Kirchheimbolanden
Seniorenresidenz für Mitarbeiterkonzept ausgezeichnet
Ob im Krankenhaus, beim ambulanten Pflegedienst oder im Pflegeheim – professionelle Pfleger und Pflegerinnen sind tagtäglich vielen Belastungen ausgesetzt, sagt die Krankenkasse AOK. Um dies zu würdigen, hat der AOK-Bundesverband in diesem Jahr fünf Preise für Konzepte von Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern im Bereich Betrieblicher Gesundheitsförderung vergeben. Einer der Gewinner ist die Seniorenresidenz in Kirchheimbolanden.
„Wir tun viel für die Gesundheit unserer Mitarbeiter“, erklärt Martina Leib-Herr, die Direktorin des Diakoniewerkes. Gemäß der Leitidee des Hauses, die Gesundheit der Mitarbeiter als wichtigstes Gut zu erhalten und zu fördern, setze man seit einigen Jahren entsprechende Konzepte um. Die Mitsprache und Mitgestaltung durch die Beschäftigten sei dabei entscheidend.
Work-Life-Balance im Blick
Ein Aspekt ist zum Beispiel sportliche Betätigung: So können die Mitarbeiter der Seniorenresidenz etwa, dank eines Zuschusses, zu vergünstigten Preisen einmal pro Tag ein Sportstudio nutzen und seit 2018 Business-Bikes erwerben. Die Seniorenresidenz kauft diese Fahrräder und die Mitarbeiter können sie leasen.
Ein weiteres Angebot seien Kochevents, und auch Kinesiotaping können alle Mitarbeitender täglich durch eine ausgebildete Kollegin nutzen. Zur Unterstützung der psychischen Gesundheit kann die Teilnahme an Workshops oder an Beratungen beitragen. „Wir haben einen ausgebildeten Trainer für Work-Life-Balance. So können Teilnehmer erkennen, wenn ihre Belastung zu viel wird und hilfreiche Werkzeuge an die Hand bekommen“, freut sich Leib-Herr und erzählt als Beispiel von einer Kollegin, die online in der Mittagspause meditiert.
Beide Seiten können profitieren
„Die Teilnahme am Wettbewerb war für uns ein Anreiz, unsere Bemühungen zu formulieren. Dinge, die wir eh tun, zu Papier zu bringen und sie uns bewusst zu machen“, erläutert Yves Schmitt, der Geschäftsführer der Seniorenresidenz. Es sei zwar angesichts des knappen Geldes in der Pflege nicht immer einfach. Aber Schmitt ist von den Vorteilen der Gesundheitsförderung überzeugt: „Wir haben in der Refinanzierung zwar enge Vorgaben. Aber unsere Erhebungen haben ergeben, dass wir mit unserem Konzept weniger Ausfälle unter unseren 115 Beschäftigten haben. Und wir werden attraktiv auf dem umkämpften Pflegemarkt.“ So könnten beide Seiten, Unternehmen wie Mitarbeiter, profitieren.
Leib-Herr bestätigt: „Die Mitarbeiter sind unser höchstes Gut. In ihre körperliche und psychische Gesundheit zu investieren in diesem sehr belastenden Beruf, das ist uns so viel wert.“ Deswegen seien auch die Personalkosten der größte Kostenblock. „Wenn es den Mitarbeitern gut geht, dann auch dem Unternehmen, alles wirkt sich darauf aus.“
Mitarbeiter dürfen mitbestimmen
Schmitt bedauert, dass es angesichts des von der Politik viel zu knapp bemessenen Personalschlüssels zusätzliche Belastungen und weniger Zeit für den eigentlichen „Dienst am Bett“ gibt. „Corona hatte uns zwar ausgehebelt, wir brauchten jeden, der arbeiten konnte. Aber wir wollen unserem Konzept der Ressourcendienste treu bleiben, unsere Bereitschaftsdienste haben ein klares Zeitfenster und eine entsprechende Vergütung.“
„Wir müssen zusammen stehen. In diesem sehr belastenden Beruf ist der Zusammenhalt sehr wichtig. Die Menschen verbringen ja sehr viel aktive Lebenszeit im Beruf und mit Kollegen.“ Deshalb sieht Leib-Herr Teambuilding als Selbstverständlichkeit. In Zusammenarbeit mit dem Missionarisch Ökumenischen Dienst werden Klettern und Grillen oder Pilgern als Weiterbildungsmaßnahmen angeboten. „Zu einem Tag der Geselligkeit geben wir jedem Team pro Mitarbeiter 20 Euro für ein Event ihrer Wahl dazu.“
Auch bei der Verteilung des Preisgeldes von 5000 Euro, das alleine der Gesundheit der Mitarbeiter zugute kommen soll, darf das Personal wieder mitentscheiden. Es liegen Wünsche für einen Massagesessel oder einen Pausenpavillon vor. „Wir können unser Geld nur einmal ausgeben, entweder für Ersatzleasing oder lieber für gesunde Mitarbeiter, die weniger vor Überlastung ausfallen“, fasst Schmitt zusammen. „Es muss in der Gesellschaft ankommen, dass Pflege ein schöner Beruf ist, auch wenn die Rahmenbedingungen noch nicht passen“ pflichtet ihm Leib-Herr bei.