Donnersbergkreis „Rüdiger ist ein Blechkünstler“
ROCKENHAUSEN. Ein echter Blechkünstler: Diese hohe Anerkennung ist immer wieder in Fachkreisen zu vernehmen, wenn es um historische Fahrzeuge geht. Gemeint ist Rüdiger Wolf aus Rockenhausen, der ein Autohaus besitzt.
Elf historische Autos – teils als Rohkarosse, teils kurz vor der Auslieferung – stehen derzeit in seiner Werkstatt im Gewerbegebiet „Kreuzwiesen“. Erst seit wenigen Tagen zählt ein Wagen dazu, den nur der Fachmann als Opel Kadett erkennt. „Der erste Schritt ist getan, er ist vom Laugenbad zurück“, erklärt Wolf. „Dabei wurde das Blech entlackt, also blank gemacht. Bis sich das Fahrzeug in seinem ursprünglichen Zustand befindet, wird es noch ein Jahr dauern.“ In dieser Zeit werden die schadhaften Bleche ausgetauscht, Verformungen wieder begradigt und die Teile originalgetreu lackiert. Nach jedem Arbeitsvorgang ist eine Pause notwendig. Schließlich soll sich das Material erholen. Zu den Hauptbeschäftigungen des Kfz-Meisters und seiner Mitarbeiter zählt das Schweißen. Hier ist Fingerfertigkeit gefragt. Nicht alle Teile sind noch auf dem Markt erhältlich. In solchen Fällen geht es an die Richtbank, wo Wolf aus einem einfachen Blech ein Teil formt, das zur restlichen Karosserie passt. „Der Kundenwunsch wird erfüllt“, so der 60-Jährige. Von denen gibt es einige. Nicht nur Motorsportler und Autosammler, auch ganz einfache Autoliebhaber, die sich ein historisches Fahrzeug als Hobby gönnen, kommen in Wolfs Werkstatt. Auch Georg Berlandy, Deutscher Rallye-Meister des Jahres 2013, ist an diesem Tag bei Wolf zu Gast. Obwohl er selbst im Hunsrück eine Autowerkstatt betreibt, hat er die Dienste des Rockenhauseners schon in Anspruch genommen. Sein Wettbewerbsfahrzeug, ein Opel Ascona, wurde nach der letzten Verformung in Rekordzeit in der Nordpfalz wieder gerichtet. „Was hier geleistet wird, ist phänomenal und unbeschreiblich“, sagt Berlandy. Rüdiger Wolf kennt die Motorsportszene selbst. Seit Jahren fährt er Rallyes, auch im Ausland. „Ich habe in Europa schon etliche Spoiler verloren“, erinnert er sich. Im Sport fährt er einen Porsche 911 – natürlich im eigenen Haus aufgebaut. Das 1956 gegründete Familienunternehmen hat in der Branche einen außergewöhnlichen Ruf. „Es gibt viele Instandsetzungsbetriebe in Deutschland, aber er ist der Beste“, lobt Wolfgang Inhester. Der Deutsche Rallye-Meister von 1980 als Beifahrer von Achim Warmbold und zeitweise Pressesprecher zweier großer deutscher Fahrzeugkonzerne muss es wissen. „Rüdiger Wolf ist sich für nichts zu schade.“ Den Karosseriebau beherrsche der Nordpfälzer perfekt. „Nirgends in einer Werkstatt in Deutschland stehen mehr Sportfahrzeuge als bei Wolf in Rockenhausen“, sagt Inhester. Die Bandbreite ist groß: Opel, Audi Mercedes, Porsche, BMW und Saab sind in Wolfs heiligen Hallen derzeit vertreten. Manchmal finden auch Exoten den Weg hierher. Da sind die „Wüstenautos“, die nach einer Serie oftmals als Schrott ankommen und nach der Restaurierung für weitere Motorsport-Einsätze wieder ausgeliefert werden. „Das ist schon eine Herausforderung“, sagt Wolf. Seine Augen leuchten, als er von Intermeccanica Italia berichtet, einem handgemachten Sportwagen mit einem V 8-Motor. 500 Stück gab es weltweit – einen davon hat Wolf von Grund auf restauriert. „Es sind Geschichten, die hier stehen“, sagt Wolfgang Inhester. Das gilt auch für ein in diesen Tagen fertig gewordenes ganz besonderes Rallyeauto: der Opel Ascona 1,9 SR, gefahren international vom Team Walter Röhrl/Jochen Berger. Mit diesem Fahrzeug gewann das Team 1975 die internationale Acropolis-Rallye. Anschließend blieb der Wagen in Griechenland zu weiteren Einsätzen. Die letzten elf Jahre war er in einer Tiefgarage in Athen eingelagert. In einem monatelangen Arbeitsprozess hat Wolf den Ascona wieder in seinen ursprünglichen Zustand versetzt, samt Originallackierung. Es sei der einzig bekannte noch vorhandene Opel Ascona 1,9 SR, freut sich Wolf. Drei Mitarbeiter zählt Wolfs Team, „die alle hoch qualifiziert sind“, so der Kfz-Meister, der auch immer wieder auf das Fachwissen seiner beiden „Rentner“ Claus und Helmut zurückgreifen kann, die ihm bei seiner oft kniffligen Arbeit beiseite stehen. Die Zeit drängt, denn im Frühjahr zum Beginn der Rundstreckensaison soll ein Opel Manta 400 fertig sein. Selten bei Rundstreckenrennen, aber nicht ganz unüblich in der Youngtimerszene. Jörg Zeyher aus Weinstadt bei Stuttgart wartet fieberhaft auf seine Auslieferung. „Damit geht für mich ein Jugendtraum in Erfüllung“, schwärmt der Prokurist, der bereits einen fertigen Opel Manta I 200 besitzt. „Ich will richtig auf Bestzeit gehen und vorne mitmischen“, sagt der Schwabe. Auf Wolf sei er in Motorsportkreisen aufmerksam gemacht worden. „Es war ein guter Tipp.“ |llw