Sparen mit der Rheinpfalz
Familie aus Kibo produziert Großteil ihres Stroms selbst
Seit gut einem Jahr hat die Familie Worf eine Solaranlage auf dem Dach, mit der sie Strom produziert. Seit Mai hat sie damit 7000 Kilowattstunden Strom erzeugt, von denen die Hälfte im Haushalt benutzt wurde. Alles was darüber hinaus produziert wird und nicht in den Speicher passt, wird in das Netz von der EWR eingespeist und entsprechend vergütet. Das Ergebnis: Die Familie Worf geht davon aus, dass sie dieses Jahr nur einen geringen dreistelligen Betrag für Strom zahlen muss.
Stein des Anstoßes war vor zwei Jahren die Suche nach einem neuen Zweitwagen, das ein Elektrowagen werden sollte. Das E-Auto bekam die Familie Worf Ende 2020, Anfang 2021 nutzte sie dann die Fördermöglichkeit für eine Wall-Box, eine Wandladestation speziell für Elektrofahrzeuge. „Unsere nächste Überlegung war dann, wie wir beim Strom Geld sparen können“, erzählt Sohn Jan Worf, der sich diesem Thema federführend in der Familie widmet. Er wurde dann auf einen der Klima-Talks, die das Klimaschutzmanagement des Donnersbergkreises regelmäßig anbietet, aufmerksam.
Einfache Steuerung per App
In der Online-Konferenz wurde von Klaus-Dieter Jacubasch das Solarkataster vorgestellt: Eine Website vom Land Rheinland-Pfalz mit der sich prüfen lässt, welche Solaranlage für das eigene Haus sinnvoll ist und was es dabei für verschiedene Möglichkeiten gibt. „Damit haben wir uns dann ausführlich beschäftigt“, berichtet Jan Worf. Nach längerem Hin und Her entschieden sich die Worfs für eine Solaranlage auf beiden Seiten des Dachs mit Speicher plus einem Energiemanagementsystem.
Dieses System hat den Vorteil, dass die Familie entscheiden kann, was mit dem Strom passiert: Beispiel Elektroauto. Barbara Worf arbeitet in Kirchheimbolanden, hat also nur einen sehr kurzen Arbeitsweg. Deswegen ist die normale Einstellung, dass das Auto nur dann geladen wird, wenn genug Sonne scheint und mehr Strom produziert, als gerade im Haus benötigt wird. Will sie am Abend eine längere Strecke fahren, reicht ein kleiner Befehl in der App und das Auto wird geladen, egal woher der Strom kommt.
Händler und Handwerker aus der Region
Bei der Solaranlage der Familie Worf handelt es sich um eine Neun-Kilowatt-Peak-Anlage mit einem Speicher von 7,7 Kilowattstunden. Ein Teil der Anlage ist auf der Südseite angebracht (dort gibt es allerdings auch ein Dachfenster und Warmwasserkollektoren), der größere sogar auf der Nordseite. „Da haben wir lange drüber diskutiert“, erinnert sich Jan Worf, „weil die Nordseite keinen allzu guten Ruf hat.“ Tatsächlich sei die Lösung auf ihrem Haus jetzt aber optimal. Am Abend landet auch auf der Nordseite noch genug Sonne und da die Familienmitglieder zu dieser Zeit meistens zuhause sind, brauchen sie da auch den meisten Strom. An bedeckten Tagen kann es sogar mal vorkommen, dass über die Nordseite mehr Strom produziert wird, als über die Südseite.
Um die Anlage in Betrieb zu nehmen, hat die Familie Worf überwiegend auf regionale Händler und Handwerker gesetzt: die Wall-Box kam aus Oberwiesen, das Energiemanagement aus Göllheim, die Solaranlage aus Otterberg, die Elektroinstallation aus Albisheim und der Energieberater aus Bolanden. „Da haben die Zahnräder perfekt ineinandergegriffen“, freut sich Jan Worf.
Alltag angepasst
Die energiesparenden Umstellungen sind im Hause Worf übrigens noch lange nicht beendet. An das Energiemanagementsystem lassen sich auch noch andere Geräte anstellen, was die Familie Worf langfristig im Blick hat. Zum Beispiel kann die Spülmaschine auf Standby gestellt werden und dann laufen, wenn genug Strom da ist. Oder die Waschmaschine. Beim Waschen hat Barbara Worf ihren Alltag sowieso schon angepasst. Normalerweise hat sie abends Wäsche gewaschen. Nun bereitet sie morgens die Maschine vor und lässt das Programm dann erst einige Stunden später starten, wenn zur Mittagszeit viel Sonne und damit Strom da ist.
„Das Schöne ist, dass sich das System auch immer mehr erweitern lässt und uns neue Möglichkeiten bietet“, erklärt Jan Worf. Sein Vater Markus ergänzt: „Die Rollladen wollen wir künftig darüber steuern, von unterwegs checken können, ob wir aus Versehen ein Gerät angelassen haben. Das soll schon noch mehr in Richtung Smarthome gehen.“ Auch die Heizung könne eventuell irgendwann so gesteuert werden. Markus Worf hält fest: „Wir achten jetzt viel mehr auf unseren Stromverbrauch und gehen bewusster damit um, berücksichtigen in unserem Tagesablauf, wie viel Strom gerade verfügbar ist.“