Gundersweiler Reiterfest: Hoch zu Ross wie in Barockzeiten
Bald schon könnte sich das allerdings ändern: Künftig soll die „Reitsportgemeinschaft Gundersweiler“ als Veranstalter auftreten. Dabei handelt es sich um einen Verein, der derzeit in der Gründungsphase ist. Beim reiterlichen Programm standen Barockpferde im Vordergrund. Ausschließlich diese Gattungen seien in den Ställen der Reitschule zu finden, so Torsten Milz. „Willkommen sind bei uns aber alle Rassen“, betonte der Reitlehrer und angehende Pferdewirt.
Schon zu Beginn des mehrstündigen Programms gab es einen Einblick in die Reitstunden. Lea Steinmetz leitete eine solche Übung mit Auszubildenden und ihren Pferden. Dabei legte sie sehr viel Wert auf eine ausgewogene Sitzschulung. Ihre Kommandos kamen präzise und klar und wurden für die zahlreichen Besucher und Betrachter elektronisch übermittelt.
Die Rinder müssen in den Stall
Sehenswert und eine Bereicherung der Schaubeiträge war der Auftritt von Tatjana Seel und Dana Weber. Sie verkörperten Hirten in Spanien bei der Arbeit. Ihr Auftrag war, mit der Garroche, einem vier Meter langen Stab, die Rinder in den Stall zu treiben. Stolz die beiden Vierbeiner, der in Portugal gezogene Lusitano von Dana Weber aus Gundersweiler und der in Deutschland aufgewachsene Andalusier von Tatjana Seel aus Schneckenhausen. „Das Pferd muss mit einer Hand geführt werden, denn in der anderen Hand befindet sich ja die Garroche“, sagt Tatjana Seel. „Dafür braucht man Muskelkraft, denn diese Garroche hat schon ein paar Kilogramm an Gewicht“, verrät sie.
Als es darum ging, wie die Gunst des Burgfräuleins zu erobern sei, erwarteten die Gäste kriegerische Auseinandersetzungen, denn die Ritter kamen hoch zu Ross, ausgestattet mit zeitgenössischen Waffen. Stattdessen wurde ein Querschnitt aus der Dressurreiterei gezeigt.
In Tüll gepackte Männer
Die Überraschung des Abends war die eigens für diesen Reitertag kreierte Voltigiergruppe, bestehend aus drei in Tüll eingepackten gestandenen Männern: Michael, Sinan und Tom steckten in rosafarbenen Kostümen und setzten nach den Klängen von Pjotr Illjitsch Tschaikowski das Ballettmärchen „Schwanensee“ um. „Ihr erster Auftritt“, schallte es durch das Tal. Wie es dazu kam, erzählte Sinan, der mit 42 Jahren älteste Akteur. „Wir brauchen drei mutige Männer“, hatte Reitlehrer Torsten Milz in die sozialen Netzwerke geschrieben. „Da muss ich einfach mitmachen“, dachte sich Sinan.
Schnell hätten sich die drei Reitschüler zusammengeschlossen und fleißig trainiert. „Uns blieben ja nur sechs Wochen“, sagte der in Mannheim beheimatete Sinan weiter. „Die haben gereicht, denn wir haben intensiv gearbeitet“, blicht er zurück, und die drei Akteure waren mit ihrem Auftritt an diesem Abend mehr als zufrieden. Der Vortrag ging über 15 Minuten „und das war schon anstrengend für das ausgebildete Voltigierpferd. Es hat eine super Gangart und wir sind pfleglich mit ihm umgegangen“, resümierte Sinan. Am Sonntag stand ein Orientierungsritt auf dem Programm, zu dem mehr als 90 Reitpaare gestartet sind und der den ganzen Tag andauerte.