Donnersbergkreis
Pläne für die Kreismusikschule: Mehr Schüler, mehr Präsenz
Seit 31 Jahren gibt es die Kreismusikschule Donnersberg. Damit ist sie genauso alt wie ihr neuer Leiter, Benjamin Reiter. Der hat einiges vor, um die Einrichtung wieder voranzubringen und ihr ein neues Gesicht zu geben.
Mit gerade mal 31 Jahren ist er der jüngste Leiter, der je an die Spitze der Kreismusikschule getreten ist. Benjamin Reiter bringt auch den Blick seiner Generation mit auf die neuralgischen Punkte, an denen die Einrichtung einer Kurskorrektur bedarf. Mehr Öffentlichkeitsarbeit, mehr Präsenz – gerade im Internet –, Angebote zu Rock und Pop, mehr Schülerkonzerte: Das sind einige Stichworte und Stellschrauben, an denen der neue KMS-Chef Hand anlegen möchte. Seit etwa sechs Wochen ist der Nachfolger von Jolanthe Seidel-Zimmermann im Amt.
Der 31-Jährige ist ein lebhafter, kommunikativer Mensch und fühlbar von der Musik beseelt, in deren Dienst er sich sieht. „Musik ist toll und hat einfach jedem Menschen etwas zu sagen“, sieht er in der Musik eine universelle Sprache. Er selbst repräsentiert auch deren Vielfalt: „Ich bin Pianist, das ist mein Hauptstandbein. Wer meine Konzerte hört, glaubt aber meist nicht, dass ich auch Gitarrist und Sänger in einer Rockband bin“, schmunzelt er und erzählt von seiner Metal- und Prog-Rock-Formation „Awaiting Dawn“, für die er nicht nur auf der Bühne steht, sondern auch die Songs schreibt. Klassik und Rock sind für ihn keineswegs getrennte Welten, sondern teilen viele Schnittmengen. „In beidem steckt die gleiche Energie.“
Am 12. Oktober Auftritt im „Blauen Haus“
Reiter, der aus Bacharach stammt und heute in Rheinhessen lebt, kam, wie er erzählt, erst relativ spät dazu, Klavierunterricht zu nehmen. „Ich war fast 14.“ Das konsequent und ernsthaft anzugehen, dauerte auch noch etwas. Dass ihn die – vor allem von der Musik Chopins – mal entzündete Begeisterung dann auch zum Klavierstudium hinführen konnte, habe er vor allem seiner ukrainischen Lehrerin Tamara Schmedro zu verdanken, vermerkt er anerkennend. Zum Zweitinstrument wurde die klassische Gitarre, mit der er aber erst auf dem Weg über die E-Gitarre und die Pop-Musik dieser Zeit in Berührung kam.
Im Studium hat Benjamin Reiter drei Abschlüsse erworben. Nach dem Musik-Studium für das Lehramt am Gymnasium erwarb er sein Diplom als Instrumentalpädagoge mit Hauptfach Klavier und Nebenfach Gitarre. Angeschlossen hat er daran in den USA an der University of Florida School of Music ein Masterstudium als Konzertpianist. Seither konzertiert er vornehmlich in seiner Heimatregion – als Solist wie in einigen kammermusikalischen Formationen, darunter auch in der seltenen Besetzung Klavier und Gitarre. Das Examensprogramm, das er in Florida gespielt hat, will er dem Donnersberger Publikum nicht vorenthalten: Wer den neuen Kreismusikschul-Chef als Musiker kennenlernen will, hat dazu am 12. Oktober Gelegenheit im Blauen Haus auf dem Weierhof. Stücke von Brahms, Debussy und Aram Khatchaturian, den Reiter nicht nur wegen seines berühmten „Säbeltanzes“ besonders schätzt, werden zu hören sein.
Sinkenden Schülerzahlen entgegenwirken
Doch zurück zur Kreismusikschule, in der es für den Leiter nicht nur um Musik, sondern in großem Umfang um Organisation und Planung geht. Handlungsbedarf sieht Benjamin Reiter an vielen Stellen. Stetig sinkenden Schülerzahlen – aktuell seien es noch 650, zu Werner Werums Zeiten waren es mitunter 1800 – will er insbesondere mit intensivierter Öffentlichkeitsarbeit entgegentreten. Sein Ziel sei schon, wieder auf eine vierstellige Schülerzahl zu kommen. Eine Homepage sei bereits in Arbeit, Materialien wie Flyer und Plakate sollen aufgelegt, die sozialen Netzwerke genutzt werden. Dass die KMS bislang keine Unterrichtsangebote im Bereich Rock und Pop habe, auch beim Jazz, sieht er als großes Manko, dem er abhelfen will. Insgesamt sei es ihm wichtig, dass die Kreismusikschule in der Öffentlichkeit stärker wahrgenommen wird. „Im Moment bin ich am Hin- und Herfahren in den Verbandsgemeinden, um zu schauen, wo sich die Kreismusikschule bei Veranstaltungen beteiligen kann“, sagt er und streicht heraus: „Die Kreismusikschule sollte Ansprechpartner sein, wenn Bedarf besteht an musikalischen Ergänzungen.“ Im Kontakt steht er auch mit weiteren Kulturveranstaltern wie etwa Lydia Thorn Wickert, die Interesse gezeigt habe, die KMS etwa bei anstehenden Vernissagen einzubinden.
Ebenso hat Reiter deutlich mehr Schülerkonzerte auf seiner Agenda. Das sei nicht allein ein Aspekt der Präsenz in der Öffentlichkeit. Dabei gehe es ihm darum, dem Musiklernen über den individuellen Ertrag hinaus Ziele zu geben und Bewährungsmöglichkeiten für die Schüler. „Das ist ein unglaublicher Beitrag zur Persönlichkeitsbildung“, betont Reiter. Auch Lehrerkonzerte wünscht er sich, nicht zuletzt als weiteres Motivationselement für die Schüler. Bei der Nacht der Kultur im Vorfeld des Residenzfestes wird sich die KMS schon mehr einbringen, deren traditioneller Auftaktbeitrag mit Malen nach Musik am Mozartbrunnen soll sich in aufgewerteter Form präsentieren, auch in die Eröffnung wird die KMS eingebunden.
Schwierige Beschäftigungsverhältnisse
Unter den zur Zeit 48 Lehrern, die den Musikunterricht kreisweit stemmen, hätte Reiter gerne mehr Kommunikation – keine leichte Aufgabe in Anbetracht der weit verstreuten Einsatzorte und -zeiten und der Beschäftigung auf Honorarbasis. Diese Struktur sei für viele Musiklehrer durchaus prekär, er wisse, dass reine Instrumentallehrer auf Honorarbasis häufig nur auf ein jährliches Durchschnittseinkommen von etwa 12.000 Euro kommen, gibt Reiter zu bedenken. Insofern wäre ihm eher an vermehrt festen Beschäftigungsverhältnissen gelegen, ein perspektivisches Ziel freilich, zu dem er – zumal so kurz nach seiner Amtsübernahme – noch nichts Konkretes sagen könne. Immerhin habe er festgestellt, dass hier seit Anpassung der Tarife zumindest etwas bessere Honorare gezahlt würden als an mancher anderen Musikschule, zugleich auch der Musikunterricht bezahlbar sei und deutlich günstiger als etwa im städtischen Bereich – was natürlich eher Schüler und Eltern freut.
Benjamin Reiter, der auch gern einige neue, junge Leute für die KMS-Arbeit gewinnen möchte, wird auch selbst unterrichten und nimmt Schüler im Fach Klavier auf.