Meinung Nordpfälzer Zurückhaltung: Es ist Zeit für einen Imagewechsel
Uns Nordpfälzern sagt man ja einiges nach, und ehrlich gesagt, sind das nicht gerade immer nur Lobeshymnen, die da verteilt werden. Im Vergleich zur Mentalität der Vorder- oder Südpfälzer gelten wir oftmals als „wenig begeisterungsfähig“, als „etwas knorrig im Umgang“, als nicht immer ganz „so aufgeschlossen gegenüber Neuem“. Dafür gelten wir immerhin als „ehrlich“, fast schon „hart, aber herzlich“. Noch dazu sind wir als ein Völkchen bekannt, „das die Feste gerne feiert, wie sie fallen“.
Na immerhin! Wenigstens sind wir nicht als die absoluten Spaßbremsen verschrien. Denn eine ordentliche Portion Humor, den sprichwörtlichen Schalk im Nacken würde ich uns Nordpfälzern mit Sicherheit attestieren.
In der Nordpfalz gibt es Innovationsgeist
Woher allerdings diese anderen Aussagen stammen, die mir während meines Studiums in Mainz und im Volontariat, bei dem ich in verschiedenen Lokalredaktionen im Verbreitungsgebiet der RHEINPFALZ stationiert war, immer mal wieder zu Ohren gekommen sind, kann ich mir nicht so recht erklären.
Zugegeben, vielleicht sind Nordpfälzer einfach nicht die Überschwänglichsten in der Pfalz. Aber etwas Zurückhaltung hat ja bekanntlich noch nie geschadet. Was Nordpfälzer aber definitiv nicht müssen, ist sich hinter ihren Leistungen und ihrem Innovationsgeist zu verstecken.
Der große Unbekannte
Das Beispiel Schramm in Alsenbrück-Langmeil ist für die bislang gehegte Nordpfälzer Zurückhaltung bezeichnend: Das Firmengelände des Luxus-Schlafsysteme-Herstellers ist neben dem von Mobotix, dem ebenfalls recht erfolgreichen Überwachungssysteme-Hersteller, zwar recht prominent entlang der L401 angesiedelt. Sogar von der Autobahn 63 stechen die beiden Firmen ins Auge. Doch was bei Schramm wirklich passiert, das wissen nur die wenigsten Menschen – selbst aus dem Donnersbergkreis. Ein Manko, das Schramm laut seinem neuen Geschäftsführer Elmar Duffner nun endlich beseitigen will.
Und das zu Recht: Verstecken muss sich der Weltmarktführer für Luxus-Matratzen mit 30 Millionen Euro Umsatz im Jahr wie viele andere aus der Region sicherlich nicht. Deswegen hat Schramm neben internationalen Expansionsplänen auch das Ziel, langfristig in der Heimat bekannter zu werden – als Unternehmen, als Entwickler, als Arbeitgeber. Den beschaulichen Donnersbergkreis für die großen Pläne zu verlassen ist keine Frage, die man sich bei Schramm stellt. „Der Standort ist perfekt. Wir sind hier weiterhin stark verwurzelt“, machten Duffner und Heiko Schmidt, Abteilungsleiter für Produktmanagement und Entwicklung, erst am Montag im RHEINPFALZ-Gespräch deutlich.
Von wegen verdrossen und abgehängt
Denn in der Nordpfalz gibt es statt der ewig propagierten Verdrossenheit auch viel Potenzial, Zuversicht, Kreativität und Mut, Dinge anzugehen. Eben genau das, was viele außerhalb unserer schönen Heimat nicht erkennen. Deshalb ist vielleicht jetzt eine gute Zeit, doch einmal die Nordpfälzer Zurückhaltung sein zu lassen. Denn wer Tolles leistet, sollte auch darauf aufmerksam machen dürfen.