Schweisweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Seltener Schmetterling: Goldglanz in der Nordpfalz

Der Goldglanz-Langhornfalter ist mit bloßem Auge nur schwer als Schmetterling zu erkennen. Per Zufall hat Pollichia-Mitglied Kar
Der Goldglanz-Langhornfalter ist mit bloßem Auge nur schwer als Schmetterling zu erkennen. Per Zufall hat Pollichia-Mitglied Karin Schatz im Juni bei einem Spaziergang in der Nähe von Schweisweiler ein Exemplar entdeckt – das erste seit mehr als 70 Jahren in der Pfalz.

Er hat eine Flügelspannweite von kaum mehr als einem Zentimeter und wird oft mit einer Fliege verwechselt. Der Goldglanz-Langhornfalter ist ein sehr seltener Schmetterling – und kürzlich erstmals seit vielen Jahren wieder in der Pfalz aufgetaucht. Ein Zufallsfund.

Welche RHEINPFALZ-Leser können sich noch an Geschehnisse aus dem Jahr 1953 erinnern? Dazu gehören einige markante Ereignisse: Eisenhower wird Präsident der USA, Stalin stirbt, erstmals wird der Mount Everest bestiegen, Elisabeth II. zur Königin von Großbritannien gekrönt, Konrad Adenauer als Kanzler wiedergewählt – und bis dato zum letzten Mal in der Pfalz ein Exemplar des Schmetterlings „Goldglanz-Langhornfalter“ gefunden.

Karin Schatz engagiert sich beim Naturkundeverein Pollichia, der sich neben Naturschutz und Umweltbildung auch die Naturforschung auf die Fahnen geschrieben hat. Für sie war es eine außerordentliche Begegnung, als sie den Winzling unter den Schmetterlingen im Juni bei einem Spaziergang über eins der Pollichia-eigenen Grundstücke in der Nähe von Schweisweiler entdeckte – erstmals seit über sieben Jahrzehnten.

Mit Gläschen eingefangen und fotografiert

Der Schmetterling hat eine Flügelspannweite von nur zirka elf Millimetern und heißt wissenschaftlich Nemophora dumerilella. „Mit einem Beobachtungsgläschen, das ich oft dabei habe“, erzählt Schatz, „habe ich ihn kurz eingefangen, um ihn fotografieren zu können. Es war mir gleich klar, dass ich diesen Falter noch nie gesehen hatte. Von Experten habe ich den Fund verifizieren lassen.“

Wie ist es möglich, ein solch kleines Insekt überhaupt zu finden? Karin Schatz erinnert sich: „Es war eigentlich reiner Zufall. Weil in diesem Jahr oft nur wenige Schmetterlinge zu sehen waren, achtet man auf jeden einzelnen, der dann doch auftaucht.“ Viele Menschen würden diesen Schmetterling als Fliege oder Mücke wahrnehmen, da er so klein sei, sagt Schatz weiter. „Schmetterlinge haben allerdings vier Flügel, während Fliegen nur zwei haben. Deswegen haben sie einen anderen Flugstil, und man kann auch bei einem kleinen Insekt, das vorbeifliegt, einen Schmetterling identifizieren.“

Bundesweit ein bis zwei Sichtungen pro Jahr

Der Falter ist auch deutschlandweit sehr selten, mit einzelnen Vorkommen hauptsächlich nördlich der Pfalz an Nahe, Mosel und Rhein. In den letzten 25 Jahren gab es durchschnittlich ein bis zwei Sichtungen pro Jahr. Doch was macht diesen Schmetterling so selten? Welche Anforderungen hat er an seinen Lebensraum? Bevor ein Schmetterling fliegen kann, braucht er als Raupe die passende Futterpflanze. Unsere einheimischen Schmetterlinge sind auf Kräuter, Gräser oder Bäume spezialisiert, manche brauchen Moose, Flechten oder Pilze. Jede Schmetterlingsart hat andere Vorlieben. „Beim Goldglanz-Langhornfalter sind das nur sehr wenige Pflanzen, die auf trocken-warmem und ungedüngtem Boden wachsen“, erklärt Karin Schatz. „Vor allem der Ährige Ehrenpreis ist als Nahrungspflanze bekannt, aber auch Echter Ehrenpreis und Felsen-Fetthenne.“

Weiter erläutert sie, dass der Ährige Ehrenpreis vor allem im Juni und Juli blühe, der Schmetterling die Eier aber erst später an die Samenkapseln lege. Schatz: „Die kleinen Raupen befinden sich eine Zeitlang in den Samenkapseln und leben später auf dem Boden. Die Art kann also nur überleben, wo Ähriger Ehrenpreis wächst, der nicht während der Blüte oder in den ersten Wochen danach gemäht wird.“

Viele Faktoren müssen zusammenkommen

Da der Ährige Ehrenpreis nur auf magerem Boden gedeihe, seien die Pflanze und damit auch der kleine Schmetterling eher selten zu finden, fährt sie fort und weist darauf hin: „Bei solchen Flächen besteht die Gefahr, dass sie verbuschen, wenn sie nie gemäht oder beweidet werden. Auch wenn Hecken und Bäume für viele Tiere wichtig sind, muss bei solchen Magerstandorten darauf geachtet werden, dass sie frei bleiben, damit Pflanzen wie der Ährige Ehrenpreis genug Licht und Wärme bekommen, um dort wachsen zu können.“

Es musste also offensichtlich vieles zusammenpassen, damit der kleine Falter im Juni fliegen und nach 71 Jahren wiederentdeckt werden konnte.

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