Waldgrehweiler
Schrauber aus Leidenschaft: Georg Hippel schickt Spezialteile in die ganze Welt
Mit Georg Hippel mal eben im Vorbeigehen über seine Leidenschaft, seinen Betrieb und seine Geschichte zu reden, ist praktisch nicht möglich. Denn dafür hat Hippel einfach zu viel erlebt, gesehen und kann dadurch auf einen Container voller Anekdoten zurückgreifen. Von Regierungsbeamten, die an einem Freitagabend aus einer Notlage befreit werden mussten. Von Japan-Besuchen voller neuer Erfahrungen und fremder Schriftzeichen. Von Las Vegas, wo „im Kasino alles nach Febreze riecht“. Georg Hippel hat viel erlebt und Georg Hippel sagt, was er denkt. Nicht nur, dass er seit inzwischen mehr als 30 Jahren seine Werkstatt in Waldgrehweiler führt. Hippel ist im Motorradsport tätig, begleitet für „Beta Motorcycles“ regelmäßig Welt- und Europameisterschaften im Trial, einer speziellen Disziplin im Motorradsport. Entsprechend viel kommt er auf dem Kontinent, aber auch auf der ganzen Welt herum. Und so finden Spezialteile, die in Waldgrehweiler produziert oder repariert werden, ihren Weg in die ganze Welt.
Dabei genoss Georg Hippel eigentlich eine ganz andere Ausbildung. In Finkenbach-Gersweiler ging er einst bei Otto Köhler als Schmied in die Lehre. „Da bin ich geformt worden“, erinnert sich. Seine Leidenschaft fürs Tüfteln und Schrauben hat er allerdings schon deutlich länger. „Als Kind habe ich meine Mutter damit genervt, dass ich ständig Mofas vom Sperrmüll angeschleppt habe, um zu Hause daran rumzuschrauben“, erzählt er. Die Leidenschaft holte ihn irgendwann ein und er eröffnete seine kleine Werkstatt in Waldgrehweiler – zunächst nur, um Reifenwechsel anzubieten. Mehr war nicht möglich, da er für die meisten anderen Arbeiten einen Meisterbrief vorlegen musste. Den musste sich Hippel anschließend erst noch erarbeiten. Für ihn nur ein weiterer Umweg, den er problemlos absolvierte. Inzwischen ist „Hippel Racing“ längst etabliert und Georg Hippel hat eine Kundschaft, die seine damaligen Vorstellung bereits um Längen überschritten hat. Vor allem, wenn man bedenkt, wo diese überall herkommen.
Sohn Timmy führt Vater in den Motorsport
Der große Beschleuniger für die internationalen Beziehungen war der Motorsport. Und zu dem kam Georg Hippel vor allem über Sohn Timmy, der als Jugendlicher mit dem Trial anfing und auch an der Junioren-WM teilnahm. 2016 wurde Timmy Europameister. Immer mit dabei: Vater Georg. Inzwischen hat der Sohn in Rockenhausen selbst eine Werkstatt. Der Name Hippel ist mit der Trial-Szene aber mehr denn je verbunden. Und für die Werkstatt in Waldgrehweiler längst mehr als nur ein Standbein. „Wir entwickeln und bauen auch selbst Teile, die dann in alle Welt verschickt werden“, sagt Georg Hippel. Denn auf solche Spezialwünsche kommt es im Motorsport eben an. Die Kunden haben sehr individuelle Ideen für ihre Fahrzeuge – und Georg Hippel ist dafür genau der richtige Ansprechpartner. „Hier wird eben auch noch repariert. Zu mir kann man kommen, wenn es keine Ersatzteile mehr gibt. Wir finden eine Lösung“, sagt er nicht ohne Stolz. Seine Werkstatt sei eben noch ein Ort, „wo man mit schmutzigen Händen rumläuft“. Einen Verkaufsraum mit großem Wert auf Außendarstellung sucht man bei ihm in Waldgrehweiler vergeblich.
Kritik an der Verbandsgemeinde
Und mit genau dieser Mischung aus Hemdsärmligkeit, Pragmatismus und Expertise kommt Georg Hippel gut an. Dabei ist er längst nicht mehr alleine. Manfred Weinberg, ebenfalls zum Meister ausgebildet, war einst Hippels erster Lehrling, ist inzwischen seine rechte Hand in der Werkstatt. Vor allem dann, wenn Hippel einen sehr Auslandsaufenthalte hat. Mit Josh Meiss hat die Werkstatt noch einen weiteren Mitarbeiter, im Sommer fängt der dann bereits neunte Lehrling bei „Hippel Racing“ an. Der Betrieb läuft also rund, wobei Georg Hippel nichts dagegen hätte, mehr lokale Aufträge zu bekommen. Vor allem seitens der Verwaltung. „Früher, in der alten Verbandsgemeinde Alsenz-Obermoschel war das noch so, dass die ihre Aufträge bei den Betrieben vor Ort vergeben haben. Nach der Fusion habe ich das Gefühl, dass wir hier hinten in der alten VG ein bisschen vergessen werden“, kritisiert Hippel. Statt aus Rockenhausen kommen die Aufträge nun eben aus England, Neuseeland, Australien oder Japan. „Wir verkaufen tatsächlich sehr viel nach Übersee“, sagt Mitarbeiter Weinberg. Damit gehe viel Koordination mit Paketdiensten und Lieferzeiten einher. Und Zollgebühren. „Da hat vor allem Brexit für Probleme gesorgt. Darüber schimpfen die englischen Kunden regelmäßig“, sagt Hippel.
Für Georg Hippel beginnt nun bald wieder die Reisezeit. Auch seine Mitarbeiter waren da mitunter schon dabei. „Man ist inzwischen dort im Fahrerlager sehr gut vernetzt. Ich kann da abends keine paar Meter laufen, ohne auf ein Essen oder ein Getränk eingeladen zu werden“, erzählt er. Der Name Hippel ist international bekannt und mit ihm die Gemeinde Waldgrehweiler. Und all das, weil aus einem kindlichen Traum und Tüfteleien an alten Mofas irgendwann eine Erfolgsgeschichte geworden ist.