Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Rockenhausen: Karl-Heinz Seebald zum sechsten Ehrenbürger der Stadt ernannt

Sichtlich gerührt: Karl-Heinz Seebald (links) mit der Urkunde zur Ehrenbürgerschaft, die ihm Stadtchef Michael Vettermann überre
Sichtlich gerührt: Karl-Heinz Seebald (links) mit der Urkunde zur Ehrenbürgerschaft, die ihm Stadtchef Michael Vettermann überreicht hat. Foto: J. Hoffmann

Die politische Karriere eines 31 Jahre lang amtierenden Bürgermeisters, die Lebensleistung eines mit den höchsten Weihen seiner Stadt dekorierten Mannes an einem Abend oder gar in einer Rede angemessenen zu würdigen, ist ein schier aussichtsloses Unterfangen. Wer am Samstag im Roten Saal der Rockenhausener Donnersberghalle bei der Verabschiedung von und der Verleihung der Ehrenbürgerschaft an Karl-Heinz Seebald dabei gewesen ist, muss sagen: Die Beteiligten sind dem Ideal erstaunlich nahe gekommen. Es war wertschätzend, kurzweilig und vielfach auch emotional.

In einem dieser Momente hat Seebald, der seine grandiosen Fähigkeiten als (freier) Redner einmal mehr unter Beweis gestellt hat, mit leicht brüchiger Stimme seiner „großartigen Familie“ – allen voran seiner Ehefrau Marion – für die jahrzehntelange Unterstützung gedankt. Ein anderer war, als das Blechbläserensemble der Gesangvereinskapelle, auf die Seebald als ein Aushängeschild „seiner“ Stadt stets so stolz gewesen ist, zum krönenden Abschluss seiner Vorträge das Steigerlied intonierte. Sichtlich angefasst war der 71-Jährige auch, als sein achtjähriger Enkel Jakob zunächst zusammen mit Julius Baldermann eine stürmisch gefeierte, selbst komponierte Percussion-Vorführung und später zwei Stücke auf der Geige präsentierte. Das Außergewöhnliche der 2002 zum bis dato letzten Mal verliehenen Ehrung war aber vor allem zu spüren, als sich nach dem Aushändigen der Urkunde durch seinen Nachfolger Michael Vettermann alle Gäste erhoben und zwei Minuten nonstop applaudiert haben – da fehlten selbst Seebald vorübergehend die Worte.

„Untrennbar mit ihm verbunden“

Apropos: Die richtigen Worte hatte zuvor Luise Busch gefunden. Als Mitglied und zeitweise Vorsitzende der SPD-Fraktion im Stadtrat hat sie das politische Wirken des Geehrten von Beginn an begleitet. Sie skizzierte auf herzliche, aber nie in Lobhudelei abgleitende Weise, warum „wir immer auf Schritt und Tritt in unserer Stadt an die in die Tat umgesetzten Ideen und Projekte von Bürgermeister Seebald erinnert werden“. Dazu zählten unter anderem die Umgestaltung der Innenstadt, den Wandel des Rognacplatzes vom „kargen Parkplatz“ zu einem „Schmuckstück“, Initiativen zur Stärkung der Wirtschaftskraft sowie des Bildungs- und Gesundheitsstandortes, den Anstoß für ein institutionalisiertes Stadtmarketing, die Würdigung des Ehrenamtes, das Erwecken des Wasserschlosses aus „desolatem Zustand“, die Gründung des Musikalischen Sommers und, und, und.

Vor allem habe Seebald frühzeitig erkannt und konsequent ausgebaut, dass die Stadt im kulturellen Bereich ein „Alleinstellungsmerkmal“ besitzt. Heute seien die städtischen Museen über die Grenzen der Region hinaus bekannte „Leuchttürme“. Und sie hob den Einsatz des „überzeugten Europäers“ für die Pflege der Partnerschaften mit Rognac, Krk und Glubczyce hervor. Ein Zeichen dieser Verbundenheit sei, dass die französischen Freunde der Familie eigens zur Feier aus der Provence angereist waren. Grundsätzlich habe sein „Gestaltungswille und Mut zur Veränderung, verbunden mit Kreativität und Ideenreichtum“ der Stadt eine lebendige und freundlichere Ausstrahlung gegeben. „Rockenhausen ist heute und in Zukunft untrennbar mit dem Namen Karl-Heinz Seebald verbunden“, so Busch.

Stadt den Stempel aufgedrückt

Der erste Teil des Abends war dessen ebenfalls durch Vettermann vollzogenen Verabschiedung als Stadtchef gewidmet. Sein Nachfolger hob hervor, dass „ein Großer unserer Stadt, der ihr Bild entscheidend geprägt und verändert hat“, in Ruhestand gehe. Und er sagte Dank für die „Kraft, Zeit und Arbeit“, die Seebald investierte. Für die SPD im Stadtrat dankte Joseph Blaum den anderen Fraktionen, dass der Beschluss für die Ehrenbürgerschaft einstimmig fiel. Ohne Seebald würde „Rockenhausen nie so aussehen und dastehen, wie es heute der Fall ist. Das verdanken wir diesem Bürgermeister, diesem Meister-Bürger“, so Blaum.

Seitens der CDU-Fraktion betonte Egon Schneider den „respektvollen Umgang“ im Stadtrat über Fraktionsgrenzen hinweg. Seebald habe der Stadt seinen Stempel aufgedrückt, „darauf kannst Du stolz sein“. Besonders würdigte er seinen Einsatz für die Völkerverständigung und gegen Antisemitismus. Verbandsbürgermeister Michael Cullmann nannte Eigenschaften, die er an seinem Vorgänger als VG-Chef besonders geschätzt hat und die er nun vermisse. Seebald zum Ehrenbürger zu machen, sei eine Ehre, die diesem „mehr als gebührt“. Für den Gemeinde- und Städtebund dankte dessen stellvertretender Vorsitzender Ralph Spiegler, dass sich der langjährige Bürgermeister auch vehement für die Belange der Kommunen insgesamt eingesetzt habe – und das immer „mit klarem Standpunkt“.

Dank sagte auch Stadtförster Lothar Burkhart – für Seebalds „vorausschauende Vorgabe, den Stadtwald nach natürlichen Prozessabläufen zu bewirtschaften und nicht in erster Linie nach rein monetären Zielen zu bewerten“. Dass der Bürgermeister in der Kultur die Bausteine gefunden habe, um „aus dem alten Bauernstädtchen eine lebensfähige, quirlige Stadt zu machen“, hob der Leiter des Museums für Zeit Knut Deutschle hervor.

Gefühle schlagen Purzelbäume

Der zigfach Gelobte selbst gestand, „dass die Gefühle in mir heute Purzelbäume geschlagen haben“. Einerseits empfinde er große Freude über die Auszeichnung, „die mir ungeheuer viel bedeutet“ – andererseits sei da das Bewusstsein, dass die „unabdingbare Voraussetzung“ dafür die verlorene Wahl im Mai gewesen sei. Was jedoch die positive Folge habe, dass er vieles nun mehr als zuvor genießen könne. Ein Anliegen war es Seebald, einer Reihe von Menschen zu danken: dem Stadtbürgermeister und Stadtrat für die Verleihung der Ehrenbürgerwürde – Letzterem auch für die „Form des Miteinanders, die mir Freude gemacht hat“; den Bürgern, „die mir über so lange Zeit die Gestaltungsmöglichkeit gegeben haben“; den vielen ehrenamtlich Tätigen, „die entscheidend dazu beigetragen haben, dass sich Rockenhausen so positiv entwickelt hat“; der „großartigen Verwaltung“, allen voran seinen drei Sekretärinnen, „die manches an spontanen Reaktionen abfangen mussten“.

Der größte Dank galt aber seiner Familie. Sie sei der Grund, dass sich „niemand um mich sorgen muss – es geht mir blendend“, wie Seebald augenzwinkernd versicherte. Wer gesehen hat, wie er seinen Enkel Jakob nach dessen Auftritt von der Bühne gehoben und dieser mit der Geige in der Hand seinen Opa fest umschlungen hat, der darf gewiss sein: Es stimmt.

Ehrenbürger

Ehrenbürger der Stadt Rockenhausen (in Klammern das Jahr der Ernennung): Adolf Wagner, Beigeordneter (1968); Daniel-Henry Kahnweiler, Galerist und Kunsthistoriker (1970); Armin Engel, Stadtchronist (1991); Georges Batiget, Bürgermeister der Partnerstadt Rognac (2001); Ulrich Putsch, Unternehmer (2002); Karl-Heinz Seebald, Verbands- und Stadtbürgermeister (2019).

Zur Person: Karl-Heinz Seebald

Karl-Heinz Seebald (SPD) wurde am 6. Juni 1948 in Pirmasens geboren, kam aber bereits als Kind nach Rockenhausen. Nach seinem Jura-Studium war er zunächst als Anwalt tätig, ehe er 1992 als Nachfolger von Walter Werner Rockenhausener Verbandsbürgermeister wurde. In dieser Funktion haben ihn die Bürger 2000 und 2008 in Urwahl bestätigt. 2013 hat er dieses Amt im Alter von 65 Jahren aufgegeben – ehrenamtlich blieb Seebald allerdings Stadtbürgermeister. Diese Aufgabe hatte er 1988 auf Votum des Stadtrates – der dies 1989 bestätigte – ebenfalls von Walter Werner übernommen. Von 1994 bis 2014 haben ihn die Wähler fünf weitere Male zum Stadtchef bestimmt, ehe er im Mai gegen Michael Vettermann (FDP) mit 48,4:51,6 Prozent unterlag. Politisch aktiv ist der heute 71-Jährige noch als stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion im Bezirkstag Pfalz, dem er seit 1999 angehört. Viele Jahre war er auch Mitglied des Kreistages. Ehrenamtlich tätig ist er nach wie vor in den Verwaltungsräten des Pfalzklinikums und des Evangelischen Diakoniewerks Zoar sowie im Landesvorstand des Gemeinde- und Städtebundes (GStB). Freiwillig engagiert hat sich Seebald ferner über Jahrzehnte als Vorsitzender der Kahnweiler-Gedenkstiftung, der Kreisgruppe Donnersberg beziehungsweise des Bezirks Rheinhessen-Pfalz im GStB, des Musikkreises Donnersberg und des DRK-Kreisverbandes Rockenhausen sowie im Aufsichtsrat der Pfalzwerke AG. Mit seiner Ehefrau Marion hat er eine Tochter und zwei Enkel.

Wörtlich

„31 Jahre den Mann entliehen an die Stadt. Ich hoffe, wir geben ihn einigermaßen anständig zurück.“

Stadtbürgermeister Michael Vettermann in seinen Dankesworten – samt Blumenstrauß – für Marion Seebald.

„Sie werden es erkennen, wenn ich durch die Stadt gehe. Ein Ehrenbürger hat sicher einen völlig anderen Gang als ein normaler Bürger.“

Seebalds Schlussworte.

Ein Höhepunkt des Abends: Seebalds Enkel Jakob an der Geige.
Ein Höhepunkt des Abends: Seebalds Enkel Jakob an der Geige. Foto: J. Hoffmann
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