Donnersbergkreis
Oberndorf: „Man muss auch loslassen können“
Raus aus dem Rathaus: Eigentlich hatte Karl-Ludwig Bernhard gar nicht vor, in die Kommunalpolitik zu gehen. Ohne je im Gemeinderat gewesen zu sein, wurde er 1999 um die Kandidatur gebeten, wurde gewählt – und ist 20 Jahre im Amt des Ortschefs geblieben. Und hat Spuren hinterlassen, auch in anderen Bereichen des dörflichen Lebens.
Von Arno Mohr
Nach zwanzig Jahren als Ortsbürgermeister war für Karl Ludwig Bernhard schon länger klar, dass nach der Kommunalwahl 2019 mit dem öffentlichen Amt in der Gemeinde Schluss sein würde. Zum einen sei er in diesem Jahr 70 Jahre alt geworden und habe sein selbstgesetztes Ziel, so lange wie der ehemalige Orts-Chef und „Fasnachtsfreund“ Alfred Walter im Amt zu bleiben, erreicht, und zum anderen müsse man auch loslassen können und der Jugend eine Chance geben, so Bernhard im Gespräch. So ganz „loslassen“ wird er allerdings nicht, denn weitere Arbeiten sind schon im Gange und werden auch noch umgesetzt.
Mit der Ortschronik habe er bereits begonnen und einige Unterlagen gesichtet und bearbeitet. Hier sei aber noch einiges zu tun. Und eine zweite Arbeit ist bereits fertig im Computer abgespeichert, nur die Bilder fehlen noch: Seit geraumer Zeit arbeitet er an einer neuen Info-Broschüre für die Simultankirche St. Valentin in Oberndorf. Dort hält er sich nicht nur gerne auf, sondern führt auch Jahr für Jahr Besuchergruppen durch eine der für ihn „schönsten Kirchen in der Region“ . Ab und zu kann er hier diese Termine mit seiner Ehefrau Gerdi zusammen wahrnehmen, da sie die Kirchenorgel spielt. Ihr ist er im Rückblick besonders dankbar, denn während seiner beruflichen Tätigkeit als Lehrer an Gymnasien oder als Schulleiter zuletzt am Gymnasium in Lauterecken ließ sich nicht so einfach ein Unterricht unterbrechen, wenn gerade in der Gemeinde etwas anfiel oder kurzfristige Entscheidungen zu treffen waren.
Positives Fazit
Insgesamt zieht er nach zwei Jahrzehnten ein positives Fazit, wenn auch die ein oder andere gesellschaftliche Veränderung eingetreten ist und das Amt vielleicht etwas schwieriger als früher auszuüben ist. Die politische Arbeit habe sich seiner Meinung nach in den 20 Jahren auch erschwert, weil das freiwillige Engagement früher weitaus höher war als heute. Dies liege aber nicht am fehlenden Willen, sondern am demographischen Wandel. So musste der früher sehr aktive Gesangverein mangels Aktiver aufgelöst werden. „Und in manchen Jahren sind bei uns in der kleinen Gemeinde gar keine Kinder auf die Welt gekommen.“
Neu beleben will er in seiner nunmehr „erweiterten Freizeit“ den Verein zur Förderung des ländlichen Brauchtums in Oberndorf, dessen Vorsitzender er nach wie vor ist. Und noch eins hat er sich fest vorgenommen: Die neu gewonnene Freizeit genießen und „auf Reisen“ zu gehen. Das nächste Ziel steht bereits fest: Australien. Bei einem früheren Besuch hat es dem Ehepaar Bernhard dort so gut gefallen, dass nunmehr der Westen Australien bereist wird und vielleicht, so Ehefrau Gerdi, ist noch ein Abstecher nach Neuseeland drin.
Durch Zufall zum Amt gekommen
Eigentlich war es ein Zufall, dass er zum Ortsbürgermeisteramt gekommen ist. „Ich hatte gar keine Ambitionen darauf“, informiert er im Gespräch. Als sein Vorgänger Ernst Frölich aufgehört hatte, habe man ihn 1999 angesprochen, und so reifte dann doch der Gedanke, in die Kommunalpolitik einzusteigen. Er wurde auch direkt gewählt, ohne dass er vorher im Gemeinderat tätig war. Damals war er noch in Worms am Gymnasium, im Jahre 2000 erfolgte die Versetzung nach Lauterecken. Die Fahrtzeit war doch kürzer, und er war früher zu Hause und konnte dann für die Gemeinde da sein.
Direkt am Anfang seiner Amtszeit sei die angefangene Sanierung des Dorfgemeinschaftshalle fortgeführt worden. Ursprünglich mal von der VG-Verwaltung mit 500.000 Mark geschätzt, war dies dem damaligen Rat viel zu viel, er strich 200.000 Mark – um am Ende doch bei 500.000 Mark Ausgaben herauszukommen. Da bleibe halt die ein oder andere kritische Nachfrage wegen der „Kostensteigerung“ nicht aus.
Schon zu damaliger Zeit wurde sehr weitsichtig auf dem Dach der Dorfgemeinschaftshalle eine Photovoltaikanlage installiert, die auch heute noch hilft, deren anfallenden Unterhaltungskosten besser zu stemmen. In Bernhards vierter Amtszeit wurde erneut die Erzeugung regenerativer Energien initiiert: Zwei Windkraftanlagen wurden auf gemeindeeigenen Grundstücken errichtet und damit auch neue Einnahmen für den defizitären Haushalt erzielt.
Eines der schönsten Erlebnisse im Rückblick für Bernhard war die Einweihung des neuen Spielplatzes neben der Dorfgemeinschaftshalle, wo er auch heute noch den Aufstieg hunderter bunter Luftballons vieler Kinder im Bild vor den Augen hat. Ein schöner Platz ist aber auch der zentrale Dorfplatz in der Ortsmitte, wo er sich auch gerne mal aufhält.
Viel „Ärger“ habe der Bau der neuen Brücke zur Wiesenstraße eingebracht. Denn die Vorgaben der Denkmalpflege waren sehr stringent, es durfte keine breitere Brücke gebaut werden. Der Einfahrtswinkel hätte aufgeweitet werden müssen. „Obwohl wir ein renommiertes Brückenbaubüro hatten und wir eigentlich nichts dafür konnten, haben wir viel ’Prügel’ dafür bezogen, weil es für die mittlerweile weitaus größeren Müllfahrzeuge dort ziemlich eng wird.“
Dem neuen Rat empfiehlt er die Umsetzung des Bebauungsplanes „Hinter der Kirche“ mit 24 Bauplätzen. Dies soll den Zuzug junger Leute sichern. Touristisch könnte er sich am Radweg unter der Brücke der B 48 eine Aufwertung vorstellen, dort wurden auf eigene Kosten Wasser wie auch Leerrohre für die Stromversorgung hinlegen lassen.
Das Amt in der Bütt’
Ein Ziel ist ihm nicht gelungen, und zwar die Verlängerung des Alsenztal-Radweges bis an den Ortsrand von Oberndorf, obwohl er hier mehrfach Vorstöße unternahm. Es muss weiterhin über die Straße zum Ort gefahren werden. Geärgert hat er sich über die mangelnde Unterstützung des Landkreises nach den jeweiligen Hochwässern. Hier durften weggeschwemmte Wege nicht wieder neu angelegt werden, die Eigentümer konnten zusehen, wie sie an ihre Grundstücke kommen oder auch ausgeschwemmte Mauern musste auf eigene Kosten erneuert werden.
Aber auch Kurioses hat sich in 20 Jahren zugetragen und wurde vom Ortsbürgermeister erledigt: Nachdem nach einem polizeilichen Einsatz die Bewohner nicht wieder zurückkehrten, rief die Polizei an und bat den Ortsbürgermeister, die sich auf dem Grundstück befindlichen „Hängebauchschweine“ mal für ein paar Tage zu füttern. Dies wurde dann auch erledigt. so Bernhard, bis für die Tiere ein anderer Halter gefunden wurde.
In Oberndorf gibt es noch eine Tradition für den jeweiligen Ortsbürgermeister: In der „Hochburg der Nordpfälzer Narretei“, muss ein Ortsbürgermeister „quasi kraft seines Amtes“ in die Fastnachtsbütt bei den großen Prunksitzungen des Oberndorfer Carneval Clubs. Erledigte dies früher Alfred Walter mit seinen legendären Büttenreden aus „Bad Oberndorf“, stand Karl Ludwig Bernhard dem in nichts nach: Als „singender Bürgermeister“ hat sich in 20 Jahren einen ausgezeichneten „Fastnachtsruf“ erarbeitet. „Allein schon deshalb lohnt sich das Amt des Ortsbürgermeisters hier in Oberndorf“, so Bernhard schmunzelnd.