Donnersbergkreis
Reisebüros im Kreis: 90 Prozent weniger Buchungen
Das Reisebüro am Markt in Rockenhausen hat seine Türen zwar geschlossen, ist aber telefonisch und per E-Mail zu erreichen. „Wir beraten unsere Kunden weiterhin und schicken ihnen Reisen zur Auswahl per E-Mail“, sagt Inhaber Friedrich Wolfsgruber. Zu Hause könnten sich die Kunden in Ruhe entscheiden. Viel gebucht wird für das Jahr 2022 und 2023, aber auch für dieses Jahr wurden schon ein paar Urlaubsaufenthalte abgeschlossen. „Wenn die Reise wegen Corona nicht stattfinden kann, werden Gutscheine ausgestellt oder es wird umgebucht“, berichtet Wolfsgruber.
Bei manchen Reiseanbietern müssten die Kunden auch keine Anzahlung für ihre Urlaubsreise machen, damit weniger Risiko für sie entstehe. Die Preise insgesamt seien gefallen. „Wir haben gut neunzig Prozent weniger Buchungen in den eigentlich starken Monaten Januar und Februar“, sagt Wolfsgruber. Trotzdem wären die Buchungen seit Anfang des Jahres gestiegen. „Die Menschen wollen wieder reisen, sie haben Hoffnung, dass sie bald wieder in Urlaub fahren dürfen.“ In seinem Reisebüro werden bevorzugt Schiffsreisen und Eigenanreisen gebucht. Seine Mitarbeiterin wäre in Kurzarbeit, sonst bekomme er keine finanziellen Hilfen.
Nicht mehr in die Selbstständigkeit
Sandra Wieser, Inhaberin des Reisebüros Fernweh in Winnweiler, hat am 31. Oktober im vergangenen Jahr ihre Türen für immer geschlossen. Auch nach der Corona-Krise möchte sie nicht mehr in die Selbstständigkeit. „Ich habe das Reisebüro erst vor zwei Jahren eröffnet, dann kam Corona“, so Wieser. „Ich habe viel Geld verloren und möchte nicht weiter dieses Risiko eingehen.“
Im August vergangenen Jahres seien alle Winterbuchungen storniert worden. Das Jahr 2021 sei nicht kostendeckend gewesen. „Weitere Jahre auf gut Glück zu probieren, geht für mich nicht.“ Kurz nach der Schließung ihres Reisebüros hat sie einen Job in einem Orthopädischen Zentrum gefunden. „Ich muss arbeiten, ich kann nicht zu Hause bleiben“, erklärt Wieser. In der Zukunft möchte sie aber in ihren Traumberuf zurück, nur nicht mehr in die Selbstständigkeit. Frühestens 2022 würden ihrer Meinung nach wieder vermehrt Reisen gebucht werden, so wie vor der Corona-Krise.
Viele zusätzliche Versicherungen
In ihrem mobilen Reisebüro in Imsweiler hat Angelique Borys gerade nur wenig Kundenkontakt. Normalerweise können ihre Kunden sie in ihrem Büro besuchen oder sie fährt zu ihnen nach Hause. „Ich berate meine Kunden in Wohnzimmeratmosphäre“, erklärt Borys. „Das geht jetzt nicht mehr.“ Aber über das Telefon und per E-Mail sei auch sie weiterhin zu erreichen. Zusätzlich bietet sie eine Liveberatung online an. Von den Reiseanbietern gebe es oft verschiedene „Flex-Optionen“: Zum Beispiel können gebuchte Reisen bis zu 14 Tagen vor der Abreise kostenlos storniert werden.
Einiges zu tun hätte sie schon, aber es wäre nicht mit den vergangenen Jahren zu vergleichen. Viel Zeit würde jetzt in die Buchung fließen. „Wir müssen wegen der Pandemie zusätzliche Versicherung abschließen. Es gibt mehr zu beachten und ich muss oft nachfragen, ob alles richtig ist. Das kostet viel Zeit“, erklärt Borys. Ihren Hauptumsatz macht sie unter normalen Umständen im Oktober.
Traumberuf nicht aufgeben
Der Altersdurchschnitt ihrer Kunden, die aktuell buchen, liege zwischen 25 und 55 Jahren. „Meine Kunden buchen überwiegend Hotels und Ferienwohnungen in Deutschland und Pauschalreisen in Europa.“ Von Fernreisen würde sie ihren Kunden aktuell abraten. Die meisten Käufer planen ihren Urlaub ab Mai. „Ich glaube auch nicht, dass man vor April wieder reisen darf.“
Im Frühling 2020 habe sie die Soforthilfe beantragt und auch bekommen. Die aktuelle Überbrückungshilfe stehe noch aus. „Zum Glück habe ich keine Mietkosten. Meine monatlichen Ausgaben sind dadurch gering“, erklärt Borys, die ihr Büro in ihren eigenen vier Wänden eingerichtet hat. Nur deshalb könne sie überleben. Aufgeben möchte sie ihren Traumberuf auf keinen Fall.