Donnersbergkreis Ohne Hindernisse radeln

So soll die Beschilderung der barrierefreien Radwege aussehen.
So soll die Beschilderung der barrierefreien Radwege aussehen.

Mit dem Rad ohne Hürden von A nach B kommen – das soll auf 100 Kilometern im Süden des Landkreises Bad Dürkheim künftig möglich sein. Denn im Modellprojekt „Tourismus für alle“ geht es auch um barrierefreie Radwege. Aber was genau ist das eigentlich?

2,50 Meter breit muss ein solcher Radweg mindestens sein, damit zwei Handbikes problemlos aneinander vorbeifahren können. Ist die Breite nicht möglich, sollte es zumindest Ausweichbuchten geben. Der Radweg darf höchstens eine Steigung von sechs Prozent haben, soll also mit relativ wenig Kraftaufwand schaffbar sein. Außerdem soll es barrierefreie Rastmöglichkeiten geben. Das bedeutet: keine Stufen am Rastplatz, ein mit dem Rollstuhl unterfahrbarer Tisch, barrierefreie Toiletten – beispielsweise in den Rathäusern der Orte, durch die diese Radwege führen. Der Kreis Bad Dürkheim gehört zu den zehn Modellregionen, die beim Landesporgramm „Tourismus für alle“ mitmachen. Das barrierefreie Radwegenetz soll es künftig zwischen Bad Dürkheim, den Verbandsgemeinden Wachenheim und Deidesheim sowie Haßloch und Neustadt geben. Und das ist das Besondere an dem Projekt. Nur zwei andere Landkreise machen mit, beide wollen jeweils „nur“ eine Strecke barrierefrei gestalten. „Bei uns werden es Rundstrecken in einem Netz“, erklärt Raimund Rinder, beim Kreis unter anderem für Barrierefreiheit zuständig. Nach der Bewerbung des Kreises passte es gut, dass der Landesbetrieb Mobilität 2017 auf den touristischen Radwegen im Kreis eine Kontrollbefahrung geplant hatte, die Frage nach der Barrierefreiheit wurde dabei geprüft. „Wir haben für die geplanten 100 Kilometer festgestellt, dass sie mit einem vertretbaren Aufwand barrierefrei zu machen sind“, sagt Rinder. Er geht davon aus, dass letztlich 70 bis 80 Kilometer barrierefreie Radwege umgesetzt werden. Aber: Der Kreis ist nur dafür zuständig, die Fördermittel zu beantragen. Bis dahin können die beteiligten Kommunen entscheiden, ob und mit welchen Strecken sie mitmachen. Ab der zweiten Jahreshälfte sollen die Gemeinden dann „ihre“ Radwege ertüchtigen, „das soll 2021 abgeschlossen sein“, führt Rinder weiter aus. 2022 sollen die Wege zertifiziert und beschildert werden. Der Kreis übernimmt also den Antrag beim Land und – wenn nötig – die Zwischenfinanzierung. Das ist sinnvoll, weil so eine einheitliche Planung möglich ist. Letztlich müssen die Kommunen selbst aufkommen für die Baukosten beziehungsweise die Differenz nach Abzug der Landesförderung in Höhe von 85 Prozent. „Und das auf Wegen, die vielleicht sowieso hätten ausgebessert werden müssen“, hebt Rinder den Vorteil hervor. Diskutiert wird noch in Haßloch und Meckenheim darüber, welche Folgen barrierefreie Radwege möglicherweise für die Landwirtschaft haben. Rinder ist wichtig: „Wir bewegen uns mit dem Netz auf touristischen Radwegen.“ Das heißt, es gibt keine neuen Radwege, „es ist nur eine qualitative Verbesserung“. Was angegangen werden muss? In Mußbach ist eine Querungshilfe schlecht befahrbar, „vielleicht versetzen wir sie oder senken sie ab“, erklärt Rinder. Manchmal müssen Radwege auch minimal anders geführt werden. Inklusive Planung, Zertifizierung, Beschilderung rechnet Rinder mit Kosten von rund drei Millionen Euro. Dann könnte es in Dürkheim zehn Kilometer barrierefreie Radwege geben, in der Verbandsgemeinde Wachenheim 19, in Haßloch 30, in Neustadt 20 und in der Verbandsgemeinde Deidesheim 22 Kilometer.

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