Dielkirchen
Raumgreifende Veränderungen: Kita wird saniert und erweitert
Wie viele Kinder besuchen aktuell die Kindertagesstätte in Dielkirchen?
Die Kita hat derzeit eine Betriebserlaubnis für 40 Kinder, die in zwei Gruppen betreut werden. Die Plätze sind durchgängig voll belegt, informierte Claudia Manz-Knoll, Pädagogische Gesamtleitung des auch für die Einrichtung in Dielkirchen federführenden Kita-Bündnisses Nordpfälzer Glückskinder, in der Sitzung des zuständigen VG-Sozialausschusses. Generell „sind wir als kommunaler Träger in der gesamten Verbandsgemeinde an der Kapazitätsgrenze angelangt“, ergänzte Michael Cullmann, Bürgermeister der VG Nordpfälzer Land. Was ja grundsätzlich erfreulich sei, so wiederum Manz-Knoll. „Es ist schön, dass heute so viele junge Familien aufs Land ziehen und sich bei uns wohl fühlen.“ Für Dielkirchen bedeutet dies Stand jetzt, dass bis 2024 die Belegzahlen nicht rückläufig sind.
Ist also die hohe Nachfrage der Grund für die Erweiterungspläne?
Jein. Sie ist ein Grund dafür, aber nicht der einzige. Zumal die Kita früher einmal mit drei, nun aber schon seit Jahren nur noch mit zwei Gruppen betrieben wird und „wir deshalb trotz der stetigen Zunahme an U2- und Ganztagskindern lange Zeit mehr Planungs- und Variationsmöglichkeiten in dem Gebäude hatten“, sagte Manz-Knoll. Dieses sei jedoch inzwischen „sichtlich in die Jahre“ gekommen, bereits 2019 habe man im Sanitärbereich dringenden Sanierungsbedarf festgestellt. Spätestens mit Blick auf das vor zwei Jahren eingeführte Neue-Kita-Gesetz sei klar gewesen, „dass wir in Dielkirchen etwas tun müssen“, so Cullmann. Dies sei auch eine Frage der Gerechtigkeit: Als 2017 der Zusammenschluss der – damals fünf, heute sieben – Kitas in Trägerschaft der Verbandsgemeinde erfolgte, „da haben wir uns gleiche Standards für alle zum Ziel gesetzt“.
Was konkret sind die Probleme?
Die sanitären Anlagen sind veraltet, die Trennwände zwischen den Toiletten marode. Kleinkinder werden in der Mitte des Raumes ohne jegliche Privatsphäre gewickelt. „Der Schlafraum grenzt direkt an die Küche. Während dort am Mittag gearbeitet wird, sollen die Kleinen nebenan ruhen“, berichtet Manz-Knoll. Auch gebe es keinen separaten Speiseraum – für die über 30 „Essenskinder“ muss täglich ein Gruppenraum umfunktioniert und anschließend wieder gereinigt werden. „Ferner haben die Mitarbeitenden keinen eigenen Sozialraum, nutzen das Büro der Leitung für Vor- und Nachbereitung“, so Manz-Knoll. Zu kleine Gruppenräume, fehlende Jalousien und Lüftungsmöglichkeiten, ein langer, dunkler Flur – nur einige weitere Beispiele der langen Mängelliste. Notwendig ist laut der Gesamtleitung „ein umfassendes Raumkonzept, das den Bedürfnissen von Kindern und Beschäftigten Rechnung trägt. Das Kita-Team versucht mit hohem persönlichen Einsatz, die Defizite zu kompensieren. Doch nur mit einer baulichen Erweiterung können die Arbeitsprozesse weiter auf einem hohen Niveau gehalten werden.“
Wie sehen die Pläne aus?
Im Bestand sollen die Toilettenanlage erneuert und ausgebaut, eine Lüftungsanlage installiert sowie weitere kleine Umbau- und Sanierungsarbeiten vorgenommen werden. Ferner hat eine Untersuchung auf Grundlage der aktuellen Anforderungen des Landesjugendamts ergeben, dass zwischen 150 und 160 Quadratmeter an Flächen fehlen. „Im Gegensatz zu anderen Standorten haben wir in Dielkirchen diesbezüglich kein Problem. Wir haben genügend Platz drumherum, auf dem wir etwas tun können“, sagte Cullmann. Konkret soll an der Nordseite des Gebäudes ein Anbau entstehen, um die Raumnot der Kita zu beheben.
Mit welchen Kosten ist zu rechnen?
„Für die Maßnahme sind 700.000 Euro im Haushalt eingestellt“, sagte Cullmann. Nach dieser groben Kalkulation entfallen 640.000 bis 680.000 Euro auf den Erweiterungsbau, 120.000 Euro auf die Renovierung des Altgebäudes. VG-Bauamtsleiter Michael Groß betonte allerdings auf Nachfrage von Dennis Kolter (Bündnis 90/Die Grünen), dass diese Schätzung auf Angaben von Februar – und somit noch vor Ausbruch des Ukraine-Kriegs – beruhten. Seitherige sowie potenzielle künftige Kostensteigerungen seien also in dieser Summe ebenso nicht enthalten wie gleichfalls mögliche künftige Preisnachlässe. Und Groß wies darauf hin, dass „belastbare Kosten erst dann vorliegen, wenn eine detaillierte Entwurfsplanung erstellt worden ist“. Die Prognose von Gernot Pietzsch (Freie Liste), dass „man auf alles getrost nochmal 30 Prozent draufpacken kann“, wollte der Bauamtsleiter zum jetzigen Zeitpunkt so nicht teilen.
Wie ist das weitere Vorgehen?
Als Nächstes werden die vorgesehenen Maßnahmen konkretisiert und danach die Planungsleistungen ausgeschrieben. Nach deren Fertigstellung wird der Bauantrag gestellt, nach dessen Genehmigung folgen die Ausschreibungen. Die Verwaltung rechnet aus heutiger Sicht mit einer Bauzeit von mindestens zwei Jahren.
Und wenn es zu deutlichen Verzögerungen kommt: Kann diese Zeit dann überbrückt und allen Eltern ein Kita-Platz garantiert werden?
Diese Frage hat Pia Linn (SPD) in der Sitzung gestellt. „Natürlich müssen wir mit Verzögerungen rechnen, gehen aber nicht von drei oder sogar vier Jahren Bauzeit aus“, sagte Manz-Knoll. Zur Abweisung von Kindern werde es aber selbst bei diesem Szenario höchstwahrscheinlich nicht kommen. Zum einen „haben wir dank unseres Bündnisses die Möglichkeit, dass ein Standort dem anderen eine Zeitlang aushilft“. Zum anderen könne das Landesjugendamt die Anzahl der Plätze in der Betriebserlaubnis im Einzelfall vorübergehend anheben. Manz-Knoll: „Das wird vor allem dann gewährt, wenn schon eine Baumaßnahme im Gange ist.“