Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Orbiser Kerwe: König auf Partnersuche und Junggesellenabschied mit Folgen

König Ramses ist während des Kerweumzugs offensiv auf Frauensuche gewesen – mit Fotowunsch.
König Ramses ist während des Kerweumzugs offensiv auf Frauensuche gewesen – mit Fotowunsch. Foto: Stepan

Der Kerwebaum ist zwar ganz traditionell schon am Donnerstag aufgestellt worden, dennoch war der Höhepunkt der Orbiser Kerwe erneut der Umzug am Sonntagnachmittag. Unweit des Kerweplatzes mit Kinder- und Ketten-Karussell, Schießbude sowie Festzelt nahm er seinen Anfang, um sich durch das mit Fahnen herausgeputzte Örtchen zu schlängeln. Thema war auch in diesem Jahr der Radweg an der K 19.

Die Kerwejugend widmete sich aber einem gänzlich anderen Thema – und unterstützte einen vor zwei Wochen in der Turnhalle gegründeten, inoffiziellen Trinksportverein. Elf gestandene Männer aus Orbis haben sich hier zusammengefunden, weil in Orbis für das schöne Wetter nicht die leer gegessenen Teller, sondern die geleerten Gläser verantwortlich sind. Das jedenfalls betonte Ortschef Peter Schmitt – selbst Vereinsmitglied – höchstpersönlich.

Er ließ es sich dann auch nicht nehmen, den Kerwewein auszuschenken, als sich der Lindwurm pünktlich in Bewegung setzte. Bestaunt wurde dabei von den Zuschauern der offensichtlich ledige König Ramses auf einem schwebenden Stuhl. Ihm folgte eine Pyramide, die er für eine Partnerschaftsanzeige nutzte. Die Botschaft war eindeutig: „König Ramses sucht Frau mit vielen Kamelen. Bild der Kamele erwünscht.“

Mangel an Quetsche

Daniel in der Löwengrube war ebenfalls als Fußgruppe unterwegs, ebenso wie die Orbiser Glücksbringer. Die als Schornsteinfeger verkleideten Landfrauen hatten ihren rollenden Kamin nebst Kaminkehrer dabei. Um das Selz-Fest mitten im Ort feiern zu können, haben sich die Orbiser eine mobile Selzquelle gebastelt. Ein alter Lanz-Bulldog war nebst angehängtem Leiterwagen eine wahre Augenweide.

Blumenfrauen verteilten kleine Sträußchen, da es an Quetsche mangele, wofür man das Klima verantwortlich machte. Ein Motivwagen „Back to the 90s“ ließ mit Motiven wie Alf, Altkanzler Helmut Kohl oder dem Schriftzug der „Bravo“ Erinnerungen aufleben.

Ein überlebensgroßer Zimmermann aus Holz wies auf die Sorgen des Handwerks hin, und die „Weitschwiller Kerweborsch“ machten mit einem Motivwagen Werbung für ihre eigene Kerwe. Ein weiterer Motivwagen bejammerte das schlechte Internet.

Mitgliedschaft kostet einen Kasten Bier

Der jüngst gegründete Trinksportverein, dessen Aufnahmegebühr passenderweise einen Kasten Bier beträgt, war mit einem Acht-Mann-Fahrgerät mit Kettenantrieb unterwegs. Und hatte selbstverständlich auch genügend Flüssiges parat. Eifrig wurde Sangria an die Zuschauer verteilt.

Für die musikalische Begleitung war der Musik-Club Fidelio verantwortlich, und auch die Orbiser Punks machten mächtig Radau.

Ans Rednerpult traten Ann-Katrin Rott und Ralf Schwyrtz. Unterstützt wurden die beiden von Kerweborsch Dominik Bumb, der zwischen den „Stickelscher“ mit überschlagender Stimme den Schlachtruf brüllte.

Von Verletzten aufgrund zu hohen Alkoholkonsums auf einer Geburtstagsfeier und auf dem Residenzfest wurde in der Kerwerede berichtet. Einer durfte sich freuen: Sein Holz war schon gemacht, als er in den Wald kam. „Bleed aus de Wäsch geguggt hot sein Cousin samt Schwager, hunn Holz gemacht im falsche Lager. Liegt er dann im Winder vor seum Ofe, denkt er, danke er zwo Doofe.“

Auf Abwegen in Köln

Schlechter erging es einem Rentner im Ort, der nun auch endlich selbst sein Holz machen wollte. Das Problem: Er schaffte die Prüfung für den Umgang mit der Kettensäge nicht. „So wie die Selz runner laaft un net eruff, so macht mer die Kett uff die Säg ach druff. In de richdisch Richtung muss des Ding doch laafe, duscht vielleicht besser Heizöl kaafe.“

Dann war da noch eine Gruppe, die in Köln ein Auswärtsspiel des 1. FC Kaiserslautern verfolgen wollte und das auch noch zu Karneval. Einer ging verloren, „wildfremde Leit hunn den aane dann plötzlich uff de Mauer gefunn, vum Suff war er noch komplett benumm“. Der Verschollene rief sogleich seine Kumpels an, um von seinem Plan, zu seiner Schwester zu laufen, zu berichten. Sogleich wurde er aber auf seinen Denkfehler hingewiesen: „Mein Freund, Orientierung is wohl net so deins, du bisch in Köln, die Kim wohnt in Mainz.“

Mit Kreditkarte des Chefs auf Tour

Einiges schief lief auch beim Junggesellenabschied in Wien, der bei einen Teilnehmer aufgrund eines Sturzes für einen ausgeschlagenen Zahn sorgte. Ein anderer Teilnehmer bezahlte mit der Kreditkarte, leider war es die seines Chefs.

Eine nette Tradition ist, dass die Kerwejugend am Montag „Naturalien“ sammelt, die in der Halle in der Vereinsküche in Leckereien verwandelt werden. Von verschieden belegten Broten bis hin zum Rührei durften alle Aktiven schlemmen, nachdem der Kerwehannes verbrannt wurde und damit die Kerwe offiziell zu Ende war.

Die Glücksbringer sind ebenfalls unterwegs gewesen.
Die Glücksbringer sind ebenfalls unterwegs gewesen. Foto: Stepan
Elf gestandene Männer haben sich zum Trinksportverein zusammengeschlossen.
Elf gestandene Männer haben sich zum Trinksportverein zusammengeschlossen. Foto: Stepan
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