Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Nicht nur wegen Corona: Arbeitsmarkt bricht überproportional ein

Die Statistik spricht eine deutliche Sprache.
Die Statistik spricht eine deutliche Sprache.

Die Pandemie hat auch am Arbeitsmarkt ihre Spuren hinterlassen. Dass es im Jahr 2020 im Donnersbergkreis allerdings steiler nach unten ging als anderswo in der Westpfalz, das liege wohl beileibe nicht nur an Corona, mutmaßt der Chef der Arbeitsagentur.

Der Donnersbergkreis hat auf dem Arbeitsmarkt im Jahr 2020 größere Rückschläge hinnehmen müssen als der Rest der Westpfalz. „Das war gleich die erste Auffälligkeit für uns bei der Analyse“, sagt Peter Weißler. Der Chef der Arbeitsagentur Kaiserslautern-Pirmasens spricht von einem „gravierenden Einschnitt“. Etliche Kennzahlen für den Kreis befinden sich auf dem Niveau von 2015 und 2016, die gute Entwicklung der vergangenen fünf Jahre ist dahin. Das sei vielerorts anders, sagt Weißler.

Ein Beispiel ist die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigen im Kreis. Da ging es um satte 3,5 Prozent nach unten, von 22.160 auf 21.389. Und da diese Zahlen stets mit Zeitverzögerung ermittelt werden, die angeführten vom Stichtag 30. Juni stammen, steht zu befürchten, dass es tatsächlich noch ein Stück weiter bergabgegangen ist.

Schlechteste Zahlen seit 2006

Für Weißler steht fest: Das ist nicht allein Folge der Pandemie. „Der Donnersbergkreis ist mittendrin im Strukturwandel.“ Noch immer macht das verarbeitende Gewerbe rund ein Drittel der Stellen aus, allerdings sind binnen eines Jahres mehr als 500 davon verloren gegangen – ganz klar der Hauptgrund für den Rückgang der Beschäftigung.

Der Arbeitsmarkt im Donnersbergkreis hat in guten Jahren – und das waren in der Vergangenheit nicht wenige – stark von diesen produzierenden Betrieben profitiert, die Abhängigkeit von wenigen Firmen drückt die Zahlen aber nun in eine andere Richtung. Bei einer Arbeitslosenquote von 5,8 Prozent haben Agentur und Jobcenter im Dezember 2403 Arbeitslose gezählt – 422 (oder 21,3 Prozent) mehr als im Dezember des Vorjahres. Man muss lange zurückblättern, um einen schlechteren Jahresschlussmonat zu finden: Im Dezember 2006 gab es gut 3000 Arbeitslose und eine Quote von 7,7 Prozent. Während der Dezember selbstredend eine Momentaufnahme ist, bietet der Jahresschnitt eine gute Übersicht: Im Durchschnitt des Jahres 2020 lag die Arbeitslosenquote im Kreis bei 5,7 Prozent; nach 4,6 Prozent im Jahr zuvor.

Kurzarbeit rettet Betriebe

Eklatant ist der Anstieg vor allem bei den Empfängern von Arbeitslosengeld, und zwar schon im zweiten Jahr in Folge. Für Weißler ein weiterer Beweis für den Strukturwandel, mit dem der Kreis zurechtkommen muss. Im Bereich der Grundsicherung fällt der Anstieg etwas moderater aus: Beim Jobcenter sind nun wieder in etwa so viele Menschen gemeldet wie vor drei Jahren.

Die Kurzarbeiterregelung habe im Übrigen gleich zweifach positive Effekte für den Donnersbergkreis gehabt: Sie habe nicht nur dort geholfen, wo Arbeitsplätze tatsächlich von der Pandemie betroffen waren; sie habe womöglich im einen oder anderen Betrieb dazu beigetragen, Stellen zu erhalten, die ohnehin – auch ohne Corona – gefährdet gewesen wären. Ein Beleg dafür, dass die Kurzarbeit gegriffen hat: Im Laufe des Jahres haben sich weniger Menschen arbeitslos gemeldet als im Jahr 2019 – gestiegen ist die Arbeitslosenzahl allein deshalb, weil keine neuen Stellen geschaffen wurden und dementsprechend wenige Menschen die Arbeitslosigkeit hinter sich lassen konnten. Im April und Mai hatte Kurzarbeit Hochkonjunktur: 403 Betriebe aus dem Landkreis arbeiteten im April kurz, die meisten Kurzarbeiter gab es im Mai: 5313. Im Juli waren es noch 241 Betriebe mit 2421 Kurzarbeitern.

Höchste Löhne in der Westpfalz

Keinen Schaden genommen hat der Ausbildungsmarkt des abgelaufenen Jahres: Zwar wurden 2020 5,4 Prozent weniger Azubi-Stellen gemeldet, weil aber gleichzeitig die Zahl der Bewerber um gut zehn Prozent zurückgegangen ist, kamen im Endeffekt sogar weniger Bewerber auf eine Stelle.

Ein weiterer erfreulicher Aspekt: Diejenigen, die einem sozialversicherungspflichtigen Job im Donnersbergkreis nachgehen, gehören – im Schnitt – zu den Topverdienern in der Westpfalz. 3589 Euro pro Monat lassen sich durchschnittlich in den Betrieben im Kreis verdienen, genau so viel wie in der Stadt Kaiserslautern. Zum Vergleich: Schlusslicht ist der Kreis Südwestpfalz mit 2763 Euro.

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