Donnersbergkreis Retter bündeln Kraft und Wissen
„Massenunfall auf der Autobahn, Fahrzeuge sind unter einen LKW-Aufleger gefahren“: So lautete die Meldung an die Verbandsgemeindefeuerwehr in Winnweiler, wo zwei Tage lang ein Symposium stattfand. Abschluss war die Rettungsübung unter realen Bedingungen auf dem Parkplatz des Freibades in Winnweiler.
Die Situation kann für Wehrleute schnell Realität werden: Ein Auto unter einem Aufleger verkeilt, dahinter mehrere aufgefahrene Autos. Das Führerhaus eines Lastkraftwagens total zerbeult und verformt. Den Hilfskräften bot sich ein „grausames Bild“, denn die „Verletzten“ waren für diese Übung entsprechend geschminkt, um damit bestimmte Verletzungen darzustellen. „Elf Patienten, offensichtlich ist einer weggelaufen“, meldet ein Gruppenführer aus dem ersten Trupp dem Einsatzleiter. Dieser gibt sofort die ersten Kommandos an die Rettungskräfte vor Ort, er steht ständig mit der Zentrale in Verbindung. Frühzeitig weist er darauf hin, dass auf der Zufahrtsstraße eine Rettungsgasse frei zu halten ist, denn es werden weitere Einsatzkräfte erwartet. Der Fahrer im Führerhaus ist eingeklemmt, und es wird ein großer Aufwand werden, ihn aus seiner misslichen Lage zu befreien. Zunächst gilt es, seinen Körper zu stabilisieren. Die Rettungssanitäter kümmern sich bereits um die Schwerverletzten. Aus den hinteren Fahrzeugen sind Schreie zu hören. Die Rettungssanitäter können aber nicht überall sein, die Feuerwehrleute nehmen ersten Kontakt zu den Eingeklemmten und Verletzten auf. Sie beruhigen die Menschen und versprechen ihnen, dass bald Hilfe kommt. Dann rücken die ersten Wehrleute an, um die Bergung einzuleiten. Dabei setzen zwei Wehrmänner am Unfallfahrzeug einen Spreizer zwischen Tür und Holmen an, um etwas Freiraum zu schaffen. „Das müsste reichen“, sagt einer der Rettungskräfte, mit größter Vorsicht wird der Verletzte befreit. Sofort kümmert sich der Notarzt um ihn. Der Fahrer des Lastkraftwagens ist in Lebensgefahr. Die Rettungskräfte stabilisieren ihn, legen eine Halskrause an und schienen sein Bein. „Die Versorgung der Verletzten hat auf jeden Fall Vorrang vor der Bergung von Fahrzeugen“, erklärt ein Gruppenführer die Leitlinie. Tatkräftig hilft dabei auch eine Mannschaft vom Technischen Hilfswerk. Sie sind vor allem im Einsatz, um Verletzte aus Fahrzeugen zu befreien. Dabei kommt auch das Rettungsbrett zum Einsatz. Erwartungsgemäß macht den Rettungskräften die Bergung der Verletzten aus dem Fahrzeug unter dem Aufleger die größten Sorgen. Dabei kommt ein hydraulischer Rettungszylinder zum Einsatz, der unter Öldruck arbeitet. Er drückt das Blech auseinander und die Helfer haben nun die Möglichkeit, den Verletzten zu bergen. Zwischenzeitlich wurde auch der Vermisste gefunden und wird von Sanitätern versorgt. „Ihr habt folgerichtig entschieden“, lobte abschließend Christian Füllert, Wehrleiter der Verbandsgemeindefeuerwehr Winnweiler. „Ihr habt die Erstversorgung vorbildlich aufgebaut und dann die Fahrzeuge Zug um Zug mit dem richtigen Material geöffnet“, so seine zufriedene Bilanz. Innerhalb von 45 Minuten hatten die Rettungskräfte all das umgesetzt, was in Vorträgen und Diskussionen bei dem zweitägigen Symposium angesprochen wurde. „Die Übungsteilnehmer haben alle Stresssituationen gut gemeistert, und die Kommunikation untereinander war vorbildlich“, so Füllert. Dabei mussten so manche Teilnehmer bis an seine Grenzen gehen. „Leider war es auch realistisch, dass Tote zu bergen waren.“ Vielen ehrenamtlichen Helfern bleibt das nämlich in ihren Einsätzen nicht erspart, sie müssen also darauf vorbereitet werden. 32 Personen hatten an dieser Übung und dem dazugehörigen theoretischen Teil mitgewirkt. Neben Bürgermeister Rudolf Jacob verfolgte auch der künftige Landrat des Donnersbergkreises, Rainer Guth, die Großübung.