Kickboxen
Obermoscheler Kickboxer halten sich mit Videotraining fit
Hilgert, selbst mehrfacher Weltmeister, ist nicht nur in Obermoschel aktiv, sondern auch als Landes- wie auch seit 2009 als Bundestrainer tätig. Unter seiner Führung holten die Obermoscheler alleine bei der Weltmeisterschaft 2019 in Bregenz dreimal Gold, achtmal Silber und dreimal Bronzemedaillen in die kleinste pfälzische Stadt.
2020 war alles anders: Nur ein Turnier, am 15. Februar 2020 in Duisburg, noch vor dem Pandemieausbruch, danach lief nichts mehr. Alle Turniere sowie die Weltmeisterschaft in Kanada wurden abgesagt. Ab 16. März 2020 musste dann auch das Trainingsstudio in Obermoschel aufgrund der Anordnungen der Behörden geschlossen werden. Als Alternative nahm Hilgert mit seinem Trainerteam jede Woche zwei- bis dreimal Videos auf, die sie in der internen Whatsapp-Gruppe der Kickbox-Abteilung veröffentlichten, damit alle Mitglieder die Einheiten zu Hause nachtrainieren konnten. Ab April wurde mit der Videoplattform Zoom dreimal wöchentlich Online-Training angeboten.
Kurzzeitiger Umzug nach Niedermoschel
Als dann ab Mai das Trainieren mit Abstand im Freien möglich war, machte Hilgert auch von dieser Möglichkeit Gebrauch. Allerdings nicht auf dem eigentlich vorgesehenen Obermoscheler Sportgelände. Die Straße zum Sportplatz war oberhalb des Burghotels aufgrund eines Stolleneinbruches gesperrt. Hier halfen dann die nachbarschaftlich guten Beziehungen nach Niedermoschel, wo der dortige Rasensportplatz als Ausweichplatz genutzt werden konnte. Hilgert ist den Vereinsverantwortlichen des SV Niedermoschel immer noch sehr dankbar für die Bereitstellung des Geländes.
Doch die Corona-Pandemie erforderte weiter einiges an Flexibilität von den Kickboxern: Da auch die Umkleidekabinen nicht genutzt werden durften, mussten die Vereinsmitglieder entweder schon im Sportdress anreisen oder sich im Freien umziehen. Dem Trainingsfleiß sei dies aber nicht abträglich gewesen. Freitags und donnerstags trainierten die Erwachsenen dann im Freien, mittwochs die Minis bis fünf Jahre und die Kindergruppen bis acht Jahre.
Die Abstände untereinander seien sogar größer als vorgegeben eingehalten worden. Gegenseitiges Kontakttraining – im Kickboxsport üblich und eigentlich unerlässlich – war allerdings in dieser Zeit nicht mehr möglich. „Schlecht für unsere Sportart, aber mehr war da nicht möglich“, erzählt Hilgert. Dennoch machten Verein und Sportler das Beste aus dieser Situation: Auf ausgelegten Sportmatten war auf dem Niedermoscheler Sportgelände Platz für insgesamt 48 Personen pro Trainingseinheit. Das gute Sommerwetter habe nahezu immer einen Trainingsbetrieb im Freien zugelassen, nur einmal musste eine Einheit wegen Regens abgesagt und einmal wegen Regen früher abgebrochen werden, berichtet Hilgert.
Partnertraining nur kurz möglich
Ende Juni konnte das Partnertraining wieder aufgenommen werden, allerdings nur mit einem festen Sportpartner, der vorzugsweise aus der eigenen Familie kam oder ein Schulkamerad war, mit dem man auch außerhalb des Trainings Kontakt hatte. Ab Ende Juli durfte wieder im Sportstudio in der Wilhelmstraße trainiert werden. Der normale Trainingsplan musste allerdings komplett verändert werden und zudem sei viel zusätzliche Organisations- und Vorbereitungsarbeit zu leisten. Immer bei offenen Türen mussten weitaus mehr Pausenzeiten zum Lüften und zum Desinfizieren aller Trainingsbereiche eingeplant werden. Sogar der jeweilige Trainingsbeginn wurde individuell festgelegt, damit sich die Gruppen nicht begegnen, Ein- und Ausgänge getrennt und separiert genutzt werden konnten. Desinfektionsspender wurden angebracht und Markierungen zur Abstandswahrung auf Böden und die Laufbereiche aufgeklebt. Die Eltern durften nicht mehr mit ins Training, mussten ihre Kinder einzeln bringen und abholen. Auch im Studio durften Umkleideräume und Duschen nicht benutzt werden.
Seit einigen Wochen, seit 2. November, ist das Studio nun aufgrund der verschärften Corona-Situation wieder ganz geschlossen. Über Zoom wird einmal wöchentlich erneut ein Training für alle Kickbox-Athleten zu Hause angeboten. Zusätzlich gibt es für jeden ein eigenes Übungsvideo, das nachtrainiert werden muss. Was enorm fehle, seien Gespräche und Treffen untereinander nach dem Training und bei den üblicherweise stattfindenden Wettbewerben, sagt Hilgert. „Da bilden sich oft Kameradschaften und Freundschaften fürs ganze Leben. Aber wir müssen momentan halt auf diese Weise das Beste aus der Situation machen“, erzählt der im Gespräch sympathische und langjährig erfahrene Trainer Dirk Hilgert.
Mehr Kündigungen als in den Vorjahren
Trotz dieser Bemühungen habe die Abteilung im abgelaufenen Jahr allerdings mehr Kündigungen bekommen, als in den drei Jahren zuvor zusammen, berichtet Hilgert. Froh sei er aber über viel Unterstützung von den Mitgliedern und Angehörigen, oft sind es die Eltern. Wegen der ganzen Widrigkeiten sei auf die Beitragszahlung von zwei Monaten verzichtet worden. Das habe natürlich erhebliche Mindereinnahmen gebracht und auch an den Kündigungen habe die Abteilung finanziell wie sportlich noch einige Zeit zu knabbern.
Hilgert hofft eindringlich, dass die Pandemie bald ein Ende hat, ist aber aufgrund der anerkannten Arbeit der Kickbox-Abteilung sehr zuversichtlich, das derzeitige Loch bei den Mitgliederzahlen dann schnell wieder auffüllen zu können. Sport sei zur Stärkung des Immunsystems mit einer der besten Voraussetzungen, um dem Virus entgegenzutreten, so Hilgerts Auffassung. Deshalb sei es auch so wichtig, dass die Athleten in dieser Zeit zu Hause nach den gegebenen Vorgaben trainieren könnten.