ein Sechser im Lotto, wenn ihre Frühchen – sie kamen fünf Wochen zu früh – durchkommen. Jetzt sind Lilliths Zwillinge übern Berg“, freut sich Thomas, die seit 32 Jahren Großesel züchtet. Die Stute hat mit ihren Kleinen im Stall übernachtet und ist seit dem frühen Morgen im Waldgelände unterwegs. Nun sollen die Kinder sie ins Außengehege bringen. „Sie würde sofort kommen, wenn ich rufe. Aber ich überlasse den Kindern die Suche“, sagt Thomas – und mahnt die Kinder, hinter Lillith wegzubleiben. „Sie hat hinten keine Augen und meint, ihre Fohlen wollen trinken. Sie stupst sie aber jetzt weg, weil sie frühstücken will.“ Die Tierpädagogin erklärt den Kindern stets behutsam und kenntnisreich, worauf sie achten sollen. Eselsäpfel und Kuhschwanz Danach müssen alle Kinder mit anpacken. Mit ihren Erzieherinnen sind sie ein eingespieltes Team und misten den Stall aus. Sie kehren das Futterheu zusammen, schaufeln „Eselskacka“ mit dem nassen Stroh auf Schubkarren. „Die Kinder haben hier viel gelernt“, freut sich Julia Stiebing. „Die Esel sind beeindruckend groß, manche mussten ihre Angst überwinden. Andere mussten sich erst daran gewöhnen, mit den Eselsäpfeln umzugehen. Alle haben sich großartig auf die Umgangsregeln eingestellt.“ Sie können den Unterschied zwischen einem Esel und einem Maultier erklären. Das habe eine Pferdemama und einen Eselspapa und deshalb lange Ohren und einen Pferdeschweif. Thomas führt weiter aus, Esel haben einen Kuhschwanz. Sie sind schon länger treue Begleiter des Menschen als das Pferd. Die Kinder wissen genau, wie sie die Tiere sicher von der Koppel holen können, die sich am Hang auf der anderen Straßenseite befindet. Das Erleben der Tiere „Wir haben dieses Jahr 18 Vorschulkinder und mussten deshalb die Gruppe aufteilen“, erklärt Fahr. Heute muss gewählt werden: Vier werden am Feuer schnitzen, fünf werden zum ersten Mal Kunststücke probieren. Beim nächsten Mal wird getauscht. Zuerst bürsten sie das Maultier Jule und die Eselinnen Emily und Flicka. Joel legt sich auf Jules Rücken und streicht mit der Bürste ihren Hals. Sichtlich genießt er den Kontakt und die Wärme des Tieres. Auch für Lea und Luisa ist das Bürsten ein liebevolles Streicheln. Wenn Thomas Flicka mit kräftigen Strichen brüstet, staubt es ordentlich. „Alle Tiere sind ausgebildet. Sie müssen erwachsen sein, wenn sie ’meine pädagogischen Mitarbeiter’ werden. Nach sieben Jahren sind sie so weit.“ Eselin Emily spürt Luisas anfängliche Angst aufzusteigen und scheint besonders behutsam zu sein. „Vertrau auf Emily und halt dich am Voltigiergurt fest“, ermuntert sie Fahr. Nach ein paar Runden in der Koppel hinter dem Stall macht sie lächelnd das erste Kunststück nach und stellt sich in die Hocke. Die Eselin bleibt stehen, sobald sie merkt, dass Luisa eine Übung probieren will. „Es geht mir um Naturerfahrung. Das Erleben der Tiere steht für mich im Vordergrund meiner tiergestützten Pädagogik“, sagt Thomas und wiederholt gegenüber den Kindern, wer das Kommando gibt: „Nur ich, sonst wissen die Tiere nicht, auf was sie hören sollen“. „Karussell“ ist so ein Kommando. Es ertönt von Zeit zu Zeit, damit „sie die Richtung wechseln und im Kreis keinen Drehwurm kriegen“. Joel traut sich sogar wie Lea und Emilia, freihändig rückwärts zu reiten. Die Tiere reagieren äußerst feinfühlig. „Da soll mal jemand sagen, Esel seien bockig. Sie sind nämlich eigenständig und denken für sich. Sie haben immer einen guten Grund für ihr Verhalten. Das kann für Menschen manchmal unbequemer sein“, beantwortet sie die Frage nach dem Vorurteil vom sturen Esel. „Diese Selbstbestimmtheit wünsche ich mir auch für unsere Kinder“, schwärmt Fahr. Und Thomas berichtet über ihre Leidenschaft: „Wir züchten Großesel, die sehr selten geworden sind, um die Rasse zu erhalten. Mit meinem Mann haben wir in Deutschland einen Zuchtverband aufgebaut. Esel sind für den Sport nicht geeignet, wir wollen ihnen eine Aufgabe geben.“ Sie zitiert ein spanisches Sprichwort: Esel seien für die Seele, das Pferd fürs Prestige und das Maultier für die Herausforderung.

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