Donnersbergkreis Schmuckstück mit Pumpe aus der DDR

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Dielkirchen. Es gibt kaum eine Gemeinde im Donnersbergkreis, die nicht einen oder mehrere Dorfbrunnen hat. Die einen sind kaum zu übersehen, die anderen muss man suchen. Und manche bergen eine interessante Geschichte. Die RHEINPFALZ hat sich im Landkreis umgeschaut und dabei auch so einiges Erstaunliches herausgefunden. Heute: die Brunnen in Dielkirchen und dem Ortsteil Steingruben.

Nicht zu übersehen ist der Brunnen im Dielkirchener Ortsteil Steingruben – dort, wo von der Alsenzstraße die Brückenstraße abzweigt. Voller Stolz erzählt der ehemalige Straßenbaupolier Gerhard Leitsbach, wie er gemeinsam mit seinen Freunden Herbert Zapp, Thomas Hans, Werner Rothley und Alois Herr hier an Stelle des alten, kaputten Gemeindebrunnens dieses Schmuckstück errichtet hatte. 1989, noch vor der Wende, brachte er von einem Besuch in der damaligen DDR die Schwengelpumpe mit. Das achtlos auf einem Kieshaufen vor einem Gemeindehaus liegende Teil hatte schon Rost angesetzt. Für 80 Mark kaufte er die „Antiquität“ der Bürgermeisterin ab und „schmuggelte“ sie im Kofferraum seines alten Opel Rekord in den Westen. Die drei zur Kaskade angeordneten Brunnentröge fertigte er von den Lagern aus dem Schutt eines Brückenabbruchs in Dreisen, wo er als Bauleiter arbeitete. Die Schwengelpumpe ist nur Dekoration, den permanenten Wasserlauf besorgt eine Elektropumpe. Die Stromkosten und mittlerweile auch die Wartung hat die Gemeinde übernommen. 1990 wurde der Dorfbrunnen eingeweiht. Im gleichen Jahr bauten die Dielkirchener an der Hauptstraße auch einen Brunnen. Wie der ehemalige Ortsbürgermeister Hermann Bernhard erzählt, fand sich in Dielkirchen eine Gruppe Freiwilliger zusammen, unter ihnen auch der schon in Steingruben mitwirkende Herbert Zapp. In Eigenleistung stellten die Männer am Platz des alten Tiefbrunnens eine Schwengelpumpe und einen runden Steintrog auf. Der gebrauchte Trog wurde der Gemeinde von der heute nicht mehr existierenden Schreinerei Wolfhardt aus Dielkirchen überlassen. Auch die Dielkirchener Pumpe stammt aus der ehemaligen DDR. Allerdings brachte Bernhard das Stück nicht selbst von einer Fahrt nach Thüringen mit, sondern ließ es per Bahn nachschicken. Und ebenso wie in Steingruben schloss hier der Installateur Manfred Rittmann eine elektrische Tauchpumpe an, die von der Gemeinde bezahlt wurde. Die Fertigstellung des Brunnens wurde am 15. April 1991 ausgiebig gefeiert. Derzeit steht der Brunnen still. Irene Merz, von deren Haus der Stromanschluss kam, ist verzogen und der Stromanschluss abgeklemmt. Aus dem ursprünglich in der Mühlstraße vorhandenen Tiefbrunnen sind laut Bernhard bis zur Inbetriebnahme der Wasserleitung im Jahr 1920 die Bevölkerung des mittleren Ortsbereichs und das ganz in der Nähe stehende Milchhäuschen mit Trinkwasser versorgt worden. Brunnen und Milchhäuschen in der Mühlstraße seien der informelle Dorfmittelpunkt und die örtliche „Nachrichtenzentrale“ gewesen. Hier hätten sich täglich viele Leute, meist Frauen getroffen, die Neuigkeiten austauschten, wie der heute 86-Jährige erzählen kann. Dieser Teil der Mühlstraße habe seine Bedeutung endgültig verloren, als Anfang der 1970er Jahre der Strukturwandel in der Landwirtschaft auch die Milchbauern erfasst hat und die Milchgenossenschaft aufgelöst wurde. Das Milchhäuschen und der Tiefbrunnen seien nicht mehr benötigt und infolgedessen beseitigt worden, wie Bernhard sich erinnert. Und Bernhard erzählt weiter: Dort, wo zu Beginn der 80er Jahre die Gemeinde an der Hauptstraße ein altes landwirtschaftliches Anwesen samt den zwei benachbarten Wohnhäusern erwarb, sollte ein neuer Dorfmittelpunkt geschaffen werden. Die Gebäude wurden abgerissen und der Platz eingeebnet. In Eigenleistung wurde der Platz gepflastert und ein moderner Springbrunnen angelegt. In einer Spendenaktion, bei der sich vor allem die Banken, aber auch viele Privatleute recht großzügig gezeigt hätten, seien die noch fehlenden 5000 Mark für Material aufgetrieben worden. An allen Aktionen habe sich auch der damals noch existierende Dielkirchener Traditionsverein beteiligt. Wie aus dem 1985 veröffentlichten Buch von Dieter Hoffmann „Dielkirchen – Die Geschichte eines Dorfes“ zu entnehmen ist, wurde der neue Dorfplatz mit Springbrunnen am 22. August 1982 unter Sperrung der B 48 mit einem großen „Volksfest“ eingeweiht. Gut dass die Anlage mit einem Foto in dieser Ortschronik verewigt wurde, denn an der Dielkirchener Hauptstraße sucht man sie heute vergebens. Lediglich die weiß gestrichene Giebelwand des angrenzenden Wohnhauses mit dem verblassten Ortswappen darauf lässt ahnen, dass hier etwas war. Wie Ortsbürgermeister Ralf May-er berichtet, ist 2007 festgestellt worden, dass der gesamte Unterbau zerfallen, das Rohrsystem und die Pumpe marode und die Schaltelektronik durchgebrannt sind. Eine Reparatur scheiterte an den zu hohen Kosten. Man habe sich deshalb 2014 entschlossen, den Dorfplatz einschließlich Brunnen komplett neu zu gestalten – wobei das Wasser für den Brunnen nicht wie zuvor aus der Wasserleitung, sondern aus dem immer noch vorhandenen Tiefbrunnen eines ehemaligen Bauernhauses genommen werden soll. Info Gibt es auch in Ihrer Gemeinde Brunnen, die eine Geschichte haben und um die es auch interessante Geschichten gibt? Dann melden Sie sich bei uns – per E-Mail an reddonn@rheinpfalz.de.

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