Dielkirchen
Schnupperfliegen des Modellflugsportvereins Nordpfalz: Vom Flugfieber gepackt
„Früher war es ein teurer Spaß, wenn das Modellflugzeug bei den ersten Flugversuchen kaputtging. Heute können wir gefahrloser üben, sogar am PC mit einem Flugsimulator. Aber in der Realität ist dann eben doch vieles anders“, sagt der zweite Vereinsvorsitzende Thomas Pfeil. Das gefahrlose Üben möchten meine beiden flugunerfahrenen Jungs, fünf und sieben Jahre alt, gleich auf die Probe stellen. „Na, wenn das mal keine Bruchlandung gibt“, denke ich mir. Doch zunächst geht es an die Theorie. Es liegt in der Natur der Sache, dass es den Kindern dabei schwerfällt, aufmerksam zu bleiben. Im Hintergrund sausen die Fluggeräte durch die Luft. Das Wetter spielt mit: Sonnenschein, gepaart mit Wattebauschwolken und einer frischen Brise.
Die Windverhältnisse müssen stimmen
„Wir haben für die leichten Übungsflugzeuge fast schon zu viel Wind. Bei den schwereren Geräten macht das nichts“, erläutert Pfeil. Eine kleine Enttäuschung, wir müssen auf ruhigere Windverhältnisse warten. Doch die Zeit vergeht nicht nur sprichwörtlich wie im Flug. Derweil bestaunen wir interessante Fluggeräte in Aktion und auf dem Boden.
Unter der Pergola hinter einem Sicherheitsnetz machen wir es den übrigen Gästen nach und sitzen im Schatten mit leckerem Bratwurstbrötchen und etwas Kühlem zum Trinken. Es herrscht eine familiäre Atmosphäre – von kleinen Kindern bis zu den Großeltern. Mit dabei sind die Vereinspiloten, die sich mit Start und Landung unterschiedlicher Flugmodelle abwechseln. Von mehreren Metern breiten Segelfliegern bis zu kompakten Düsenjägern ist alles dabei.
Atemberaubende Manöver
Plötzlich knattert es laut, viele drehen sich um. Es hört sich wie ein Moped an. Vereinsmitglied Steven Müller bringt gerade seine orangefarbene ARS 300 von Skywing zum 3-D-Modellflug in die Luft. Eine Handvoll Kilogramm schwer, mit einem 60-Kubikzentimeter-Benzinmotor und bis zu drei PS Leistung. Die Zuschauer recken ihre Köpfe gen Himmel. „Oh Gott, jetzt stürzt es ab!“, ruft mein Jüngster ganz aufgeregt.
Doch alles ist nur Show. Das Flugzeug fliegt beim Start niedrig über dem Boden und schießt plötzlich wie eine Rakete nach oben. Es dreht sich in der Luft, fliegt Loopings, gerät ins kontrollierte Strudeln und zieht kurz vor Bodenkontakt wieder steil nach oben. Müller beherrscht sein Modell und bringt das Flugzeug in der Luft sogar senkrecht zum Stehen. „Mit den Flugmodellen lassen sich atemberaubende Manöver fliegen, das ginge mit einem echten Flugzeug niemals. Gemessen am Gewicht haben die Modelle starke Motoren, die die Manöver ermöglichen. Außerdem sitzt kein Mensch drin. Der würde bei den Beschleunigungskräften nämlich ohnmächtig werden“, erklärt Thomas Pfeil.
„Das Flugzeug nie aus den Augen verlieren“
Müller führt seine Flugshow gleich mehrere Male vor, und das Interesse ist jedes Mal groß, wenn neue Gäste hinzukommen. „Kann ich jetzt endlich fliegen?“, fragt mein Nachwuchs ungeduldig. Endlich kommt der zweite Vorsitzende mit zwei großen Fernbedienungen an: eine für den Schüler und eine für den Lehrer. Bevor ein Schüler sein Flugzeug zum Absturz bringt, greift der Lehrer blitzschnell mit seiner Fernbedienung ein und schaltet zeitgleich die Schüler-Fernbedienung ab. Sobald das Flugzeug wieder in einer stabilen Ausgangslage ist, legt der Lehrer das Kommando zurück in die Hände seines Schülers.
„Das Wichtigste ist es, das Flugzeug nie aus den Augen zu verlieren – nicht eine Sekunde“, betont Fluglehrer Pfeil. Er erklärt detailliert die Steuerung, wobei der Steuerknüppel nur wenige Millimeter bewegt werden soll. Weiter zeigt Pfeil die Funktion von Quer-, Höhen- und Seitenruder am Modell auf. Geübt wird an einem motorunterstützten Segelflugzeug, das im Flug die Rotorblätter einfach einklappt. Der Fluglehrer hält das Flugzeug mit einer Hand in die Luft, neben ihm steht mein Großer mit der Schüler-Fernbedienung und mit einem Glitzern in den Augen.
Nach wenigen Minuten der erste Looping
Der Motor surrt kurz und hievt den Segler schnell auf über 70 Höhenmeter. Der Lehrer aktiviert mit einem Knopfdruck die Schüler-Steuerung. Nur wenige Sekunden später wird die Flugbahn schon instabil. Kurzer Eingriff mit Motorunterstützung, und Fluglehrer Pfeil bringt den Segler wieder auf Kurs.
Es braucht einige Anläufe, doch nach ein paar Minuten fliegt mein Ältester schon einen Looping. Mein Jüngster will auch fliegen und ist danach an der Reihe. Doch ich merke: Die Hände eines Fünfjährigen sind einfach zu klein für die große Fernbedienung, und ich verständige mich mit dem Fluglehrer darauf, dass wir mal so tun, als ob. Er hat Spaß, und so langsam will ich es auch wissen.
Einstieg schon im Grundschulalter möglich
„Wir können nicht mehr lange, der Akku ist bald leer“, mahnt der Fluglehrer. Jetzt halte ich die Schüler-Fernbedienung in meinen Händen, drücke sanft den Stick für das Seitenruder. „Hätte ich mal lieber an eine Sonnenbrille gedacht“, denke ich mir und verfolge mit zusammengekniffenen Augen die Flugbahn. Auch mir macht es jede Menge Spaß.
„Fliegen kann jeder. Bei Kindern ist es nur wichtig, dass sie sich konzentrieren“, sagt Thomas Pfeil. Das Alter von acht Jahren sei sehr gut für der Einstieg. „Günstige Modelle gibt es ab 300 Euro, nach oben gibt es keine Grenzen.“ Pfeils Rat: von billigem Spielzeug die Finger lassen. „Für 50 Euro etwas kaufen, bei dem man nichts reparieren kann, ist rausgeschmissenes Geld. Wenn es einmal abstürzt, landet es im Müll.“ Mist, denke ich mir, jetzt muss ich wohl doch tiefer in die Tasche greifen, um den Nachwuchs zufriedenzustellen. Denn nach dem Schnupperfliegen sind die Kinder vom Modellflugfieber gepackt.
Das ist der Verein
Der Modellflugsportverein Nordpfalz, gegründet im Jahr 1976, zählt etwa 50 Mitglieder. Um neue Mitglieder zu gewinnen und das Hobby des Modellfliegens bekannter zu machen, veranstaltet der Verein jährlich ein Schnupperfliegen auf dem Modellflugplatz in der Nähe des Hoferhofs bei Rockenhausen. Bei diesem Event haben Interessierte die Möglichkeit, unter Anleitung eines erfahrenen Piloten gefahrlos ein Trainingsflugzeug zu steuern und erste Flugerfahrungen zu sammeln.