Nachgehakt Photovoltaikanlagen: Leser beklagen lange Wartezeiten für Freigabe

Eine Anlage auf dem Dach, aber niemand, der sie freischaltet. Das monieren einige Leser.
Eine Anlage auf dem Dach, aber niemand, der sie freischaltet. Das monieren einige Leser.

Facebook-User reagieren auf Bericht in der Donnersberger Rundschau vom 22. Oktober – Nachfrage laut Energieunternehmen enorm gestiegen

„Wir können das nicht nachvollziehen. Gerade in den Zeiten der Nachhaltigkeit wollten wir unser Kapital in erneuerbare Energien investieren. Seit 19. Juli aber liegt dieses Kapital ungenutzt auf unserem Dach.“ Stefanie Theobald aus Rockenhausen reagierte mit diesem Facebook-Kommentar auf den Artikel „Eigener Strom aus der Steckdose“ in der Donnersberger Rundschau vom 22. Oktober. Darin schildert eine Familie aus Kirchheimbolanden, wie sie ihren Strom selbst produziert und sogar einen Teil an die EWR verkauft. Und wie reibungslos die Installation dieser Anlagen vonstatten ging.

Einige Leser, die völlig andere Erfahrungen gemacht haben, machten daraufhin in der Kommentarspalte der RHEINPFALZ auf Facebook ihrem Unmut über die Pfalzwerke Luft. Die übereinstimmende Erfahrung: Es dauert viel zu lange, bis Photovoltaikanlagen-Anlagen ans Netz angeschlossen und damit für die Endverbraucher nutzbar sind.

Nachfrage fast verdoppelt

Seit 14 Wochen warte sie schon, schildert Stefanie Theobald. Eine Begründung für diese lange Wartezeit habe man ihr nicht gegeben. „Auch unser Photovoltaikanbieter hat die Informationen erhalten, dass die Pfalzwerke momentan 15 Wochen benötigen, um einen Zählerwechsel vornehmen zu können. Das ist beschämend“, so die Leserin gegenüber der RHEINPFALZ.

Tatsächlich, bestätigt das Energieunternehmen auf Nachfrage, dauert die Freigabe derzeit mehrere Wochen. Das liege an dem aktuell äußerst hohen Aufkommen an Anträgen, die infolge der Strompreissteigerungen am weltweiten Energiemarkt – hervorgerufen durch den Ukraine-Konflikt und die drohende Gasmangellage – entstanden sei. „Das Volumen hat sich gegenüber dem vergangenen Jahr fast verdoppelt“, so ein Sprecher der Pfalzwerke. Bei Wechselrichtern und Speichern müsse mit Wartezeiten bis zu fast einem Jahr gerechnet werden.

„Wir wären schon autark“

Für den Facebook-Kommentator „Dawo“ ist das allerdings kein Trost. „Wir wären heute schon inklusive Wärmepumpe zu 80 Prozent autark“, schildert er. Er warte mittlerweile seit 19 Wochen auf eine Netzfreigabe der Pfalzwerke. „Beschämend, was unser Versorger mit denen macht, die sich von ihnen mittels regenerativer Energie lösen möchten“, kommentiert der Münchweilerer diesen Sachverhalt.

Als Begründung für die lange Wartezeit erhielt auch er die Antwort: „Wir bearbeiten die Anträge je nach Eingang“.

Trotz ähnlicher Erfahrungen bereut Facebook-User „Kris Tan“ die Entscheidung für eine Anlage nicht, die mittlerweile auch angeschlossen ist. „Ich konnte meinen Netzbezug im ersten Jahr um 70 Prozent ohne E-Auto reduzieren“, schildert er. Finanziell habe sich die Anlage bereits früh gelohnt. Als „frech“ empfinde er allerdings die Tatsache, dass er seinen selbst produzierten 100-prozentigen Ökostrom so günstig verkaufen muss, während er ihn bei Bedarf für das 4,5-fache beziehen muss.

Verträglichkeitsprüfung muss sein

Jede Anlage wird nach Auskunft der Pfalzwerke einer Netzverträglichkeitsberechnung unterzogen. Dabei, so der Sprecher der Pfalzwerke, muss überprüft werden, ob die Anlage „zu Verletzungen des Spannungsbandes“ führen könnte. Die Folge wäre dann, dass diese sowie weitere Anlagen sich vom Netz trennen und keine Energie mehr einspeisen würden. „Das liegt sicherlich nicht im Sinne des Kunden“, so der Sprecher. Netzverträglichkeitsprüfungen seien für alle Anlagen, unabhängig der installierten Leistung, durchzuführen. Es könne auch bereits durch kleinere Anlagen zu Spannungsbandanhebungen in den Netzen kommen, das wolle man auch aus Rücksicht auf die angeschlossenen Kunden vermeiden.

„Das Versorgungsgebiet der EWR weist eine völlig andere Struktur auf als unseres“, rechtfertigt der Pfalzwerke-Sprecher diesen Umstand. Daher sei ein Vergleich schwierig. Als regionaler Verteilnetzbetreiber mit teilweise kleinen und ländlich geprägten Ortschaften müsse man bei den Pfalzwerken stärker auf die Netzverträglichkeit der Anlagen achten als die Mitbewerber.

Was zu tun ist, wenn man eine Anlage anmelden möchte, haben die Pfalzwerke zusammengefasst unter: https://www.pfalzwerke-netz.de/einspeiser-werden

EWR: Nachfrage hat sich vervierfacht

„Die Energiewende funktioniert nur, wenn alle mitziehen. Und das ist dann jeder private Erzeuger, jeder Landwirt mit seiner Photovoltaikanlage und jeder, der eine Fläche für die Windkraft freimacht.“ Mit diesen Worten reagiert Unternehmenssprecherin Natalie Popple von der EWR Netz GmbH auf eine Anfrage der RHEINPFALZ. Man sei daher erfreut darüber, dass man eine erhöhte Nachfrage nach Photovoltaikanlagen verzeichne – im Vergleich zum Vorjahr handelt es sich etwa um eine Vervierfachung. Dass ein beschleunigter Ausbau von regenerativen Energiequellen notwendig sei, habe auch der Krieg in der Ukraine klar vor Augen geführt.

Mehrere Schritte notwendig

Der Prozess der Errichtung einer Photovoltaikanlage ist in mehrere Schritte unterteilt, führt die Sprecherin aus. „Zuerst muss gemeinsam mit einem Installateur vor Ort überprüft werden, ob die Voraussetzungen für die Errichtung einer PV-Anlage erfüllt sind, um dann ein Anfrageformular an den Netzbetreiber, die EWR Netz GmbH, zu senden.“ Der Kunde erhalte dann schnellstmöglich eine Rückmeldung zur Netzverträglichkeitsprüfung. Die gesetzliche Frist für die Netzverträglichkeitsprüfung liege bei acht Wochen ab dem Zeitpunkt, zu dem alle notwendigen Dokumente vorliegen. Die EWR bearbeite die Anfragen in der Regel innerhalb von zwei Wochen. Die Anmeldung der Anlagen erfolge dann im nächsten Schritt über die Elektroinstallateure. „EWR ist dann wieder zuständig für den Zählertausch und die Abnahme der Anschlusseinrichtung“, so die weiteren Ausführungen. Aufgrund der erhöhten Anfragen dauere dieser Prozessschritt aktuell etwa sechs bis sieben Wochen. Die finale Anlagenerfassung im Abrechnungssystem und damit einhergehende Abschlagszahlungen für die Kunden würden etwa ein bis drei Wochen dauern. Dabei könne es allerdings zu deutlich längeren Prozesslaufzeiten kommen, wenn Informationen fehlten oder nicht richtig seien. Das Unternehmen arbeite derzeit an der Automatisierung von Prozessen.

Der Ablauf für die Errichtung einer Photovoltaikanlage ist ausführlich auf der Webseite der EWR erklärt:

www.ewr-netz.de/kunden/privatkunden/schritt-fuer-schritt.

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