Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Sicherheit: Beim Hochwasserschutz sind Gemeinden wie Privatleute gefordert

Stetten erlebte 2021 ein dreifaches Jahrhunderthochwasser.
Stetten erlebte 2021 ein dreifaches Jahrhunderthochwasser.

Hochwasser- und Starkregenschutz sind längst ganz weit oben auf den politischen Agenden in Rheinland-Pfalz. Viele haben noch die Bilder von der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 vor Augen. Doch auch der Donnersbergkreis hat schon genug erlebt, um gewarnt zu sein. Nach der VG Göllheim steht auch die VG Kibo vor der Fertigstellung ihres Schutzkonzepts.

Wie ernst die Bürger das Thema Hochwasserschutz nehmen, zeigt sich am großen Zuspruch bei den Informationsveranstaltungen. So war beispielsweise die Gemeindehalle in Mörsfeld gut gefüllt, die Besucher fragten gezielt nach, signalisierten Bereitschaft zur Mitarbeit. Und erfüllten damit schon einen wichtigen Punkt, den das Planungsbüro mit seiner Arbeit verfolgt. „Sensibilisierung ist uns ein besonderes Anliegen. Wir wollen ein Umdenken bewirken, den Menschen deutlich machen, wie real die Risiken weiterhin sind. Und dass man Fehler vermeiden kann“, erklärt Doris Hässler-Kiefhaber vom Büro Obermeyer. Die Verbandsgemeinde Kirchheimbolanden arbeitetet mit dem Kaiserslauterer Planungsbüro zusammen, das nun mit den einzelnen Gemeinden Konzepte ausarbeitet.

Dass gerade jetzt diese Konzepte überall, nicht nur in der VG Kibo, auf den Tagesordnungen stehen, liegt auch an einer Förderung: Bis zu 90 Prozent der Kosten werden vom Land übernommen. Das und die weiterhin gegenwärtige Erinnerung an die erschreckenden Bilder vom Ahrtal 2021 sorgen für rege Nachfrage. Aber auch die Verbandsgemeinde Kibo hatte es getroffen: So erlebte Stetten in demselben Jahr ein dreifaches Jahrhunderthochwasser binnen zweier Wochen. Der Ablauf ist aber meist gleich. Das Planungsbüro macht eine Ortsbegehung und stellt bei einer ersten Veranstaltung Problemstellen vor, die anhand der Begehung – und auch durch die verfügbaren Starkregenkarten – erkennbar geworden sind. „Diese Karten spielen natürlich eine wichtige Rolle, weil wir so schon sehr genau erkennen können, wo sich das Wasser im Extremfall seinen Weg bahnen würde“, sagt Hässler-Kiefhaber. Nach dem ersten Austausch mit den Bürgern erarbeiten die Ingenieure Maßnahmen, die dann bei einem zweiten Termin vorgestellt werden – und danach bestenfalls angegangen werden.

In allen Orten Grundstücke mit Handlungsbedarf

In Gauersheim, Rittersheim, Bischheim, Oberwiesen und Marnheim sind bereits fünf Gemeinden der VG an diesem Punkt angelangt. Die Konzepte sind auf der Internetseite der Verbandsgemeinde öffentlich einsehbar. In diesen finden sich jeweils auch Hinweise auf den empfohlenen Aufbau eines Warn- und Informationssystems. „Weil man das Thema eben immer wieder kommunizieren muss, um zu sensibilisieren und Unklarheiten zu beseitigen“, betont Hässler-Kiefhaber. Dies sei neben den konkreten baulichen Maßnahmen nicht minder wichtig.

So müsse auch die Feuerwehr gut ausgestattet, geschult und informiert sein, um im Katastrophenfall effektiv helfen zu können. Andere Maßnahmen legt man dann wiederum den Privatleuten nahe: beispielsweise dafür zu sorgen, dass Wasser auf dem Grundstück möglichst abfließen kann, ohne Schaden anzurichten. Etwa dadurch, dass Erhöhungen, Dämme, Mauern, Abflüsse angelegt werden und so mögliche Überflutungen von Kellerräumen, Garagen oder gar Wohnbereich von vornherein unwahrscheinlicher gemacht werden. In allen Gemeinden haben die Ingenieure bei ihrer Begehung zahlreiche Grundstücke ausgemacht, bei denen diesbezüglich noch Handlungsbedarf besteht. „Wir können natürlich nur versuchen, das den Leuten näherzubringen“, sagt Hässler-Kiefhaber. Ob die Eigentümer etwas unternehmen, liege letztlich in ihren eigenen Händen.

Renaturierung soll Wasser die Wucht nehmen

Anders sieht es bei den öffentlichen Maßnahmen aus, die die Gemeinden vorantreiben können. „Wichtig ist es, den Flüssen und Bächen mehr Raum zu geben“, nennt Hässler-Kiefhaber ein grundsätzliches Wunsch-Szenario für nachhaltigen Hochwasser- und Starkregenschutz. „Es gilt, Freiräume freizuhalten. Wenngleich es immer auch Zwänge gibt, und es manchmal eben nicht anders möglich ist.“ Zumal die bauliche Entwicklung mancher Gemeinden eben schon vor sehr langer Zeit ihren Weg gegangen ist. „Wir können das Rad nicht zurück drehen, das ist auch nicht unser Ansatz“, sagt sie. „Aber es ist auch klar, dass viele Bebauungen so heute nicht mehr genehmigt würden.“ Mit den erarbeiteten Maßnahmen soll nun aber dafür gesorgt werden, dass die prognostizierten Wasserbewegungen frühzeitig, also noch vor Erreichen der Ortskerne, einen anderen Weg einschlagen – oder genug Raum bekommen und dadurch mit weniger Wucht eintreffen.

Es gehören also im Wesentlichen drei Maßnahmen-Pakete zu einer effektiven Hochwasser-Vorsorge. Sensibilisierung und Information, um das Risiko zu kennen und damit umzugehen. Private Absicherung des eigenen Grundstücks, um größere Schäden möglichst auszuschließen. Und Maßnahmen wie Renaturierung, Umleitung der Fließbewegungen, um die Ortschaften vor heftigen Überschwemmungen zu schützen. Ein Großprojekt, das praktisch überall im Bundesgebiet umgesetzt werden muss. „Denn Starkregen kann jeden treffen“, betont Hässler-Kiefhaber und sagt auch einem bekannten Irrglauben den Kampf an: „Es wäre falsch zu denken, man ist sicher, nur weil man eben nicht im Tal wohnt. Es kann überall passieren, und wer im Weg des Wassers ist und es nicht am Zugang hindert, kann schnell ein böses Erwachen erleben.“ Warnbeispiele dafür gibt es bekanntlich genug.

Stetten erlebte 2021 ein dreifaches Jahrhunderthochwasser.
Stetten erlebte 2021 ein dreifaches Jahrhunderthochwasser.
Stetten erlebte 2021 ein dreifaches Jahrhunderthochwasser.
Stetten erlebte 2021 ein dreifaches Jahrhunderthochwasser.
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