Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Rockenhausen: Bereitschaftsdienst wird aufgelöst

Noch brennt Licht in der Bereitschaftspraxis Rockenhausen. Hier werden noch bis Juli Patienten nachts oder an Wochenenden versor
Noch brennt Licht in der Bereitschaftspraxis Rockenhausen. Hier werden noch bis Juli Patienten nachts oder an Wochenenden versorgt.Bereitschaftspraxis

Die Ärztliche Bereitschaftspraxis (ÄBP) in Rockenhausen wird ab 1. Juli geschlossen. Sie gehört damit zu den vier der 47 Praxen in Rheinland-Pfalz, die von benachbarten Standorten aus mitversorgt werden sollen. Als Hauptgrund für diese Entscheidung wird die geringe Inanspruchnahme genannt.

„Für uns kam das nicht überraschend“, sagt der Allgemeinmediziner Uwe Mannweiler, der in Obermoschel niedergelassen ist und die Bereitschaftsdienstpraxis (ÄBP) in Rockenhausen leitet. ,Die Inanspruchnahme der Praxis sei zu gering gewesen. „Die Patienten haben mit den Füßen abgestimmt.“

Dr. Rainer Sauer von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) argumentiert ähnlich. Rockenhausen zähle zu den Praxen mit den geringsten Fallzahlen in Rheinland-Pfalz. Dazu lägen die nächsten Zentralen – Meisenheim, Kaiserslautern, Kirchheimbolanden – in akzeptabler Entfernung, wenn man den Vergleich zu Regionen wie beispielsweise dem Hunsrück ziehe.

Ersteinschätzung unter 116 117

Bei der Entscheidung für oder gegen einen Standort spiele es auch eine Rolle, so Mannweiler, wo Krankenhäuser seien, in denen beispielsweise geröntgt oder genäht werden kann. Die Angliederung einer Bereitschaftspraxis an ein Krankenhaus mit Notfallversorgung halte er in jedem Fall für sinnvoll.

Laut Saurwein muss die Entscheidung vor dem Hintergrund einiger tiefgreifender Veränderungen gesehen werden, die für Patienten eine Verbesserung bedeuten würden. Man müsse einerseits eine immer älter werdende Bevölkerung versorgen, andererseits nehme der Ärztemangel immer weiter zu. Um dem zu begegnen, habe die KV als ersten Schritt einer größeren Reform seit Januar den Patientenservice unter der bundesweit einheitlichen Telefonnummer 116117 eingeführt. „Damit wollen wir Patienten zielsicherer leiten“, so Saurwein. Wer beispielsweise nicht sicher sei, wo er in der Nacht mit seinem kranken Kind hingehen soll oder ob er vielleicht sogar einen Notarzt braucht, der könne sich unter dieser Nummer eine Ersteinschätzung holen, so Saurwein. Man erwarte damit eine Entlastung der Notaufnahmen in Krankenhäusern und Bereitschaftspraxen. Die Nummer 116117 ist 24 Stunden täglich erreichbar. Besetzt seien die Telefone mit medizinisch ausgebildetem Personal, etwa medizinischen Fachangestellten oder Notfallsanitätern. „In der Schweiz wird eine vergleichbare Patientenservicenummer seit einige Jahren erprobt und man hat sehr gute Erfahrungen damit“, so Saurwein.

Ein weiterer großer Schritt bei der Reform der Bereitschaftsdienste sei der Hausbesuchsdienst, der künftig unabhängig vom Dienst in der Bereitschaftspraxis geregelt werden soll. Derzeit werden die Hausbesuche von den diensthabenden Ärzten in den Bereitschaftspraxen gestemmt. Weil diese aber auch gleichzeitig für die Behandlung der Patienten in den Praxen zuständig sind, könne es zu längeren Wartezeiten kommen, so die Argumente der Kassenärztlichen Vereinigung.

Da die Menschen aber immer älter würden und die Zahl der immobilen Patienten daher zunehmen werde, steige auch der Bedarf an Hausbesuchen. Deshalb plane die KV Rheinland Pfalz die Trennung der Behandlung durch die diensthabenden Ärzte in der Bereitschaftspraxis vom Hausbesuchsdienst. Der soll dann ebenfalls unter der Telefonnummer 116117 gesteuert werden.

Hausbesuchsdienst soll kommen

All diese Umstrukturierungen seien sehr kostenintensiv, und das widerum sei ein maßgeblicher Grund für die größeren Versorgungseinheiten bei den Bereitschaftspraxen. „Das Defizit in diesem Bereich (muss) von den rheinland-pfälzischen Ärzten selbst finanziert werden. Eine weitere Erhöhung der finanziellen Belastungen würde (...) den Ärztemangel im Land erhöhen“, heißt es dazu in der Pressemitteilung der Kassenärztlichen Vereinigung.

Begonnen wird mit dem Hausbesuchsdienst in einer Testregion im Laufe dieses Jahres. Wann es im Donnersbergkreis losgehen soll, konnte Saurwein gestern noch nicht sagen. Allerdings sei davon auszugehen, dass der Kreis zu den ersten Regionen gehören werde, in denen dieser Dienst eingeführt wird.

Das medizinische Personal in der Bereitschaftspraxis Rockenhausen soll auf die angrenzenden Praxen verteilt werden. Für Patienten besteht ohnehin eine Wahlfreiheit, sie können bereit jetzt in jede beliebige Bereitschaftspraxis gehen.

Der Bereitschaftsdienst

Der Ärztliche Bereitschaftsdienst versorgt Patienten in der Zeit, in der Arztpraxen geschlossen sind, beispielsweise nachts oder an Wochenenden. Er ist erreichbar unter 116117 und für Erkrankungen zuständig, mit denen Patienten üblicherweise in Sprechstunden kommen. Für Notfälle ist der Rettungsdienst zuständig, der unter 112 erreichbar ist.jgl

Info

Bis Juli gelten für die Ärztlichen Bereitschaftsdienstpraxen im Donnersbergkreis die Öffnungszeiten:Rockenhausen: montags, dienstags, donnerstags: 19 bis 24 Uhr; mittwochs: 14 bis 24 Uhr; freitags: 16 bis 24 Uhr; samstags, sonntags und an Feiertagen: 8 bis 24 Uhr. Ab 24 Uhr ist Meisenheim zuständig.Kirchheimbolanden: mittwochs: 14 bis 24 Uhr, freitags von 16 bis 24 Uhr und samstags, sonntags sowie an Feier- und Brückentagen von 8 bis 24 Uhr. Ansonsten ist Alzey zuständig.

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