Donnersbergkreis „Schön wär’s mal gegen Lautern“
RHEINPFALZ-Sommerredaktion: Gesunde Rivalität: ja. Verbale Fouls: nein. Beim Treffen des Bayern-Fanclubs „Pälzer Bazis“ und der FCK-Anhänger der „Prinzengarde“ geht es sportlich fair zu – nicht nur auf dem Tipp-Kick-Feld. Und es wird deutlich: Man kann vom anderen sogar noch lernen.
«Rockenhausen.» „Klick!“ Der kurze, kräftige Druck auf den Kopf des Tipp-Kick-Männchens hat seinen Zweck erfüllt: Der blau-rot lackierte Mini-Kicker reißt das Bein in die Höhe, der kantige Plastikball rauscht durch die Luft. Keine Chance für den Torhüter, der sich nach einem verzweifelten Knopfdruck noch zur Seite wirft. Treffer. „Ein Schuss, ein Tor – die Bayern!“, jubelt Markus Göbel – und mit ihm jubeln die vier weiteren Mitglieder des Weitersweilerer Bayern-Fanclubs „Pälzer Bazis vum Dunnerschberg“. Gleich mit dem ersten Angriff haben sie die FCK-Fans vom Rockenhausener Fanclub „Die Prinzengarde“ ins Hintertreffen gebracht. Irgendwie passend zur sportlichen Situation der beiden Fußballclubs. Es ist ein echter Klassiker, der sich da auf der grünen Gummimatte abspielt, die auf einem Tisch des Hotels am Schloss in Rockenhausen liegt: Bayern gegen Lautern. Die beiden Fanclubs geben ihr Bestes. Gerade „stürmt“ Prinzengarde-Vorsitzender Thomas Iselborn auf das Bayern-Tor zu – so gut man mit einem Metallmännchen, das nur ein bewegliches Bein hat, eben stürmen kann. Duelle zwischen Bayern und Lautern – zumindest bei den Aktiven – sind selten geworden. Für viele FCK-Fans ist das kein Grund, nicht weiterhin bei Heimspielen das Betzelied umzudichten. Wenn die Liedzeile „Jeder Club ist uns willkommen, jede Mannschaft gern geseh’n“ durchs Stadion dröhnt, hängen noch immer Tausende den Zusatz „außer Bayern“ dran. Offensichtlich: Die Bayern sind nicht gerade der liebste Gast. Unterschwellige Botschaft: Wie großartig waren die Zeiten, in denen man sich noch regelmäßig sah. Sportliche Höhen und Tiefen – beim FCK-Fanclub „Die Prinzengarde“ ist man sie gewohnt. „Wir haben uns im äußersten Misserfolg, nach dem Abstieg 1996, gegründet. Es war diese „Jetzt-erst-recht-Einstellung“, um Solidarität mit dem FCK zu beweisen“, erklärt Iselborn. Damals hätten sich rund zehn Leute zusammengefunden. Weil der erste Präsident des Clubs gerne fragte: „Mein Prinz, holst du mir noch ein Bier?“ entstand der Name Prinzengarde. Heute zählt der Club rund 100 Mitglieder, vorwiegend aus Rockenhausen und Winnweiler. Zu den Aktivitäten zählen Spielbesuche, eine Drei-Tages-Tour, Feste, Stammtische und das Fanclubturnier auf dem Fröhnerhof, wie die Vereinsmitglieder Thorsten Bienroth und Sophie Jung berichten. „Außerdem unterstützen wir den FCK bei sozialen Projekten“, so Bienroth. Etwas anders sieht es bei den Pälzer Bazis vum Dunnerschberg aus: 2013 nach dem Triple „aus einer Kerwelaune heraus“ gegründet, wie Vorsitzender Hans Göbel erzählt, verzeichnet der Club mittlerweile 50 Leute. „Allerdings aus 16 Orten, was es nicht einfach macht“, so Göbel. „Hauptsächlich schauen wir zusammen Spiele auf der Großbildleinwand. Das ist doch besser, als wenn jeder alleine in seiner Wohnung sitzen würde“, findet der Vorsitzende. Hinzu kommen Grillfeste, Kerweumzug, ein Auswärtsspiel in München und die Jahresabschlussfeier. „Für die Tombola schickt uns der FC Bayern immer eine ganze Kiste mit Fanartikeln“, freut sich Göbel. Für ihre Fanclubs – da sind sich Bazis und Prinzengarde einig – geht es vor allem um eines: Geselligkeit. Und für die Vereine? „Ein Club wie der FC Bayern braucht keine Fanclubs“, ist Thomas Iselborn überzeugt. „Vereine wie der FCK aber brauchen dringend Fanclubs. Sie repräsentieren den Verein nach außen.“ Auch wenn, wie Iselborn einräumt, nicht jeder Fan ein Aushängeschild für den Verein ist. Anklagend auf andere Vereine zu zeigen, sei nicht angebracht. „Da ist der FCK auch nicht besser. Man muss sich bei Auswärtsspielen schon manchmal schämen“, sagt Iselborn. „Das hat Bayern nicht.“ Das glaubt auch Bazi-Mitglied Peter Kimmel: „Die Bayern-Fans gelten nicht als gewalttätig“, bestätigt er. Die Bazis ärgert aber ein anderer Punkt. „Die Allianz Arena ist zwar immer voll. Aber 20 Prozent davon sollten ihren Platz lieber jemandem geben, der das Spiel wirklich sehen will“, sagt Göbel. Bayern-Spiele werden mehr und mehr zum Event, zugleich ist der Wettbewerb um Tickets hart – auch wenn der FC Bayern allen gut 4200 Fanclubs ein paar Karten für ein Spiel zusichert. Bleibt also die Fernsehübertragung. Dass die immer mehr aufs Bezahlfernsehen ausgelagert wird, schmeckt den Fans nicht besonders. Und angesichts der Masse der Spiele verlieren diese offenbar sogar bei eingefleischten Bayern-Anhängern an Reiz. „Am Anfang der Saison schauen wir noch Bundesliga, irgendwann nur noch Champions League“, gibt Hans Göbel zu. Die Erwartungen sind eben hoch, auch wenn „man nicht dauernd vom Triple reden kann“, wie der Bazi-Vorsitzende findet. Die Prinzengarde blickt da mit anderen Zielen gen neue Saison: „Nicht so schlecht abschneiden wie letzte Saison“, sagen Iselborn und Bienroth. Die alte Rivalität zwischen Kaiserslautern und Bayern bekommen vor allem die Bayern-Fans immer wieder zu spüren. Bei der Gründungsversammlung, erzählen die Bazis lachend, seien FCK-Fans mit Bengalos und Betzelied einmarschiert. „Aber wir haben ein gutes Verhältnis“, betont Hans Göbel. Dass der Bayern-Kerwewagen bei einem Umzug aber mit Tomaten und Eiern beworfen wurde, sei dagegen nicht so witzig gewesen, erinnert sich Markus Göbel. „Es waren ja auch Kinder auf dem Wagen.“ Dennoch wird auch an diesem Tag deutlich: Man schätzt sich. Die Stimmung auf dem Betzenberg sei „schon was Besonderes“, findet etwa Peter Kimmel. Und auch Thomas Göbel bekennt: „Ein Freund von mir fährt auf jedes Spiel, regt sich danach fürchterlich auf, aber beim nächsten Spiel ist er wieder da. Ich finde das klasse.“ Dass die Münchner offensichtlich wissen, mit Geld umzugehen, beeindruckt derweil Thorsten Bienroth: „Ich finde es gut, dass dort gut gewirtschaftet wird – vor allem über diese lange Zeit. Da sind einige auch einfach neidisch.“ Am Ende des Nachmittags haben übrigens auch die Lauterer Grund zum Jubeln. Gerade hat Mini-Manuel-Neuer einen Lauterer Torschuss durchgelassen. Damit endet das Spiel mit einem Remis – auf der Gummimatte. Vielleicht gibt es ja auch irgendwann wieder ein Duell auf dem Rasen. Immerhin die Bayern-Fans finden: „Schön wär’s mal gegen Lautern.“ Und das nicht nur, weil die Tickets hierfür leichter zu haben wären…