Donnersbergkreis „Profi werden ist schon ein Ziel“

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WINNWEILER. Annika Lutz besucht die zwölfte Klasse des Gymnasiums in Winnweiler. In ihren Leistungskursen Englisch, Erdkunde und Biologie schreibt sie, wie jeder andere ihrer Mitschüler, gerade Kursarbeiten. Doch die 17-Jährige hat für unsere Breitengrade ein außergewöhnliches Hobby. Sie betreibt leidenschaftlich Biathlon und durfte dieses Jahr sogar mit zur Sommerweltmeisterschaft nach Estland fahren.

Sobald das Wintersportprogramm im Fernsehen lief, war die vierjährige Annika vom Bildschirm nicht mehr wegzubekommen. Höchstens mal, um ihre Ausrüstung zu holen. Da wurden nämlich mal schnell die Inliner angezogen und die Walkingstöcke der Mutter geklaut. Dann flitzte sie durchs Wohnzimmer. Man kann also durchaus sagen, die Biathlon-Begeisterung besitzt Annika Lutz schon von Kindesbeinen an. So richtig angefangen hat sie mit der Sportart aber erst im Alter von zwölf Jahren. Über das Internet hatte sie in Steinwenden, in der Nähe von Ramstein, eine Anlaufstelle für Cross-Sommerbiathlon gefunden. Hier gab es zwei Varianten. Die „Normale“ findet auf Rollskiern statt, bei der Cross-Variante wird die Laufstrecke dagegen gerannt. Aber geschossen wird immer. Beim Verein in Steinwenden wurde Annika direkt ins kalte Wasser geworfen und sofort in ihren ersten Wettkampf geschickt. Dort hielt sie zum ersten Mal eine Waffe in den Händen – und verschoss prompt alle zehn Patronen. Den Spaß an der Sache ließ sie sich dadurch jedoch nicht nehmen, und schon bald ging es sportlich nach oben. Ziel war natürlich schon immer, den Sprung zum Winterbiathlon zu schaffen. Die Grundlage dafür wurde schon früh geschaffen, denn Annika und ihre Familie nutzten die Winter- und Fastnachtsferien zum Skifahren im Schwarzwald. Mit 13 Jahren wurde sie zum „Deutschland-Cup“, einem nationalen Wettkampf, in Oberhof eingeladen. Dort besuchte sie auch die Schnuppertage in der ansässigen Sportschule. „Das Ambiente hat mir schon gut gefallen, aber soweit von zu Hause weg wollte ich dann doch nicht bleiben.“ Deswegen suchte sie sich mit 15 einen Verein im Schwarzwald, um dort richtig Winterbiathlon zu trainieren. Doch die drei Stunden Fahrt nach Schönwald erlaubten keine beständige Trainingsteilnahme, und so wurde sie nach einiger Zeit auch nicht mehr zu Wettkämpfen mitgenommen. Doch Annika ließ sich davon nicht entmutigen. Jetzt trainiert sie zweimal die Woche im Saarland, beim Biathlonverein von Lebach. „Hier bin ich total zufrieden, und das ist auch vom Fahren her viel besser. Auch wenn ich als Pfälzerin natürlich die ein oder andere Spitze abbekomme“, erzählt sie lachend. Die anderen acht bis neun Trainingseinheiten, die sie leisten muss, absolviert sie zu Hause. Dann wird Fahrrad gefahren, gejoggt oder auch geschwommen, dazu kommt Krafttraining. Ob sie nach dem Abitur „richtige“ Biathletin werden will? „Profi werden ist schon ein Ziel, aber es gibt noch viele andere, die das machen wollen“, bleibt die 17-Jährige bescheiden. Schon mit ihren jungen Jahren weiß sie die Biathlon-Szene recht gut einzuschätzen. Sommerbiathlon und seine Cross-Variante würden vor allem die Breite ansprechen und seien auch gut in Orten zu praktizieren, die keine Wintersportgebiete in der Nähe haben. Biathlon im Winter sei jedoch schon sehr speziell: „Entweder du bist an der Spitze, oder du wirst fallengelassen.“ Schwierig sei auch, dass viele Teams und junge Biathleten nicht gesponsert werden. Ausrüstung wie Skianzüge, Stöcke, die Waffe, aber auch Anfahrt und Unterkunft müssten meist selbst finanziert werden. „Aber es lohnt sich. Machen wir gerne“, sagt sie. Zum Glück steht Annikas Familie voll hinter ihr. Ihre Mutter hat übrigens selbst Cross-Sommerbiathlon betrieben. Ihre Eltern unterstützen Annika in allen Belangen. So waren sie auch bei der Sommerbiathlon-Weltmeisterschaft in Estland mit dabei. „Das war ein absoluter Höhepunkt für mich“, schwärmt Annika. Mit ihren 17 Jahren war sie eigentlich noch zu jung, durfte aber trotzdem in der Juniorenklasse, die von 18 bis 21 Jahren geht, antreten. Am Ende erkämpfte sie sich Platz 37 von 50 startenden Junioren. „Damit hätte ich gar nicht gerechnet. Ich habe gedacht, ich lande ganz hinten“, sagt sie. Ein besonderes Erlebnis war auch, dass Annika bei der Eröffnungsfeier die deutsche Fahne tragen durfte: „Das ist echt schön gewesen. Zu jeder Nation wurde ein landestypisches Lied gespielt, bei uns kam dann ein Song von Rammstein, das war lustig.“ Auch Stars wie Kaisa Mäkäräinen konnte sie hautnah erleben. Vom Sportlichen nimmt sie vor allem mit, wo die Weltspitze in ihrem Alter liegt, da will sie ja irgendwann mal hin. Für diese Saison, die schon begonnen hat, wünscht sich Annika vor allem gute Wettkämpfe und gutes Training. Der Spaß soll im Vordergrund stehen. Wie es nach dem Abitur weitergehen soll, weiß sie noch nicht genau. Studieren will sie auf jeden Fall.

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