Donnersbergkreis Optimistischer Blick in die Zukunft

In der über 125-jährigen Geschichte des Traditionsunternehmens Karl Höll gab es immer wieder bewegte Zeiten. Das vergangene Jahr war dennoch ein besonders schwieriges für den Tuben-Hersteller. Im Herbst 2014 hatte die Geschäftsleitung der Standorte Kirchheimbolanden und des Hauptwerkes in Langenfeld bei Leverkusen mitgeteilt, dass es zu Liquiditätsproblemen gekommen war. Geringere Umsätze und steigende Kosten, auch durch die Umlage des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, waren die Ursache. Die Firma ging in ein sogenanntes Plan-Insolvenzverfahren (wir berichteten mehrfach), in dem gemeinsam mit den Gläubigern eine Restrukturierung des Unternehmens vorgenommen wurde. Wie geplant wurde das Verfahren zum Juni vergangenen Jahres beendet. Nun blickt Geschäftsführer Oliver Höll im RHEINPFALZ-Gespräch positiv in die Zukunft. „2015 war für uns wirklich sehr schmerzlich. Wir mussten in Langenfeld insgesamt 134 Arbeitsplätze abbauen. Wir haben zwar versucht, das – wie es so schön heißt – ,sozialverträglich’ zu gestalten, am Ende ist das für alle Betroffenen aber immer sehr, sehr hart.“ Man habe eine Transfergesellschaft gegründet und sei damit auch finanziell an die Grenzen dessen gegangen, was möglich gewesen sei. „In der Transfergesellschaft werden die Mitarbeiter bis zu zwölf Monate zu einem Teil des Gehaltes weiterbeschäftigt“, so Höll. Mit Umschulungen und der Suche nach neuen Arbeitsplätzen würden die Betroffenen zudem unterstützt. Ein entscheidender Schritt, um das Unternehmen wieder in die schwarzen Zahlen zu führen, war die Konzentration der Aluminium-Tuben-Produktion in Kirchheimbolanden. 2008 hatte Höll hier rund 5 Millionen Euro in eine neue Fertigungslinie für medizinische Tuben investiert. „Wir haben deshalb drei komplette Anlagen von Langenfeld nach Kirchheimbolanden umgezogen“, erklärt Höll. Rund 40 Lkw-Ladungen waren nötig, um die logistische Herausforderung zu meistern. „Die Anlagen sind sehr komplex, das war eine große Aufgabe, auch für die Mitarbeiter in Kirchheimbolanden, für die Teile der Produktion vollkommen neu waren.“ Mit der Anlage zogen auch acht Mitarbeiter mit ihren Familien vom Ruhrgebiet in die Pfalz um, verlegten ihren Lebensmittelpunkt nach Kirchheimbolanden, was den Geschäftsführer sehr freut: „14 weitere Mitarbeiter haben wir in Kirchheimbolanden neu eingestellt.“ Für die Kirchheimbolander Belegschaft bedeutete die neue Produktionslinie eine enorme Mehrbelastung. „Ich freue mich sehr, dass das Stammpersonal nicht nur die neuen Mitarbeiter so freundlich aufgenommen hat, sondern auch, dass alle gemeinsam diese große Aufgabe angenommen und gemeistert haben“, so Höll. Positiv blickt der Geschäftsführer auf die aktuelle Auftragssituation und die Geschäftsprognose für das laufende Jahr. „In den vergangenen Monaten ging es natürlich vor allem darum, das Vertrauen unserer Kunden zu sichern. Das ist uns durch eine sehr offene Kommunikation wirklich gut gelungen. Wir haben durch das Plan-Insolvenzverfahren keinen Kunden verloren.“ Nun könne auch wieder mit der Neukunden-Gewinnung begonnen werden. Dabei konzentriert sich Höll mittlerweile auf die speziellen Anforderungen der Pharma-Industrie, die hochwertige Tuben für den medizinischen Bedarf benötigen. 95 Prozent der Höll-Kunden seien in diesem Bereich angesiedelt. Für 2016 sieht der Geschäftsführer eine stabile positive Entwicklung. Die Auslastung sei sehr gut, es müssten sogar Sonderschichten gefahren werden. „Große Investitionen sind aber für das laufende Jahr nicht angedacht“, sagt Höll. Für die Kirchheimbolander Mitarbeiter – 145 sind es zur Zeit – bedeutet die Entwicklung des Traditionsunternehmens vor allem eines: Sicherheit. Auch langfristig will sich der Tubenhersteller mit seinen Qualitätsprodukten von der Billig-Konkurrenz abheben. „Wir produzieren nun mal in einem lohn- und energiekosten-intensiven Land. Mit unseren hochwertigen Produkten werden wir uns aber auch in Zukunft in einem hart umkämpften Markt behaupten können“, prognostiziert Oliver Höll.