Donnersbergkreis Ohne „Vitamin B“ wird’s schwierig

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EISENBERG. Um das European Business Baccalaureate Diploma (EBBD) zu erwerben, mit dem man an Hochschulen in ganz Europa studieren kann, müssen Schüler unter anderem ein vierwöchiges Auslandspraktikum absolvieren. Die 19-jährige Julia Haberditzl aus Sausenheim und die Eisenbergerin Isabell Dshubiev (18) haben diese Bedingung am Wirtschaftsgymnasium in Eisenberg als erste erfüllt. In den Sommerferien war Julia in Großbritannien und Isabell in Russland. Wir sprachen mit den beiden Mädchen aus der MSS 13 und mit EBBD-Koordinatorin Katja Baumann.

Julia, Isabell, warum habt ihr euch entschieden, das EBBD zu erwerben? Julia:

Ich erhoffe mir dadurch Vorteile für ein duales Studium in Betriebswirtschaftslehre. Isabell: Der Numerus Clausus für den Bachelor of Arts, Kultur und Wirtschaft ist mit 1,3 relativ hoch und so ein Praktikum wird als Pluspunkt angerechnet. Wie habt Ihr die Praktikumsplätze gefunden? Julia: Das war ziemlich kompliziert, und zwischendurch dachte ich schon, es klappt nicht. Aber über einen Bekannten meiner Mutter habe ich dann doch einen Praktikumsplatz bekommen. Isabell: Bei mir halfen auch die Beziehungen. Meine Eltern stammen aus Russland, und wir haben da Freunde und Verwandte. Baumann: Grundsätzlich sollen die Schüler ihre Praktikumsplätze selber finden, aber wir unterstützen natürlich. Doch große Unternehmen haben oft kein Interesse daran, Gymnasiasten als Praktikanten einzustellen. Einige sagen auch klar, dass sie nur Studenten nehmen. Letztendlich ist das berühmte „Vitamin B“ – wie in diesen beiden Fällen – sehr hilfreich. Wie sahen eure Praktika aus? Mit welchen Aufgaben wurdet ihr betraut? Julia: Ich habe bei „Fusion“ in Chesterfield, die Verbindungsstücke für Gas- und Wasserleitungen herstellen, verschiedene Abteilungen durchlaufen und durfte auch kleine Projekte machen. So habe ich beispielsweise im Marketingbereich nach potenziellen Käufern von Fusion-Produkten in Ländern gesucht, in denen die Firma bislang nicht vertreten ist. Diese Recherche war sehr interessant. Drei Tage war ich auch bei zwei weiteren Firmen des Konzerns. Isabell: Ich war bei einer Firma in Moskau, die Farbrollen und Pinsel produziert, und hatte die Gelegenheit, noch ein anderes Werk des Unternehmens im Kaukasus zu besichtigen. Da die Verständigung sehr schwierig war, sind mir nur ganz leichte Aufgaben übertragen worden wie Kopieren, Ablage machen oder Telefonate annehmen und weiterleiten. Konnte man sich nicht auf Englisch unterhalten? Isabell: Mit Englisch kommt man in Russland nicht weit. Ich kann zwar Russisch, aber nur die Alltagssprache. Die ganzen Fachausdrücke sind mir nicht geläufig, und schon ein leicht modifiziertes Wort kann den Zusammenhang im Satz völlig verändern. Julia: In Großbritannien war nur der erste Tag etwas schwierig. Insgesamt habe ich mich schnell ins Englische eingefunden. Und was hat euch das Praktikum tatsächlich gebracht? Julia: Es war sehr interessant, mal praktisch in einem Unternehmen zu arbeiten. Isabell: Ich bin auf jeden Fall selbstständiger geworden, denn ich bin beispielsweise zum ersten Mal allein geflogen. Apropos Fliegen: Wie habt ihr euch das Praktikum finanziell leisten können? Julia: Meine Eltern haben mit der Gastfamilie, die wir über einen Bekannten meiner Mutter fanden, eine Essenspauschale ausgehandelt und auch die Flugreise übernommen. Isabell: Ich habe kostenlos bei Verwandten gewohnt. Die Monatskarte für die Metro, um zur Firma zu kommen, musste ich selbst bezahlen, und die Kosten für das Flugticket hab ich mir mit meiner Mutter geteilt. Baumann: Da haben die beiden Glück gehabt. Wer keine Beziehungen hat, muss auch noch Übernachtung und Verpflegung finanzieren. Besonders teuer kann die Vermittlung von Praktikumsplätzen über Internetbörsen sein. | Interview: Anja Benndorf

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