Donnersbergkreis
Schulsport in Zeiten von Corona – wie läuft’s?
Die Situation ist zwar, wie Sportlehrer Markus Gohl von der IGS Rockenhausen feststellt, von Schule zu Schule unterschiedlich, doch alle stehen vor derselben Herausforderung, dass die Sporthallen gar nicht oder sehr stark eingeschränkt nutzbar sind. In der Donnersberghalle, die die IGS normalerweise für den Sportunterricht nutzt, sei es zum Beispiel nicht möglich, die nötigen Abstände einzuhalten. Das Land hält die Schulen in solchen Fällen an, „Alternative Bewegungsangebote“ zu nutzen.
An der IGS finden diese in der freien Natur statt. „Wir haben das Glück, in einer ländlichen Gegend zu leben, wir haben den Wald in der Nähe“, so Gohl. Dort könne man Wanderungen machen oder Ausdauersportarten. Die Schüler seien von der Situation allerdings nicht begeistert. „Die sehen das natürlich nicht gerne, die Temperaturen sind ja nicht gerade angenehm.“
Sollten die Wetterbedingungen Aktivitäten im Freien nicht zulassen, muss in den Klassensaal ausgewichen werden, wo Theorieunterricht stattfindet. Dieser spielt auch eine Rolle in der Notenvergabe. „Wir müssen natürlich Noten machen, die sind ja auch versetzungsrelevant“, betont Gohl. Die Leistung könne zum Beispiel durch Referate oder Bewertungen der Teilnahme am Unterricht festgestellt werden.
Bewegung hat Priorität
Auch die Gutenbergschule in Göllheim musste die Benutzung der Sporthalle einstellen. Bruno Rogawski, stellvertretender Schulleiter der Realschule plus mit angeschlossener Fachoberschule, ist sehr darauf bedacht, dass die Schüler trotzdem die Möglichkeit zur Bewegung bekommen, denn für ihn „ist die Bewegung im Sportunterricht am wichtigsten“. Auch hier spiele das Wetter eine entscheidende Rolle. Solange die Temperaturen akzeptabel seien, könne man im Freien zumindest Leichtathletik und Sportarten, die keinen Körperkontakt erfordern, ausüben.
Von Theorieunterricht hält Rogawski, selbst seit mehr als 30 Jahren Sportlehrer, wenig. Gerade in den Jahrgängen bis zur zehnten Klasse habe es Priorität, dass die Jugendlichen sich auch bewegen. Sollte klassischer Sportunterricht aufgrund der äußeren Bedingungen nicht möglich sein, soll trotzdem versucht werden, den Schülern irgendeine Art von Bewegung zu ermöglichen.
Es sei für die Schüler immer noch besser, auf den Pausenhof zu gehen, „wo sie auch mal die Maske lüften können“ und dort seilzuspringen, als „für eine Stunde im stickigen Klassenraum zu sitzen“. Trotzdem sei Theorieunterricht auf Dauer unausweichlich.
Theorieunterricht soll vermieden werden
Auch am Wilhelm-Erb-Gymnasium Winnweiler versucht Philipp Graf, Theorieunterricht so gut es geht zu vermeiden. Zwar hat die Schule die Möglichkeit, die Sporthalle zu benutzen. Dort herrscht aber dauerhafte Maskenpflicht. „Da müsste man dann was machen, wo man nicht so viel atmen muss, Gymnastik zum Beispiel“ , erklärt Graf. Aktuell finde der Schulsport daher vorwiegend auf dem Sportplatz oder im Wald statt. Kontaktsport ist natürlich auch hier tabu, also muss Philipp Graf seinen Unterricht vorwiegend auf Leichtathletik beschränken.
Wie lange der Unterricht in dieser Form möglich ist, hängt auch in Winnweiler stark vom Wetter ab. Deshalb versuchen die Sportlehrer des Wilhelm-Erb-Gymnasiums jetzt möglichst viele Noten zu machen. Auch für den Fall, dass das Wetter den Sportunterricht im Freien nicht mehr zulässt, ist die Schule vorbereitet. „Wir haben extra Literatur für den Sport angeschafft, die jeder nutzen kann. Da sind schon einige interessante Themen dabei“.
Für die Schüler sei es wichtig, praktischen Sportunterricht zu haben, berichtet Graf. „80 bis 90 Prozent der Schüler“ , schätzt er, „wollen Sport machen, die brauchen das“. Gerade der fehlende Vereinssport mache vielen zu schaffen, „eigentlich reicht der Schulsport gar nicht aus um das auszugleichen“.
Grundschüler haben keine Maskenpflicht
Für die Grundschule Kirchheimbolanden ist Theorieunterricht keine Option. Kai Wiedel, der dort Sportlehrer ist, berichtet, dass der Schulsport „nach Möglichkeit“ im Freien stattfindet. „Sollte das nicht möglich sein, steht den Schülern freie Bewegungszeit auf dem Pausenhof zur Verfügung.“ Dort können sie zum Beispiel Kletter- oder Balanciergeräte nutzen.
Aktuell sei die Schule „im Gespräch mit der Verbandsgemeinde und dem Gesundheitsamt“ in der Hoffnung, nach Vorlage eines Hygienekonzepts Sportunterricht in Innenräumen machen zu können.
Das ist möglich, weil die Hygieneauflagen für Grundschulen weniger streng sind. So sind die Grundschulen eine der wenigen Ausnahmen der allgemeinen Maskenpflicht, die an den restlichen Schulen herrscht. Die Begründung dafür liegt darin, dass Kinder und jüngere Jugendliche keine „Treiber der Pandemie“ seien.
An der IGS in Eisenberg freue man sich über die milden Temperaturen beim Sport im Freien, sagt Lehrer Patrick Schmidt. Es werde auf Kontaktsport verzichtet, stattdessen würden Leichtathletik, Kraft- und Ausdauertraining sowie Technikübungen im Fuß- oder Faustball angeboten. In der zweiten Halle findet Unterricht mit Maske statt. „Allerdings machen wir hier nur Übungsformen, die keine zu große Belastung darstellen und mit Abstand durchführbar sind, wie beispielsweise Gymnastik, Yoga und Entspannungsreisen, auch Gleichgewichts- und Koordinationsübungen haben sich als sinnvolles Angebot erwiesen“, sagt Schmidt. Und natürlich wird auch an der IGS derzeit viel Wert auf die Theorie gelegt.
So bewerten NPG-Schüler ihren Sportunterricht:
Unser Mitarbeiter Jonas Driedger ist selbst Schüler am Nordpfalzgymnasium in Kirchheimbolanden. Hier ist seine eigene Bewertung.
„Bis zu den Herbstferien hat am Nordpfalzgymnasium noch weitgehend normaler Sportunterricht stattgefunden. Solange es noch warm war, konnte man problemlos den Sportplatz nutzen und hier Sport ohne wirkliche Einschränkungen machen. Wenn es nass war, gingen wir in die Halle, doch auch hier war von Corona wenig zu spüren.
Nun wurden die Maßnahmen verschärft, und das ist auch zu spüren. Die Halle wird nicht mehr genutzt, Sport mit Maske möchte man uns nicht zumuten. Daher heißt es jetzt auch am NPG: Soweit es möglich ist, findet der Sportunterricht im Freien statt. Das Hauptaugenmerk liegt hier auf Laufsportarten, bei denen der Abstand am besten einzuhalten ist. Viele Schüler bevorzugen allerdings den Theorieunterricht im warmen Klassensaal. Gerade im November ist die Vorstellung von zwei Stunden Leichtathletik bei kalten Temperaturen für viele eher abschreckend.
Doch auch Theorieunterricht ist für uns keine neue Situation. In der Zeit vor den Sommerferien fand Sportunterricht ausschließlich theoretisch statt. Die Notenvergabe erfolgte durch Referate, die jeder über eine zugewiesene Muskelgruppe halten musste. Unser Sportlehrer kündigte bereits an, dass wir uns auf erneute Referate, diesmal zu einem selbst ausgewählten Thema, vorbereiten sollen. Thema in der einzigen Theoriestunde bislang war, wie man sein Training am Besten plant, ohne dass der Körper zu stark oder zu gering beansprucht wird.
Trotzdem ist auf Dauer der klassische Schulsport der Theorie vorzuziehen. Nach neun Stunden Schule ist es schön, etwas Abwechslung zu bekommen und sich an der frischen Luft zu bewegen.