Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Peta erhebt schwere Anschuldigungen: Grausige Zustände im Hühnerstall

Die Hühner auf ihrer Auslauffläche, die alles andere als grün ist.
Die Hühner auf ihrer Auslauffläche, die alles andere als grün ist.

Anfang Mai erreichte eine Whistleblower-Meldung aus dem Donnersbergkreis die Tierschutzorganisation Peta. Deren Inhalt wird in sozialen Medien heiß diskutiert und sorgt für scharfe Kommentare. Es geht um die Zustände in einem Hühnerstall.

Am Fuß des Wingertsbergs erstreckt sich zwischen Wanderweg und Bundesstraße eine große Streuobstwiese. Wenn die Sonne scheint, der Himmel blau strahlt und das Gras in saftigem Grün einen schönen Kontrast bildet, macht das sofort Lust auf Natur. Auf dem Gelände stehen zwei Chicken-Trailer, zehn mal drei Meter große mobile Hühnerställe, die Platz für bis zu 330 Hühner bieten. Das klingt nach glücklichen Freilandhühnern, die entspannt ihre Eier legen. Aber ist tatsächlich alles so idyllisch?

Vor den mobilen Hühnerställen befindet sich eine kleine Auslauffläche, die nur noch wenige Grashalme zieren. Abgegrenzt ist sie durch einen Elektrozaun. In diesem sollen laut Tierrechtsorganisation Peta mehrere verwesende Hühnerleichen zwischen lebenden Hennen gelegen haben – dem Verwesungsgrad nach womöglich mehrere Wochen oder Monate. Hinzu kommen Anzeichen von Verhaltensstörungen bei den Hühnern wie gegenseitiges Federnrupfen. Im Internet kursierte Material, das tierunwürdige Zustände zeigt.

Peta: Hinweise auf schwere Vernachlässigung

Erkennen die Behörden in solchen oder vergleichbaren Fällen eine Ordnungswidrigkeit, droht ein Bußgeld von bis zu 25.000 Euro. Doch weder das Veterinäramt des Donnersbergkreises noch die Verbandsgemeinde Göllheim als Grundstückseigentümer oder der Ortsbürgermeister können die besorgniserregenden Beschreibungen bestätigen. Sie sind aber nun hellhörig geworden.

Peta allerdings sieht klare Hinweise für schwere Vernachlässigung. Die Fürsorgepflicht sehe vor, dass mindestens einmal pro Tag nach den Tieren geschaut werden muss, tote Tiere müssen umgehend aus dem Stall entfernt werden. Die Tierrechtsorganisation erstattete bei der Staatsanwaltschaft Strafanzeige gegen die Besitzer des Hofs. „Krankheiten, Verhaltensstörungen und der vorzeitige Tod werden einkalkuliert und auch von Behörden oftmals mit einem Schulterzucken hingenommen. Denn legales Leid gehört zum Alltag der Tierhaltung“, schreibt Peta in einer Pressemitteilung, die der RHEINPFALZ vorliegt.

Kreisverwaltung beruft sich auf Datenschutz

Das Veterinäramt der Kreisverwaltung bestätigt auf RHEINPFALZ-Anfrage die Vorschrift zur täglichen Kontrolle eines solchen mobilen Stalls und ergänzt, dass auch dokumentiert werden müsse, wie viele Tiere pro Tag verendet sind. Es weist allerdings auch darauf hin, dass es „trotz guter Haltungsbedingungen und guter Versorgung zu Verhaltensproblemen wie Federpicken und Kannibalismus kommen“ könne. Die Probleme würden durch unterschiedliche Faktoren ausgelöst und seien oft nur sehr schwierig in den Griff zu bekommen. Zum konkreten Fall macht die Behörde aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Angaben. Sie versichert jedoch, dass Betriebe kontrolliert würden, sollte das Veterinäramt Kenntnis davon erhalten, dass das Wohlergehen von Hühnern in Betrieben im Landkreis gefährdet sei oder Verhaltensstörungen erkennbar seien.

Der mobile Hühnerstall steht auf einer verpachteten Fläche der Verbandsgemeinde Göllheim. Laut Bürgermeister Steffen Antweiler hat es in der Vergangenheit keinerlei Bedenken oder Beschwerden von Bürgern bezüglich der Hühnerhaltung auf kommunalem Land gegeben. Die Nutzung für Tiere sei grundsätzlich nicht ausgeschlossen, über den Pachtvertrag hinaus seien keine gesonderten Vereinbarungen zur Tierhaltung getroffen worden.

Immer wieder Knochenbrüche bei Tieren

Also alles in bester Ordnung? Mitnichten, meinen die Tierschützer. Im Gespräch mit der RHEINPFALZ erläutert Lisa Kainz, Fachreferentin für Tiere in der Ernährungsindustrie bei Peta Deutschland, die Schattenseiten der kommerziellen Hühnerhaltung. Ihr seien zahlreiche Fälle von „vermeintlich besseren Haltungsformen beim Bauern von nebenan“ bekannt, bei denen es dennoch zu großem Leid für Tiere komme. „Man muss sich klarmachen, dass es sich bei den Legehennen um qualgezüchtete Hochleistungsmaschinen handelt, die pro Jahr 250 bis 300 Eier legen müssen“, sagt Kainz. Das Huhn sei damit überfordert, weil ihm eine hohe Leistung abverlangt werde – auf Kosten der Gesundheit. Dies sei ein wesentlicher Grund, warum Legehennen in Betrieben nicht älter als ein bis eineinhalb Jahre würden. Das Ur-Huhn lege zum Vergleich nur 20 bis 30 Eier pro Jahr. Insofern sei es traurige Realität, dass immer mal wieder Tiere sterben.

„Die Eierschalen haben einen hohen Calcium-Bedarf, und die Hühner können nicht immer so viel Calcium über die Nahrung aufnehmen, wie sie für die Eierschale benötigen. Dies führt zur Demineralisierung der Knochen und anschließend zu Knochenbrüchen im Brustbereich und beim Eierlegen, teilweise sogar mehrfach“, erläutert die Agrarwissenschaftlerin. Kainz berichtet von Studien, wonach bis zu 97 Prozent der Legehennen Knochenbrüche aufweisen – unabhängig von der Haltungsform.

Im Internet Beiträge über glückliche Hühner

Der Ortsbürgermeister beschäftigt sich ebenfalls mit dieser Angelegenheit und setzt sich für das Tierwohl ein. Der Ortsbürgermeister ist selbst Hobby-Hühnerhalter. Er schätzt die Aufklärungsarbeit von Peta, sieht die generell ablehnende Grundeinstellung der Tierschutzorganisation zur Tierhaltung allerdings kritisch: „Die Bevölkerung wird sich leider nicht auf 100 Prozent vegan umstellen lassen, weltweit betrachtet schon gar nicht.“ Zelt spricht sich für eine faire Kommunikation zwischen Tierhaltern und Verbrauchern aus.

Zumindest in diesem Fall scheint es diese aber nicht zu geben: In den sozialen Medien postet der Eierproduzent diverse Beiträge von glücklichen Hühnern, diese Einträge sind jedoch meist schon etwas älter. Das der RHEINPFALZ vorliegende Bild- und Videomaterial untermauert dagegen die Vorwürfe von Peta. Eine schriftliche Anfrage an den Betrieb zu den Vorwürfen bleibt zunächst unbeantwortet. Erst auf telefonische Nachfrage gibt es eine Stellungnahme. Diese lautet: kein Kommentar. Anfang dieser Woche nun waren aus einem der mobilen Hühnerställe sämtliche Tiere verschwunden.

Idylle: Laut Tierschutzorganisation Peta leiden in einer Anlage auf einer Streuobstwiese Hühner unter unwürdigen Bedingungen.
Idylle: Laut Tierschutzorganisation Peta leiden in einer Anlage auf einer Streuobstwiese Hühner unter unwürdigen Bedingungen.
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