Donnersbergkreis Schönheit kann man fühlen
Hübschester Kopf, lebhafteste Augen, überzeugendster Gesamteindruck: Fast wie bei einer Miss-Wahl haben Juroren am Sonntag 100 Tauben der Brieftaubenzüchter der Reisevereinigung (RV) Kirchheimbolanden und Umgebung unter die Lupe genommen. 15 Züchter präsentierten in Dreisen ihre schönsten und erfolgreichsten Tiere aus dem Reisejahr 2017. In verschiedenen Preisklassen verteilten die Juroren Preise. Gesamtsieger wurde Werner Ehard aus Eisenberg.
Schon am Vortag hatten die Preisrichter Rainer Müller aus Mehlingen und Ronny Ranke aus Winnweiler nach einem Punktesystem ähnlich einer Miss-Wahl die gefiederten Schönheiten bewertet. Beide Juroren sind keine Mitglieder des Kirchheimbolandener Vereins – der Neutralität wegen. Der Gesamteindruck der Tiere im Käfig zählt: Vor allem die Augen und den Kopf nehmen die Juroren unter die Lupe. Dann nehmen sie die Tauben in die Hand, begutachten Knochenbau, Brustbein, Becken, Rücken und Muskulatur sowie Harmonie und Gleichgewicht des Körperbaus. Ein Gast bezeichnet es so: Schönheit, die man fühlen könne. Zur Prüfung der Flügel, des Schwanzes und des Gefieders werden die Federn gespreizt. Vollkommen ruhig und ohne jegliche Anzeichen von Angst lassen die Vögel diese Prozedur über sich ergehen. Für die verschiedenen Preisklassen sind die Tauben eingeteilt nach Geschlecht und Alter sowie in Leistungsklassen. Für Letztere sind die im Jahr 2017 geflogenen Preiskilometer maßgeblich. Auch gibt es sogenannte Standardklassen ohne Flugleistungen. Pro Taube können die Juroren maximal 95 Punkte vergeben. Die jeweils punktbesten erwachsenen Vertreter beider Geschlechter mit Preiskilometern dürfen sich später mit dem Titel „Standardmännchen“ beziehungsweise „Standardweibchen“ schmücken. Den heutigen Spitzenwert von 93,5 Punkten und damit jeweils einen ersten Preis erreichen das „Standardmännchen“ von Werner Ehard aus Eisenberg und das „Standardweibchen“ der Schlaggemeinschaft Kapp aus Ebertsheim. Das schönste Jungmännchen gehört Fritz Ahrens aus Flomborn, das schönste Jungweibchen stammt erneut aus Ehards Zucht. Knapp dahinter gehen zwei weitere erste Preise an Werner Speier (Kirchheimbolanden). Je einen Preis erhalten zudem Werner Ehard, die Schlaggemeinschaft Kapp und Peter Göhring und Sohn aus Dirmstein. Das punkthöchste Gesamtergebnis für fünf Tauben erzielt Werner Ehard mit 466 Punkten. Die Preisträger der Ausstellung erhalten als Anerkennung ihrer Leistungen neben Urkunden noch Geldpreise, die zu 100 Prozent aus den Meldegebühren finanziert wurden. Zuvor haben die Sieger aus den Flugwettbewerben bereits Pokale, Plaketten, Medaillen und Urkunden erhalten. Sachpräsente für besondere Verdienste gehen an Alfons Wernersbach, Bernd Schmidt und Werner Ehard, außerdem an Peter Göring. In seiner Begrüßungsansprache bedauert der Erste RV-Vorsitzende Werner Ehard, zugleich Vorstand des Eisenberger Brieftaubenvereins „Eistalbote“ und selbst bereits 85 Jahre alt, die von Jahr zu Jahr zurückgehende Anzahl der Aussteller und der ausgestellten Tauben. Einerseits, so der Vorsitzende, hätten nicht alle Züchter der angeschlossenen Vereine Tauben ausgestellt, andererseits fehle in den ohnehin deutlich überalterten Brieftaubenvereinen der Nachwuchs. So müsse der Verein aktuell auch hinnehmen, dass der gerade geehrte Alfons Wernersbach nach über 30 Jahren im Kirchheimbolander „Kibobote“ seinen Rückzug aus dem aktiven Brieftaubensport angekündigt habe. Passiv wolle dieser allerdings dem Verein verbunden bleiben. Der 67-jährige Ingenieur begründet seinen Schritt mit dem hohen Zeitaufwand, der mit der Zucht und dem Reisen von Brieftauben verbunden sei. Werner Speier dagegen sieht im Hinblick auf das Nachwuchsproblem vielfach die äußeren Bedingungen für die Brieftaubenhaltung nicht gegeben, wie zum Beispiel ein eigenes Haus mit Garten. Bernd Eichler vermutet außerdem, dass die Brieftauben auch mit verwahrlosten städtischen Tauben rufschädigend verwechselt werden könnten. Über 100 Besucher nahmen die Gelegenheit wahr, ihre Verbundenheit mit dem Brieftaubensport zu zeigen. Ein besonderes Lob findet Ehard für den gastgebenden Dreisener Brieftaubenverein „Heimkehr zum Donnersberg“. Dieser habe unter der Leitung seines Vorsitzenden Bernd Schmidt für die gut organisierte Ausstellung und die ausgezeichnete Bewirtung im Einsatzlokal gesorgt. Auch dankte Ehard all den Leuten, die in der Vergangenheit immer wieder verirrte Tauben gemeldet und gepflegt hätten.