Steinbach
Nils berichtet: Im Keltendorf macht Filzen auch mit Maske Spaß
Im ersten Moment ist es richtig kalt, als die kleine, aus Kindern und Erwachsenen bestehende Gruppe das lehmverputzte Holzbalken-Haus zum „Keltischen Sommerspaß“ betritt. Zudem muss man sich beim Hineingehen ganz schön bücken, um sich nicht den Kopf am Türrahmen zu stoßen. „Besonders groß waren die Leute damals nicht, oder?“, fragt eine Mutter, während sie den Kopf einzieht. Ja, das sei richtig, erklärt Gästeführerin Luise Wiemer, die Menschen waren tatsächlich deutlich kleiner als heute – die Größten maßen gerade mal 170 Zentimeter.
Aber selbst für die damalige Zeit ist diese Tür ungewöhnlich niedrig – aus einem speziellen Grund: „Wir sind hier im Fürstenhaus, und da der Fürst der wichtigste Mensch im Dorf war, wurde mit einer besonders niedrigen Tür sichergestellt, dass jeder, der zu ihm kam, sich auch vor ihm verbeugen musste. Die Türen in den anderen Häusern sind höher“, erläutert Wiemer. Dann erklärt sie die Einrichtung des Hauses, wie die Feuerstelle, Hocker und Stühle, und hat auch spannende Details zu den Kelten parat: Etwa, dass sie als wanderndes Bauernvolk von Nord- nach Südeuropa zogen oder dass sie zwar oft simpel gekleidet waren, aber Schminke und Schmuck liebten und sich auch schon die Haare zu färben wussten.
Handschuhe werden verteilt
Draußen im Dorf geht der Rundgang dann weiter: Mit Erklärungen zum keltischen Hausbau, einer speziellen Art des Dachdeckens und den Eigenheiten der Dorfgemeinschaft, ehe die Gästeführerin ihre Gruppe am Lagerfeuer Platz nehmen lässt und kurz verschwindet. Einen Moment später ist sie auch schon wieder da, mit Körben voller bunt gefärbter Wolle und einem großen Bottich Seifenwasser. Als Erstes verteilt sie aber Handschuhe – eine Vorsichtsmaßnahme, schließlich gelten auch hier die Auflagen zur Corona-Bekämpfung, die natürlich einen Mundschutz für alle mit einschließen.
Und dann geht es los: Es ist Workshop-Zeit. Jedes Gruppenmitglied darf sich aus der Masse der bunten Wolle ein paar Farben aussuchen, die dann zu bunten Bällen gefilzt werden. Dazu wird die Wolle in den Bottich mit Seifenwasser getaucht, und dann wird gerollt. „Immer feste rollen, weiter und weiter rollen“, feuert Luise Wiemer, die den Workshop leitet, die Kinder ihrer Gruppe an. „Dürfen die Großen auch mitmachen?“, fragt eine ältere Besucherin interessiert. Natürlich dürfen sie, es ist schließlich genug Material für alle da. Und ehe man es sich versieht, arbeitet die ganze Gruppe trotz der Einschränkungen durch die Einmalhandschuhe und die Masken gut gelaunt an Freundschaftskugeln und bunt gemusterten Blumen.
Nebenan in der Taverne wird Seife gemacht. Mit einer Seifengrundmasse und vielen verschiedenen duftenden Kräutern wird auch hier voller Begeisterung gedrückt, gematscht und gerollt, was das Zeug hält. Am Schluss muss jeder für sich entscheiden: Möchte man lieber viele kleine Badekugel oder ein großes Seifenstück? „Ein Stück Seife muss zehn Tage trocknen, damit es sich nicht gleich wieder verflüssigt; die kleinen Badekugeln brauchen nicht so lange, die könnt ihr heute Abend schon mit in die Badewanne nehmen“, erklärt Workshopleiterin Anett Müller der Gruppe. Zum Abschluss dürfen alle noch mal auf den großen Wehrturm und einen Blick in die Schmiede werfen, ehe der keltische Sommerspaß schon wieder vorbei ist.
Ferienprogramm in Arbeit
Das Keltendorf Steinbach ist zwar aktuell noch für den regulären Besucherverkehr geschlossen, aber die Buchung von Kindergeburtstagen mit Führungen und Workshops in kleinen Gruppen ist möglich. Auch Angebote für die Sommerferien werden derzeit entwickelt. „Wir hoffen natürlich, dass sich das Ferienprogramm umsetzen lässt“, sagt Corina Runkel, die Koordinatorin vor Ort, „das Keltendorf trägt sich schließlich durch seine Besucher. Und wir würden gerne wieder ein Programm anbieten, das an die momentan geltenden Regeln angepasst ist.“ Der Testlauf am Fronleichnamstag hat auf jeden Fall funktioniert – auf keltische Art Seife und Filzkugeln herzustellen, macht auch mit Handschuhen und Mundschutz richtig Spaß.
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