Donnersbergkreis Seit 90 Jahren im Dienste der gelebten Gemeinschaft

91-91128086.jpg

Basteln, sticken und häkeln um anderen zu helfen – an dieser Devise des evangelischen Frauenkreises hat sich seit seiner Gründung als Frauenbund vor 90 Jahren kaum etwas verändert. Das runde Jubiläum war nun Anlass für eine „kleine Feier im großen Kreis“ im Festhaus Winnweiler.

Der Inhalt ihrer Arbeit habe sich in den neun Jahrzehnten zwar verändert, nicht aber die sich selbst gestellte Aufgabe mit dem Ziel des Helfens, resümierte die Leiterin Regina Mayer-Oelrich. Alle gesammelten Erlöse hat der evangelischen Frauenkreises seit seinem Bestehen gespendet. „In all den Jahren sind etliche Tausend Euro geflossen“, so Mayer-Oelrich, die mit vielen Bildern und Worten die vergangenen Jahre des rührigen Verein und der gelebten Geselligkeit Revue passieren ließ. Erste Spende für Sisalläufer In der Adventszeit 1926 wurde der Frauenbund vom damaligen Dekan Friedrich Wilhelm Schmitt, seiner Ehefrau Amalie, Gertrud Baus, Emma Bohlander, Karoline Martin, Jetten Stübinger und Elisabeth Volz gegründet. Bei den ersten Treffen versammelten sich 15 Frauen im Pfarrhaus. Im Kalendarium ist vermerkt: „Muttertagsfeier für die alten Mütterchen und Laienspiel der Frauen in der Kirche.“ Vom Erlös wurden die ersten Sisalläufer für die Kirche angeschafft. Schon frühzeitig widmete sich die Gemeinschaft hilfsbedürftigen alleinstehenden Müttern. Erste Kleidersammlungen wurden durchgeführt. Die Kleidungsstücke wurden geflickt, gewaschen und als Geschenke an Weihnachten an arme Familien verteilt. Von 1932 an trafen sich die Frauen in der „Stub“ im Pfarrhaus. Neben Singen und Lesen nahmen die Handarbeiten die meiste Zeit in Anspruch. Die Arbeiten wurden in der Adventszeit im Sälchen Bischoff angeboten. Während des Zweiten Weltkrieges traf sich wegen der Fliegerangriffe nur ein kleiner Kreis. Während der Besatzungszeit durch die alliierten Streitkräfte musste Dekan Theodor Rettig das Pfarrhaus verlassen. Das bedeutete für die Frauen eine Unterbrechung ihrer regelmäßigen Treffen. Erst 1947 war es möglich, sich unter der Leitung von Eva Rettig wieder zu treffen. Das gesellige Angebot wurde erweitert und dazu kamen auch Ausflüge. Im September 1967 gründete die Gemeindediakonin einen Kreis für jüngere Frauen, den evangelischen Frauenkreis. Im bisherigen Frauenbund blieben die älteren Damen. Der Zusammenschluss beider Gruppierungen vollzog sich im Jahr 2000. Im Jahr 1970 wurde von den Mitgliedern des Frauenkreises der Weihnachtmarkt ins Leben gerufen. Der Gottesdienst zum Weltgebetstag wird seit 1975 zusammen mit der katholischen Frauengemeinschaft vorbereitet und gefeiert. Seit 1976 gibt es das Frauenfrühstück. In mühevoller Kleinarbeit entstand in den wöchentlichen Zusammenkünften eine Weihnachtskrippe, die seit dem Jahr 1985 jede Adventszeit in der protestantischen Kirche aufgebaut wird. Handarbeiten und Basteln sind noch heute die Basis der gemeinsamen Arbeit. In jüngster Zeit sind es die Herzkissen, die von den Frauen genäht werden, mit denen sie krebskranke Mütter beschenken. Gelebte Nächstenliebe Verschiedene Gratulanten überbrachten Glückwünsche zur Jubiläumsfeier: Pfarrer Martin Knieriemen, Senior des neu gegründeten Dekanats „An Alsenz und Lauter“, gratulierte im Namen des Kirchenbezirks. Der Frauenkreis stehe für eine christliche Gemeinschaft. „Eine beachtliche Wegstrecke habe der Frauenkreis schon zurück gelegt“, lobte Pfarrerin Claudia Kettering vom Fachbereich Frauen der evangelischen Arbeitsstelle Bildung und Gesellschaft. „Miteinander gehen heißt nicht, im Gleichschritt zu gehen, sondern gemeinsame Wege zu gehen in Sinne Gottes“, so die Theologin. Die Kirchengemeinde ist ein Gebilde, in dem etwas wächst und gedeiht, betonte Pfarrer Friedrich Schmidt von der Ortskirche. Damit dies gelinge, brauche es Menschen, die tüchtig mithelfen. „Beachtlich wie die Geschwisterlichkeit hier praktiziert wird“, so Schmidt. Die Jubilarin sei mit ihren 90 Jahren außerordentlich rüstig und werde sich noch lange halten, bemerkte Ortsbürgermeister Rudolf Jacob (CDU). Die Leiterin des protestantischen Kindergartens, Ute Knobloch, lobte einen sehr aktiven Frauenkreis, der auch den Kindergarten unterstütze. Für den evangelischen Kirchenchor gratulierte die Chorsprecherin Hildegard Stichler. Zum Festprogramm gehörte das Frauenensemble SMS mit Sonja Walther, Maike Kraus und Silke Scheidel, die bei ihren gesanglichen Vorträgen von Jutta Schitter am Klavier und Peter Schitter am Kontrabass begleitet wurden. Der protestantische Kirchenchor unter der Leitung von Gudrun Scherrer sang „Freude schöner Götterfunken“, begleitet am Klavier von Florian Juritzer. Den Schlusspunkt setzte der Chor nach mehr als zwei Stunden mit „Time To Say Good Bye“ und „Ade zur guten Nacht“, das von allen gemeinsam gesungen wurde. |llw

x